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Trainerwechsel bei Borussia Dortmund : Jürgen Klopp dankt ab: „Nicht mehr 100 Prozent der richtige Trainer“

vom
Aus der Onlineredaktion

Jürgen Klopps Zeit bei Borussia Dortmund geht im Sommer zu Ende. Dass Thomas Tuchel nun doch nicht HSV-Trainer wird, passt ins Bild. Zu einem Nachfolger will sich der BVB aber nicht äußern.

Dortmund | Der Dienstälteste unter den Bundesliga-Trainern packt zum Saisonende seine Sachen: Nach einer schwierigen Saison mit vielen Rückschlägen wird Jürgen Klopp Borussia Dortmund verlassen. Möglicherweise lockt ihn aber auch ein lukrative Offerte aus der englischen Premiere-League, darüber berichtet der „Guardian“. Klopp ließ seine Zukunft bei der Pressekonferenz offen. Ein Sabbatjahr sei nicht geplant.

Mit dem Abschied der Trainer-Ikone geht eine Ära zu Ende. Seit Amtsbeginn im Juli 2008 machte der Ex-Mainzer die zuvor abstiegsbedrohten Dortmunder mit Tempo-Fußball wieder zu einer Top-Adresse im deutschen Fußball. Mit den Borussen wurde er 2011 Deutscher Meister und gewann im Folgejahr sogar das Double. Insgesamt führte Klopp den Verein viermal in Serie in die Königsklasse, zudem erreichte er 2013 das Finale der UEFA Champions League, das gegen den großen Kontrahenten Bayern München verloren wurde. Der eloquente Coach hatte im Oktober 2013 seinen Vertrag beim BVB bis 2018 verlängert.

Sichtlich zerknirscht bestätigte Vereinschef Hans-Joachim Watzke bei der Pressekonferenz die Trennung zum Saisonende. Er sprach von einem tiefen freundschaftlichen Verhältnis innerhalb des Führungstrios. Klopp sagte, ihm sei die Entscheidung unglaublich schwer gefallen. Es gehe etwas zu Ende, das man sich als Mensch für ewig bewahren wolle. Er habe nach reiflicher Überlegung über viele Wochen aber das Gefühl, nicht mehr der 100 Prozent richtige Trainer für den Verein zu sein, der ihm unglaublich ans Herz gewachsen sei. Ihm sei bewusst geworden, dass eine sportliche Veränderung für den Club jetzt wichtig sei, das sei er dem Verein schuldig. Verschiedene Entscheidungen seien in letzter Zeit zu spät gefällt worden, dies solle bei seiner Personalie nicht passieren.

Anders als in den Medien dargestellt, sei er aber nicht müde und brauche auch keine längere Pause. Der Verein habe eine großartige Basis, viele junge Spieler stünden auf dem Sprung und er sei traurig, diese nicht mehr trainieren zu können. Ein neuer Trainer habe wieder die Möglichkeit, in kleinen Schritten Entwicklungen herbeizuführen. Die Mannschaft habe die Entscheidung aus der Presse erfahren. Manager Michael Zorc bezeichnete die Klopp-Ära als „Fußball-Märchen“. Die nächsten Wochen sollten den sieben unglaublichen Jahren ein würdiges Ende bereiten – das Ziel sei weiterhin die Europaliga.

Das Satiremagazin Extra 3 hat schon einen Abschiedssong für Kloppo eingesungen - und auf Facebook veröffentlicht:

Der Jürgen-Klopp-Song

Jürgen Klopp will den BVB verlassen?!? Uns würde er fehlen... Aber der Abschiedssong steht schon.

Posted by Extra 3 on Mittwoch, 15. April 2015

Zu Klopps möglicher Nachfolge wurden auf der Pressekonferenz aus Respekt vor den Leistungen des Meistertrainers keine Fragen zugelassen. Medienberichten zufolge soll der frühere Mainzer Coach Thomas Tuchel folgen. Dortmund bietet dem 41-Jährigen angeblich einen Vierjahresvertrag mit einem Gehaltsvolumen von bis zu 20 Millionen Euro. Tuchel war Klopp schon in Mainz über den einjährigen Platzhalter Jørn Andersen auf der Trainerbank gefolgt.

Tuchel, der sich derzeit in einem Sabbatjahr befindet, war bis zuletzt auch beim abstiegsbedrohten Hamburger SV im Gespräch. Die Rothosen präsentierten Mittwoch aber überraschend Bruno Labbadia als neuen Trainer, was darauf hindeutet, dass er sich für eine andere Aufgabe entschieden hat.

Klopp gilt als einer der einflussreichsten Trainer der letzten Jahre. Dass viele Vereine – gerade in der Bundesliga – inzwischen ein Umschaltspiel seiner Prägung spielen, erwies sich in der laufenden Saison fortlaufend als Problem. Gegen die vermehrt defensiv auftretenden Gegner fand man mit der alten Philosophie oft kein erfolgreiches Mittel.  Der Verein erlebte nach vielen namhaften Abgängen einen kräftezehrenden Absturz. Nach der 1:3-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach am vergangenen Wochenende klangen die Aussagen des sonst so schlagfertigen Motivators ungewohnt resignativ. Öffentlich stritt Klopp daraufhin mit seinem Ex-Kapitän Sebastian Kehl. Wie in dieser Spielzeit häufig, waren es individuelle Fehler, die den Club auf die Verliererbahn brachten.

Mit nur 33 Punkten sind die Westfalen noch nicht endgültig gesichert, die Teilnahme an den europäischen Wettbewerben ist in weite Ferne gerückt. Zudem liebäugeln erneut Leistungsträger wie Weltmeister Mats Hummels mit einem Vereinswechsel. Die Schwarz-Gelben hatten die Hinrunde nur auf Platz 17 beendet. In dieser Saison haben die Dortmunder nur noch Chancen auf den DFB-Pokal, müssen aber im Halbfinale beim Rekordmeister FC Bayern München antreten.

Die Kurs der börsennotierten BVB-Aktie hat noch vor der offiziellen Bekanntgabe der Trennung bereits um einige Prozent an Wert verloren.

ARD-Moderator Matthias Opdenhövel vermutet bei Twitter bereits einen Bayern-Deal für das nächste Jahr.

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erstellt am 15.Apr.2015 | 15:04 Uhr

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