Champions-League-Halbfinale : Bayern München gegen Barcelona: Mit Maske und Pep gegen den Beißer

Lewandowski soll trotz Verletzung im Halbfinal-Hinspiel in Barcelona für die Bayern auflaufen. Wem drückt Familie Guardiola eigentlich die Daumen?

shz.de von
05. Mai 2015, 14:30 Uhr

Der FC Bayern ist mit demonstrativer Zuversicht und dem angeschlagenen Torjäger Robert Lewandowski nach Barcelona aufgebrochen. „Wir glauben an uns“, sagte Weltmeister Thomas Müller am Dienstag am Münchner Flughafen. Lewandowski soll am Mittwochabend im Halbfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Barcelona (20.45 Uhr/ZDF und Sky) trotz seiner Gesichtsverletzungen mit einer Schutzmaske auflaufen können. Der weiterhin am Fuß verletzte Franck Ribéry trat die Reise nicht an, ebenso Mittelfeldspieler Sebastian Rode wegen muskulärer Probleme.

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Daumen drücken für die Jungs! Leider stoppt mich ein Muskelfaserriss - gebe mein Bestes, im Rückspiel dabei zu sein! <a href="http://t.co/25wUXlciAz">pic.twitter.com/25wUXlciAz</a></p>&mdash; Sebastian Rode  (@Sebastianrode20) <a href="https://twitter.com/Sebastianrode20/status/595527478334115843">5. Mai 2015</a></blockquote>

Vereinspräsident Karl Hopfner gab den Einzug ins Endspiel am 6. Juni in Berlin als Ziel aus: „Die Chancen stehen 50:50.“ Zumindest die Statistik spricht klar für München. Der deutsche Fußball-Rekordmeister konnte fünf der bisherigen acht Europapokalpartien gegen Barcelona gewinnen. Nur eine ging verloren, beim Viertelfinal-K.o. 2009 unter Coach Jürgen Klinsmann. Beim 0:4 in Barcelona war der heutige Bayern-Coach Pep Guardiola noch Trainer der Katalanen. 

Vor zwei Jahren zerlegten die Bayern im Halbfinale der Königsklasse das große Barça mit 4:0 und 3:0.

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Auf der Barca-PK erinnert sich Messi an <a href="https://twitter.com/hashtag/FCBFCB?src=hash">#FCBFCB</a> 2013, erwartet morgen Abend aber &quot;ein vollkommen anderes Spiel.&quot; <a href="http://t.co/3d23Ziq4wX">pic.twitter.com/3d23Ziq4wX</a></p>&mdash; FC Bayern München (@FCBayern) <a href="https://twitter.com/FCBayern/status/595552020565725184">5. Mai 2015</a></blockquote>

Wohl zurecht. Denn seitdem hat sich aber einiges geändert bei Barcelona. Vor allem im Angriff. Zum einen ist Lionel Messi im Gegensatz zu damals topfit, zum anderen gibt es mit Luis Suárez und Neymar zwei neue Spieler, die für Furore sorgen. Als Pep Guardiola nach der Halbfinalauslosung die größte Veränderung von seinem Barça (2008-2012) zum aktuellen Team des FC Barcelona benennen sollte, nannte auch der Bayern-Trainer diese zwei Namen. „Sie haben Neymar und Luis Suárez gekauft“, sagte der Bayern-Coach.

Das südamerikanische Angriffstrio des FC Barcelona hat in dieser Saison bislang noch jeden Gegner aufgemischt, ob in der Champions League, der Primera División oder im spanischen Pokal. 108 der insgesamt 159 Barça-Tore in allen drei Wettbewerben haben die fantastischen Drei erzielt; 51 davon der Argentinier Messi, 33 der Brasilianer Neymar und 24 der Uruguayer Suárez, der berühmt-berüchtigte Beißer der Fußball-WM 2014, der nach einer Sperre erst im Spätherbst 2014 die Torejagd aufnehmen durfte.

„Das ist schon ein außergewöhnlicher Sturm, der da auf uns zukommt“, gestand Weltmeister Jérôme Boateng. Auf den Münchner Abwehrchef und auf Nationaltorhüter Manuel Neuer wird es im Camp Nou von Barcelona besonders ankommen, wenn die katalanische Angriffswalze irgendwie aufgehalten werden soll.

„Das müssen wir als Mannschaft bewältigen“, urteilte Weltmeister Boateng. „Man muss sie gut kontrollieren“, mahnte auch der erfahrene Spanier Xabi Alonso, der mit seinen Mittelfeldkollegen schon die Zuspiele in die Spitze verhindern muss. In der Königsklasse hat Barcelonas Sturmtrio mit dem Kürzel „MSN“ in den bisher zehn Partien zusammen 20 Mal getroffen. Das macht einen Zwei-Tore-Schnitt.

Das nach dem Ausfall von Arjen Robben (Muskelbündelriss in der Wade) verbliebene Münchner Offensivtrio Thomas Müller, Robert Lewandowski und Mario Götze kommt gemeinsam auf 15 Treffer - auch nicht schlecht.

Zurück zu Barca: Insbesondere mit dem Kauf von Suárez für gut 80 Millionen Euro vom FC Liverpool im vergangenen Sommer hat sich die Spielweise der Katalanen fundamental verändert. Der 28 Jahre alte Uruguayer ist kein verkappter oder spielender Mittelstürmer, keine falsche Neun, wie sie Guardiola in Barcelona einst einführte. Suárez ist ein klassischer Torjäger, ein Arbeiter im Strafraum. Mit ihm ist das Angriffsspiel der Katalanen zielstrebiger und direkter geworden, die schier endlosen Ballstafetten im Mittelfeld gehören der Vergangenheit an.

Vom Beißer Suárez ist auch nicht mehr die Rede. Den Biss gegen den Italiener Giorgio Chiellini bei der Weltmeisterschaft in Brasilien hat Suárez vergessen gemacht. „Er hat einen Fehler gemacht, aber bei uns verhält er sich tadellos“, sagte Barcelonas Trainer Luis Enrique.

Und wem drückt das Umfeld von Bayern-Trainer eigentlich die Daumen? In der spanischen Gemeinde Santpedor, dem Heimatdorf von Pep Guardiola, halten fast alle Bewohner beim Halbfinale zum FC Barcelona. Nur der Vater des Bayern-Trainer drückt dem deutschen Fußballmeister aus München die Daumen. „Wer selbst Kinder hat, kann sich denken, auf wessen Seite ich stehe“, sagte Valentí Guardiola dem spanischen Sportblatt „Marca“.

„Für mich ist die Familie wichtiger als alles andere“, meinte er. Er wisse noch nicht, ob er sich das Hinspiel Barça gegen den FC Bayern im Camp-Nou-Stadion anschauen werde. „Vielleicht sehe ich es mir daheim im Fernsehen an. Das ist besser für die Nerven“, meinte der gelernte Maurer. „Falls der FC Bayern verliert, was angesichts der vielen verletzten Spielern nicht überraschend wäre, hätte ich den Trost, dass Barça ins Finale kommt.“ Guardiola Senior räumte ein: „Mein Sohn hat es nicht gerne, wenn ich mit der Presse rede. Aber ich kann auch nicht 'nein' sagen, denn Ihr Journalisten lebt davon.“

Laura Vilagrà, Bürgermeisterin der 7400-Seelen-Gemeinde im Nordwesten von Barcelona, betonte: „Pep hat Santpedor auf die Landkarte gebracht, aber in der Partie gegen den FC Bayern wird das ganze Dorf zu Barça halten.“

Im ersten Halbfinale der Champions League-Fußball treffen am Dienstagabend Juventus Turin und Real Madrid aufeinander. Nach der vierten Meisterschaft in Serie träumen die Turiner vom nächsten Coup: Erstmals seit zwölf Jahren möchte Italiens Fußball-Rekordchampion wieder ins Endspiel der Champions League einziehen. Doch genau das will Titelverteidiger Real Madrid verhindern: Die „Königlichen“ sind vor dem Hinspiel in Turin selbstbewusst. Weltmeister Toni Kroos steht im Kader, sein Landsmann Sami Khedira muss zuschauen. Real-Trainer Carlo Ancelotti setzt den deutschen Nationalspieler nicht einmal auf die Ersatzbank.

Juve gilt im Halbfinale als Außenseiter. Gegner Real sowie Bayern München und der FC Barcelona im zweiten Halbfinale (Mittwoch) werden höher gewettet. Doch vielleicht ist genau das die Chance der Italiener. „Wir haben vielleicht nicht die großen Stars wie die anderen Teams“, gab Routinier Andrea Pirlo zu. „Wir bilden jedoch eine kompakte Einheit“, sagte der 35-Jährige, der Juves Chancen bei „50 Prozent“ sieht.

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