zur Navigation springen

Die Bundesliga-Kolumne : Verfolger-Versagen, Kampf-Kraft, Einkaufs-Politik

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein spektakuläres Bundesliga-Wochenende geht zu Ende. Der HSV hat in Dortmund alle Erwartungen übertroffen. Jürgen Muhl blickt zurück.

Abgeschlagen: Ja, wo sind sie denn, die Verfolger des FC Bayern? Der HSV beendete die Dortmunder Hoffnungen, nach der Galavorstellung in der Champions League auch in der Bundesliga zu alter Stärke zurückzufinden. Ausgerechnet der HSV. Schalke verabschiedete sich aus einer möglichen Verfolgerrolle mit der Niederlage in Hoffenheim. Der Verein von Milliardär Dietmar Hopp heftet sich derweil an die Fersen der Bayern, ohne ernsthaft als Mitbewerber um den Titel gehandelt zu werden. Leverkusen rettet mit Glück ein Remis gegen einen SC Paderborn, der sich nicht freiwillig ans Tabellenende schieben lässt. Die rote Laterne hängt bei Werder am Weserufer.

Bremen als Schlusslicht, das ist man nicht gewohnt in der Hansestadt. Robin Dutt, einer jener Fußballlehrer, der sich selbst zu den ganz Großen zählt, gerät immer mehr unter Druck. Der introvertierte Dutt könnte nach Mirko Slomka der nächste sein, dem der Klassenerhalt nicht zugetraut wird. Bevor in Bremen jedoch ein Trainer entlassen wird, muss schon das Weserwasser kurz vor der Werder-Geschäftsstelle im Stadion stehen. Eine solche Personalentscheidung läuft anders ab als im Hamburger Volkspark. In Bremen – jedenfalls war es in der Vergangenheit so – wird lange überlegt, bevor einem Chefcoach Papiere und Abfindung übergeben werden.

 

Auswärtssieg: Donnerwetter, Zinnbauer Josef. Oder auch: Respekt, Josef Zinnbauer. Auf einen Sieg in Dortmund konnte nun wahrlich nicht gewettet werden nach der desolaten Vorstellung vor einer Woche gegen Frankfurt. Amateurtrainer Zinnbauer hat diese Mannschaft, häufig als untrainierbar abgestempelt, scheinbar im Griff. Zinnbauer kann offensichtlich motivieren. Er nimmt die Chance seines Lebens wahr und darf sich wohl ziemlich sicher sein, auch noch vor und kurz nach Weihnachten auf der wackeligen Hamburger Trainerbank zu sitzen.

Welch ein Aufstieg, welch ein Karrieresprung des einstigen Finanzmaklers. Es spricht für Zinnbauer, dass er die körperlich ausgezeichnete Verfassung seiner Profis auf das gute Training von Vorgänger Slomka zurückführt. In Dortmund imponierten Kampfkraft und Laufbereitschaft, mit der die Hamburger den BVB und Jürgen Klopp in eine handfeste Krise schickten. Zinnbauer ließ auch den Brasilianer Cleber auf der Bank. Es spricht für seinen Fußballverstand, sollte er den südamerikanischen Abwehrspieler als Fehleinkauf erkannt haben.

Zinnbauer wird jetzt auf einen gut dotierten Vertrag pochen. Der HSV wird wohl die Forderungen des Bayern erfüllen. Auch, wenn noch eine Klage von Slomka auf dem Tisch liegt. Da geht es um zwei bis drei Millionen Euro Abfindung. Aber das kennt man ja beim Hamburger Sport-Verein.

 

Einkaufstour: Obwohl der HSV – trotz leerer Kassen – bereits 26 Millionen Euro in neue Spieler investiert hat, wird über weitere Einkäufe in der Winterpause spekuliert. Der neue Sportchef Peter Knäbel soll kurz nach seinem Dienstantritt entsprechende Personalien vorgelegt haben. Das ist schon erstaunlich bei einer Schuldenlast von mehr als 100 Millionen Euro. Für den Klassenerhalt wird eben alles getan. Aber was heißt Klassenerhalt? Nach dem Sieg in Dortmund mag es bereits neue Ziele geben.

zur Startseite

von
erstellt am 06.Okt.2014 | 08:02 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen