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Fußball : Werder schon wieder in der Krise: «Grausame Leistung»

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Sogar der sonst so eloquente Thomas Eichin schwieg lieber. Dabei lag die Frage nach dem 0:3 (0:2) gegen Eintracht Frankfurt und damit der dritten Niederlage in Serie auf der Hand: «Wie groß ist die Gefahr, dass Werder wieder durchgereicht wird?»

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erstellt am 15.Sep.2013 | 10:24 Uhr

Der zuvor und danach so wortgewaltige Manager des Bremer Fußball-Bundesligisten stutzte eine Sekunde, dann sagte er kurz und knapp: «Das sind Fragen, die will ich gar nicht beantworten.»

Den Fans hatte es ebenfalls die Sprache verschlagen. Sie pfiffen. Schon nach zwanzig Minuten gab es die ersten Unmutsbekundungen mit spitzen Lippen. Später wurde es laut. Nach dem Ende der erschreckenden 90 Minuten, die mit drei Gegentoren ergebnistechnisch noch halbwegs glimpflich endeten, verabschiedeten die enttäuschten Anhänger die Spieler mit einem gellenden Pfeifkonzert.

«Ich verstehe die Fans, dass sie unzufrieden sind», sagte Aaron Hunt, der zu allem Überfluss auch noch zwischen dem Doppelpack von Vaclav Kadlec (14., 34.) und Sebastian Prödls Eigentor (77.) mit einem Elfmeter (58.) an Kevin Trapp scheiterte. «Wir gehören zu den Teams, die unten drin stehen», fasste der langjährige Werder-Profi mit gesenktem Blick zusammen: «Diese Situation müssen wir annehmen.»

Richtig, Werder steckt schon wieder in die Krise. Nach den zwei glücklichen Auftaktsiegen sind die Bremer auf dem Weg nach unten. Dort, wo sie am Ende der vergangenen Saison auch standen, als sie nur mit viel Glück den Abstieg verhinderten.

Kurioserweise war die Leistung gegen Frankfurt vor dem Platzverweis von Franco di Santo (26.) wegen eines üblen Kung-Fu-Tritts gegen Bastian Oczipka noch schwächer als danach. «Ich bin ein bisschen angezählt, was die ersten Minuten angeht», gab Eichin zu und attestierte eine «grausame Leistung. Wie wir anfangen, wie wir im eigenen Stadion beginnen, das ist einfach mutlos. Ich weiß nicht, auf was wir warten.»

Die neuen Werder-Verantwortlichen wirken schon nach fünf Spieltagen so ratlos wie ihre Vorgänger. «Ich weiß nicht, woran es liegt», gestand Allofs-Nachfolger Eichin. Und auch Schaaf-Nachfolger Robin Dutt konnte keine Erklärungen liefern und mochte nicht alle Fragen beantworten: «Sonst nehmen wir den Leuten hier total die Hoffnung - und das geht nicht.»

Immerhin, Dutt versuchte erst gar nicht, irgendetwas schön zu reden. Die frühe Rote Karte, der verschossene Elfmeter und das Eigentor «sind nur Randgeschichten», erklärte der ebenfalls redegewandte Coach und fügte resolut an: «Ich bin weit davon entfernt, einige Lichtblicke zu erwähnen.»

Für den Coach sind die aktuellen Probleme auch Folgen der vergangenen Spielzeiten, in denen sich Werder vom Dauergast in der Champions League zu einem dauerhaft vom Abstieg gefährdeten Club entwickelt hat. «Es haben sich Dinge festgesetzt», sagte er: «Es sind Dinge, die man im Kopf aufbrechen muss.»

Wie das geschehen soll, das konnte Dutt nicht beantworten. Aber Eichin wusste zumindest, was die frustrierten Fans vor dem Derby gegen den noch schlechter gestarteten Nordrivalen HSV gerne hören wollen: «Am nächsten Samstag spielen wir in Hamburg, da haben wir die Chance zur Wiedergutmachung. Dort können wir das Ding wieder drehen.»

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