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Fußball : Schiedsrichter-Schelte nach Spektakel in Sinsheim

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Christian Streich stürmte nach dem Sechs-Tore-Spektakel bei 1899 Hoffenheim wutentbrannt in die Kabine, wenig später hob der immer noch zornige Trainer des SC Freiburg zur Generalabrechnung mit Referee Tobias Stieler an.

«Schiedsrichter haben die schwierigste Aufgabe von allen Beteiligten auf dem Platz. Dass es hitzig ist und mal eine Fehlentscheidung gibt - überhaupt kein Problem. Aber es geht um eine Verhältnismäßigkeit. Und wenn ein Spieler einen fairen Zweikampf führt und dafür die Gelb-Rote bekommt, die vehement eingefordert wurde, dann kippt das ganze Spiel. Und das ist außerhalb jeder Verhältnismäßigkeit», schimpfte Streich über die Schlüsselszene beim atemberaubenden 3:3 (2:2) im Baden-Derby der Fußball-Bundesliga.

Der unberechtigte Feldverweis für Francis Coquelin kurz vor der Pause beraubte die Gäste ihrer numerischen Überlegenheit nach der frühen Roten Karte gegen Hoffenheims Sejad Salihovic (10.) und brachte Streich derart aus der Fassung, dass er wegen Verlassens der Coachingzone auf die Tribüne verbannt wurde. «Das ist Wahnsinn», meinte der konsternierte SC-Coach und bekannte: «Ich brauche erst mal einen Tag, um das zu verdauen.» Dass auch noch Admir Mehmedi in der Schlussminute mit Rot vom Platz flog wurde da fast schon zur Nebensache.

Viel Zeit, die rasante Partie aufzuarbeiten, bleibt nicht. Schon am Dienstag kommt Triple-Champion Bayern München an die Dreisam. «Wir müssen schauen, dass wir die Jungs bis dahin wieder fit kriegen. Wichtig war, dass sie sich noch einen Punkt erarbeitet haben», sagte Streich. Ähnlich sah es SC-Präsident Fritz Keller: «Auf der Leistung kann man aufbauen. Es war ein klarer Aufwärtstrend erkennbar.»

Auch der Freiburger Club-Boss ließ kein gutes Haar an Referee Stieler, der in seinem 14. Bundesligaeinsatz überfordert wirkte. «Das Feuer wurde nicht durch die Mannschaften ins Spiel gebracht, sondern vom Schiedsrichter. Ich glaube, es war nicht sein bester Tag. Wir sind letztlich die Leidtragenden», erklärte Keller.

Mit ihrem Wehklagen über den 32 Jahre alten Unparteiischen standen die Freiburger jedoch nicht allein. «Ich denke, dass der Schiri heute beweisen wollte, dass er der Chef ist auf dem Platz. Er hat dann ein bisschen übertrieben», kritisierte Hoffenheims Torhüter Koen Casteels. Und Mittelfeldspieler Eugen Polanski stellte fest: «Beide Mannschaften haben sich beackert, und der Schiedsrichter hat es nicht verstanden, das Ganze zu beruhigen.»

Lediglich TSG-Coach Markus Gisdol wollte nicht in den Chor der Kritiker einstimmen und redete lieber über die denkwürdige Partie, die die 24 118 Zuschauer so schnell nicht vergessen werden. «Nach solch einem Spiel muss man erst einmal wieder die Emotionen runterfahren und einen klaren Kopf bekommen. Es war berauschend und für alle Beteiligten ein richtiges Erlebnis», schilderte Gisdol seine Eindrücke.

Seine Elf dezimierte sich frühzeitig selbst, weil Salihovic nur 14 Sekunden nach seinem Führungstor per Foulelfmeter Rot sah. Der Bosnier hatte beim Jubeln Freiburgs Kapitän Julian Schuster eine leichte Ohrfeige versetzt. Kevin Volland (25.) mit einem Weltklasse-Heber und Tobias Strobl (77.) mit einem Hammer in den Winkel setzten dann sportliche Glanzpunkte. Für Freiburg waren Oliver Sorg (13.), Karim Guédé (29.) und Sebastian Freis (65.) erfolgreich. Polanski fasste das verrückte Treiben auf dem Rasen trefflich zusammen: «Daraus hätte man einen Hollywood-Film machen können.»

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erstellt am 25.Aug.2013 | 10:33 Uhr

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