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Sky verliert Monopol : TV-Rechte der Bundesliga: Der Fußball-Fan gerät ins Abseits

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Das Bundeskartellamt hat entschieden: Mehrere Sender sollen sich die Fußball-Rechte teilen. Was das für Folgen hat, kommentiert Jürgen Muhl.

Hannover | Schluss mit „Alle Spiele, alle Tore“ bei nur einem Anbieter: Das Bundeskartellamt hat grünes Licht für den milliardenschweren TV-Poker der Deutschen Fußball Liga (DFL) gegeben und damit das Monopol des Abo-Senders Sky gekippt. sh:z-Sportchef Jürgen Muhl kommentiert:

Ausgerechnet jenes Bundeskartellamt, das sich gern als verbraucherfreundlich einstuft und dem kleinen Mann auf der Straße marktwirtschaftlich zur Seite stehen sollte, spielt Doppelpass mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Die Aufpasser-Behörde hat der Frankfurter Fußball-Zentrale eine präzise Vorlage zur Erfüllung ihres Milliarden-Traums geliefert. Rund eine Milliarde Euro sollen in Zukunft pro Saison an Fernsehgeld allein aus der Inlandsvermarktung ins Haus kommen. Derzeit sind es 673 Millionen Euro. Immer noch viel zu wenig, schimpfen die Rummenigges dieser Republik. Sind es doch in England über drei Milliarden Euro pro Spielzeit, die den Clubs in der Premier League die Kassen füllen.

Das Kartellamt folgt dem Wunsch der Deutschen Fußball-Liga, die Rechte zukünftig an mehrere Pay-TV-Sender zu vergeben. Damit ist also ausgeschlossen, dass der Bezahlsender Sky wie bislang mit dem Slogan „Alle Spiele, alle Tore “ wirbt. Live-Rechte dürfen nicht mehr komplett an einen Bieter vergeben werden. Ein simples System, das der Bundesliga Hunderte von Millionen Euro mehr als bisher zuführen wird. Wobei der Fußball-Fan im Abseits stehen wird.

Die Tatort-Folge Bundesliga ist zum besten Quotenbringer im deutschen Fernsehen avanciert. Fußball hat sich als außergewöhnlich begehrenswerte Ware auf dem deutschen TV-Markt etabliert. Eine Ware, die im Gegensatz zu teuren Filmen und Musikshows mit Werbung refinanzierbar ist. So könnte es sein, dass selbst ein Privatsender wie RTL in dem Poker um die Free-TV-Rechte mitmischen wird. Was bislang der ARD mit der Sportschau am Samstagabend vorbehalten ist, die mit den Einnahmen ihrer Zwangsgebühren mit einem geldwerten Vorteil ins Rennen geht. Die DFL macht auch keinen Hehl daraus, weiterhin gern mit dem öffentlich-rechtlichen Sender zu kooperieren. Liegen die Quoten hier in der Regel nun einmal deutlich höher als bei den Privatsendern.

Wer auch immer auf beiden Seiten – beim Pay-TV und beim frei empfangbaren Fernsehen – den Zuschlag erhält, für den Fan wird es teurer. Sky für 19,90 Euro oder ähnlich, das wird es nicht mehr geben. Und die nächste Gebührenerhöhung für ARD und ZDF wird auch kommen. Das Kartellamt hat der Deutschen Fußball-Liga in die Karten gespielt. Anpfiff zum Milliardenspiel.


Worum geht es genau?

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) strebt ein neues Vermarktungsmodell an. Danach darf zukünftig ein TV-Sender nicht mehr alle Live-Spiele der Bundesliga exklusiv kaufen. Bisher werden sämtliche Partien der Bundesliga und 2. Liga live vom Pay-TV-Sender Sky gezeigt. „Wir haben Wert gelegt auf Regelungen, die sicher stellen, dass im Ergebnis mehr als ein einziger Bieter die Live-Rechte erwirbt“, teilte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, am Montag mit.

Die Wettbewerbshüter widersprachen Befürchtungen der Fußballfans, zukünftig für eine Rund-um-Versorgung mehr Decoder und Abos kaufen zu müssen. „Wie die Erfahrungen aus anderen Ländern - zum Beispiel England - zeigen, führt ein solches Modell meist nicht dazu, dass der Verbraucher am Ende mehr als ein Abonnement benötigt, um alle Spiele sehen zu können“, sagte Mundt. Rechteinhaber könnten sich nach seinen Angaben gegenseitig auch Unterlizenzen einräumen. Das Kartellamt sieht es als ausreichend an, wenn künftig zwischen 30 und 102 attraktive Bundesligaspiele von insgesamt 306 Partien zusammen mit umfassenden Möglichkeiten zur Highlight-Berichterstattung von einem alternativen Bieter erworben werden.

Die DFL will am Dienstag in Frankfurt die Ausschreibung der verschiedenen Rechtepakete erläutern. Die ARD, bisher mit der Sportschau Erstsender im Free TV, rechnet auch für das frei empfangbare Fernsehen mit einem Wettbieten. „Bundesliga-Rechte sind eine ausgesprochen interessante Ware. Deshalb gehen wir davon aus, dass es einen erheblichen Wettbewerb geben wird“, sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres in Berlin.

Für seinen Sender habe die Sportschau einen hohen Stellenwert. „Für uns ist sie ein wichtiger Zuschauermagnet. Sie bindet ein junges Publikum an das Erste, das dann auch mit anderen Programmen in Kontakt kommt“, erklärte Herres.

Unabhängig vom genauen Wortlaut der Ausschreibung werden die Clubs für die Zeit von 2017/18 bis 2020/21 mehr Geld kassieren als bisher. Vor allem Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hat das mehrfach und lautstark gefordert. Angefeuert wird die Diskussion durch die TV-Verträge in England, wo die Premier League allein 2,3 Milliarden Euro pro Jahr durch nationale Medien-Rechte erhält. „Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir beim Umsatz die Nummer zwei in Europa bleiben“, lautet die Maßgabe von DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. Dafür sollen die Medieneinnahmen die Milliardengrenze übersteigen. In der laufenden Saison kassiert die Liga national 663 und international 154 Millionen Euro. In der kommenden Spielzeit, in der der bestehende TV-Vertrag ausläuft, sind es 673 und 162 Millionen Euro.

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erstellt am 12.Apr.2016 | 10:00 Uhr

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