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Fußball : Lieberknecht: «Glatt gebügelt bin ich nicht»

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Torsten Lieberknecht und Jürgen Klopp gelten als Brüder im Geiste. Ähnlich wie beim BVB-Coach, dessen Wutausbruch in Neapel an einen Vulkan erinnerte, brodelt es auch bei seinem Berufskollegen von Eintracht Braunschweig, wenn er sich und sein Team ungerecht behandelt fühlt.

Und das passiert fast in jedem Spiel. Beim 1:1 gegen Nürnberg trat Lieberknecht gegen eine Werbebande und warf eine Trinkflasche auf die Bahn des Eintracht-Stadions, nach der 0:4-Klatsche in Hamburg gab er ein Wut-Interview, das schon jetzt Kult-Status hat.

«Es gibt Momente, in denen du merkst, du bist dieser kleine Pissverein, der bei den Schiedsrichtern noch nicht diese Wahrnehmung hat», schimpfte der frustrierte Lieberknecht kurz nach dem Abpfiff. Einen Tag später ruderte er zwar auf der Homepage des Vereins etwas zurück. Auf keinen Fall sollte der Eindruck erweckt werden, dass wir die Schuld beim Schiedsrichter suchen, teilte der Ex-Profi mit. Bereuen oder gar zurücknehmen wollte er die Aussage aber nicht. «Emotionen und Leidenschaft gehören für mich im Fußball dazu. Glatt gebügelt bin ich nicht», betonte der 40 Jahre alte Eintracht-Coach.

Seit ziemlich genau zehn Jahren lebt und arbeitet der gebürtige Pfälzer in Braunschweig. Am 30. August 2003 absolvierte er sein erstes Pflichtspiel als Eintracht-Profi, zuvor hatte er unter anderem mit Jürgen Klopp mehrere Jahre für Mainz 05 in der 2. Liga gespielt. Die Verbindung hat bis heute gehalten, beide nahmen am Donnerstag bei der Beerdigung von Wolfgang Frank Abschied von ihrem Ex-Trainer. «Ich bin sehr traurig. Wolfgang war nicht nur ein großartiger Trainer, sondern auch ein toller Mensch», sagte Lieberknecht.

Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn arbeitete Lieberknecht zunächst im Jugend-Bereich der Eintracht. Im Mai 2008 übernahm er das Profi-Team, verhinderte den Absturz in die vierte Liga und führte in diesem Sommer im Zusammenspiel mit Sportdirektor Marc Arnold den deutschen Meister von 1967 nach 28 Jahren zurück in die Bundesliga. «Den Aufstieg kann man fast mit einem Weltwunder gleichsetzen, bei den Mitteln, die wir hatten und die wir haben, sagte der Fußball-Lehrer, der auch als Fußball-Romantiker bezeichnet wird.

Seine Diplomarbeit schrieb Lieberknecht zum Thema «Der schwierige Spagat zwischen Tradition und Zukunft bei Eintracht Braunschweig». Ein Titel, der die aktuelle Situation ziemlich genau beschreibt. Die Eintracht-Führung, die vielen blau-gelben Fans und auch Lieberknecht benutzen gern das Wort Traditionsverein - das klingt besser als das P-Wort, ist aber kein Garant für Punkte. Der Fehlstart des Neulings mit vier Niederlagen in den ersten vier Spielen gab eher denen Recht, die den Verzicht auf namhafte und teure Verstärkungen kritisiert hatten.

Die Euphorie bei Lieberknecht, der auch gerne mit der Rolle des Underdogs kokettiert, ist dennoch ungebrochen. «Ich stelle mich in jeder Situation vor meine Mannschaft und kämpfe für sie. Und wir als Verein müssen generell um unsere Anerkennung in der Bundesliga kämpfen», erklärte der Eintracht-Coach.

Die Rückendeckung durch das Präsidium hat der Aufstiegstrainer weiterhin. Clubchef Sebastian Ebel hält sich im Gegensatz zu anderen Bundesliga-Präsidenten im Hintergrund. Er setzt auf Lieberknecht und die Profis, die ihren Job mit viel Herzblut erfüllen. «Wir würden viel kaputt machen, wenn wir unsere gewachsenen Strukturen mit teuren Verstärkungen aufbrechen würden», sagte Ebel. «Nein, das würde nicht in unser Gesamtkonzept passen.»

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erstellt am 20.Sep.2013 | 12:31 Uhr

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