Heimniederlage : Kohfeldt schlägt nach Nullnummer gegen Hertha Alarm

Ishak Belfodil von Werder Bremen geht nach dem 0:0 gegen Hertha BSC mit gesenktem Kopf über den Platz.  
Ishak Belfodil von Werder Bremen geht nach dem 0:0 gegen Hertha BSC mit gesenktem Kopf über den Platz.  

Werder spielt ordentlich, punktet aber zu wenig. Weshalb die Bremer weiter ganz tief im Tabellenkeller stecken. Einen Abstieg scheint aber kaum jemand zu befürchten. Bis auf eine prominente Ausnahme.

shz.de von
28. Januar 2018, 13:59 Uhr

Florian Kohfeldt macht sich Sorgen. Große Sorgen sogar. «Die Situation ist gefährlich. Die ist richtig gefährlich», sagte der Trainer von Werder Bremen am Samstagabend nach der tristen Nullnummer gegen Hertha BSC. «Das ist Überlebenskampf. Und den müssen wir annehmen.»

Wieder einmal verpassten es die Bremer, mit einem Heimsieg den Anschluss ans untere Tabellenmittelfeld herzustellen. Wie schon beim Rückrunden-Auftakt gegen 1899 Hoffenheim mussten sich die Hanseaten mit einem mickrigen Pünktchen zufriedengeben, obwohl gegen eine schwache Hertha aus Berlin mehr drin gewesen wäre.

Zwar kamen auch die unmittelbaren Konkurrenten aus Stuttgart, Hamburg und Köln nicht zu Siegen. Doch Werder tritt als Tabellen-16. auf der Stelle, kommt trotz einer unter Kohfeldt sichtbaren spielerischen und taktischen Entwicklung nicht voran.

Und dennoch hat man rund um das Weserstadion das Gefühl, dass ein Abstieg kein Thema ist. Irgendwie werden wir es schon wieder schaffen, so in etwa ist die Grundstimmung in Bremen. Was Kohfeldt Sorge macht. «Ich möchte noch einmal dafür sensibilisieren, dass wir im Abstiegskampf sind. Das möchte ich von allen wahrgenommen wissen», sagte der Werder-Coach. «Alle denken: Der Mai ist noch weit, wir spielen doch guten Fußball. Aber ne, der Mai ist nicht mehr weit und wir sind drei Punkte dahinter», mahnte Kohfeldt. «Worauf warten wir?»

Seine Spieler nahm Kohfeldt bei seiner Generalkritik in Schutz, auch mit den Anhängern wollte sich der junge Coach nicht anlegen. Bleibt nur die Vereinsführung als Adressat. Bis Mittwoch haben die Clubs noch die Gelegenheit, Transfers zu tätigen. Zwar vermied es Kohfeldt, direkt von Geschäftsführer Frank Baumann neue Spieler zu fordern. Doch es ist klar, dass der Nachfolger von Alexander Nouri seinem Kader gerne noch Qualität hinzufügen möchte.

Zumal die Bremer unmittelbar nach dem Hertha-Spiel die Freistellung von Abwehrspieler Lamine Sané öffentlich machten, nachdem der Senegalese zwei Tage lang unentschuldigt gefehlt hatte. Neben der dringend notwendigen Blutauffrischung in der Offensive brauchen die Grün-Weißen nun also auch noch einen neuen Abwehrspieler.

Doch zwingend ist vor allem eine Verstärkung im Angriff. Gegen Berlin vergaben die Bremer erneut beste Gelegenheiten, mit der Großchance von Maximilian Eggestein in den Schlusssekunden als unrühmlichem Höhepunkt. Der Mittelfeldspieler schoss aus kurzer Distanz Jordan Torunarigha auf der Torlinie an.

Werder-Geschäftsführer Baumann stellte seinem Coach immerhin einen neuen Offensivspieler in Aussicht. Zwar sei es für einen Club wie Bremen nicht leicht, in der Winterpause Spieler mit hoher Qualität zu holen. «Nichtsdestotrotz glauben wir, dass wir bis Mittwoch noch einen Spieler verpflichten können, der uns im Offensivspiel weitere Optionen bietet.»

Auch Aufsichtsratsboss Marco Bode deutete an, dass sich in den kommenden Tagen noch etwas tun wird. «Ich gehe davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass wir nochmal aktiv werden», sagte Bode am Sonntag in der TV-Sendung «Wontorra - der Fußball-Talk» bei Sky. Kohfeldt würde es zufrieden zur Kenntnis nehmen, seine kleine Brandrede vom Samstag hätte seine Wirkung damit nicht verfehlt.

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