Fußball : Lieberknecht und Slomka vor Derby: Respekt, kein Hass

Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht möchte ein friedliches Derby gegen Hannover 96 erleben.
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Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht möchte ein friedliches Derby gegen Hannover 96 erleben.

Am Freitag stehen sich Hannover 96 und Eintracht Braunschweig erstmals seit mehr als 37 Jahren wieder in der Fußball-Bundesliga gegenüber. Das Spiel findet unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt.

shz.de von
04. November 2013, 08:08 Uhr

Vor dem brisanten Derby antworten die Trainer Torsten Lieberknecht (Braunschweig) und Mirko Slomka (Hannover) unabhängig voneinander auf Fragen der Nachrichtenagentur dpa.

Wie erleben Sie die Rivalität zwischen beiden Fanlagern?

Lieberknecht: Jedes Derby auf der Welt bringt Emotionen mit sich. Wenn alles in einem gesunden Rahmen bleibt, dann haben solche Spiele eine große Bedeutung und Berechtigung im Fußball. Emotionen gehören dazu, aber immer auf der sportlichen Ebene.

Slomka: Ich bin in Hildesheim, also in der Region, geboren und aufgewachsen. 96 gegen Eintracht - das waren immer große Spiele, die die Menschen begeistert haben. Ich werde jeden Tag von vielen Menschen auf dieses Spiel angesprochen. Man spürt: Es bewegt die Leute und ist das Gesprächsthema Nummer 1 in Hannover und der Region. Rivalität ist super, wenn alles friedlich bleibt und die Konkurrenz nicht ausartet. Der Respekt vor dem Rivalen ist immer wichtig.

Was können Sie als Trainer machen, um dafür zu sorgen, dass die sportliche Rivalität im Vordergrund bleibt?

Lieberknecht: Wir müssen den Respekt, den beide Clubs voreinander haben, in den Vordergrund stellen.

Slomka: Indem wir öffentlich aktiv Zeichen für ein friedliches Derby setzen und präventiv agieren. Auf unsere Aussagen wird in diesen Tagen ganz aufmerksam geachtet. Deshalb werben wir auch gemeinsam mit den Kapitänen in Radio-Spots bei NDR2 für ein friedliches Derby. Eins ist völlig klar: Torsten Lieberknecht und ich wollen mit unseren Mannschaften jeweils unbedingt das Spiel gewinnen. Als Trainer haben wir aber, wie ich finde, eine besondere Verantwortung, vor dem Spiel kein Öl ins Feuer zu gießen, sondern unsere Worte mit Bedacht zu wählen. Es darf keine emotionalen Kurzschlusshandlungen geben.

Überwiegt die Vorfreude auf solch ein Spiel oder die Furcht, das etwas passieren kann?

Lieberknecht: Damit beschäftige ich mich nicht. Und ich möchte mich auch danach nicht damit beschäftigen. Was mir Freude bereitet, ist, dass wir uns in der ersten Liga begegnen. Daran hat wohl keiner mehr gedacht.

Slomka:Wir freuen uns auf einen fantastischen Derby-Abend ... und wünschen uns, dass alles friedlich bleibt. Ich glaube, dass auch die Fans eine tolle Möglichkeit haben, gerade wegen der umfangreich geäußerten Befürchtungen, zu zeigen, dass ein Derby friedlich ablaufen kann.

Können Sie die riesige Rivalität bei den Fans nachvollziehen?

Lieberknecht: Ich versuche es, nachzuvollziehen. Ich habe hier ein DFB-Pokalspiel miterlebt. Das war ein sensationeller Abend. Nicht nur, weil wir gewonnen haben, sondern die ganze Stimmung.

Slomka: Als Schalke-Trainer habe ich sehr intensiv die Rivalität zum BVB erlebt. Der Fußball fasziniert die Menschen - das ist in Niedersachsen nicht anders als im Ruhrgebiet. Wer versteht, wie wichtig der Fußball und ihr Club für die Menschen sind, der versteht auch die besonderen Emotionen rund um ein Derby. Rivalität ist klasse, wenn es Konkurrenz bleibt und kein Hass wird.

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