zur Navigation springen

Einführung möglicherweise schon 2018 : IFAB: Test für Videobeweis kann nächste Saison starten

vom

Das International Football Association Board gibt grünes Licht: In fünf Fußball-Ligen soll der Videobeweis getestet werden.

shz.de von
erstellt am 20.Mai.2016 | 16:13 Uhr

Amsterdam | Der Videobeweis im Fußball kann unter Umständen in der kommenden Saison getestet werden. Dazu müssten die teilnehmenden Ligen aber alle Anforderungen erfüllen, sagte Lukas Brud, Generalsekretär des International Football Association Board (IFAB) am Freitag in Amsterdam. Er äußerte sich zuversichtlich, dass nach Auswertung der Tests bereits 2018 über die Einführung der technischen Hilfe für Schiedsrichter entschieden werden könne.

Besserer Schutz für Schiedsrichter und mehr Gerechtigkeit für die Vereine: Das sind die Vorteile, die ein Videobeweis bringen soll. Gleichzeitig könnte durch die Kamera-Unterstützung aber auch der Mann an der Linie überflüssig werden. Und die Aufgaben des Unparteiischen auf dem Spielfeld müssten eigentlich neu definiert werden.

Das IFAB, das über die Fußballregeln bestimmt, hatte im März entschieden, dass der Videobeweis in wohl fünf Fußball-Ligen in einer zweijährigen Testphase erprobt wird. Insgesamt zwölf nationale Ligen und eine Konföderation hatten sich als Tester beworben, auch die Bundesliga. Der Videobeweis soll in der kommenden Saison zudem in der italienischen Serie A getestet werden.

„Wir sind auf dem Weg“, sagte der frühere Europameister Marco van Basten, Assistenz-Trainer der niederländischen Nationalmannschaft. „Es hat lange genug gedauert“. Die technische Hilfe werde für faire und saubere Ergebnisse sorgen. Das IFAB informierte diese Woche gemeinsam mit dem niederländischen Fußballbund KNVB Vertreter der Ligen in Amsterdam beim ersten Workshop über den Videobeweis. Die Niederlande wollen nach Aussagen des KNVB-Direktors Gijs de Jong den Videobeweis in den Pokalspielen der kommenden Spielzeit einsetzen. Dem muss der IFAB aber noch zustimmen.

Wie funktioniert der Videobeweis?

Ein Video-Assistent außerhalb des Stadions oder in einem geschlossenen Raum innerhalb des Stadions soll bei Spielunterbrechungen TV-Bilder anschauen und dem Schiedsrichter per Headset auf dem Platz über seine Beobachtungen informieren. Er hat dafür nur wenig Zeit. Ziel ist es, strittige Szenen innerhalb von zehn bis 15 Sekunden aufzuklären.

 

Die Entscheidung, wann ein Spiel dafür unterbrochen wird, obliegt nur den Referees. Die Mannschaften sollen in dieser Hinsicht nichts zu melden haben. Ein Monitor soll zusätzlich am Spielfeldrand stehen. In seltenen Fällen könne der Schiedsrichter sagen: „Ich schaue mir das selbst an“, erklärt DFB-Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel.

 

Bei welchen Entscheidungen kommt die Technik zum Einsatz?

Der Einsatz des Videobeweises im deutschen Profifußball soll sich getreu den Vorgaben des Weltverbandes FIFA auf drei Bereiche konzentrieren: Torerzielung (dazu zählen Abseitsdiskussionen), Elfmetersituationen und Platzverweise. Eine Absage erteilten die deutschen Verantwortlichen einem Wunsch von Karl-Heinz Rummenigge. Bayern Münchens Vorstandschef hatte gesagt: „Mein Vorschlag wäre, dass jeder Verein pro Halbzeit bis zu zwei Unterbrechungen fordern kann, in denen ein Oberschiedsrichter strittige Szenen prüft.“

 

DFL-Direktor Ansgar Schwenken erklärte, man habe sich bewusst dagegen entschieden: „Ich glaube, dass das noch zu mehr Verunsicherung führen würde. Wir wollen in Deutschland eine Testphase, wo das Schiedsrichter-Team in Gänze Herr des Geschehens ist.“ Grundsätzlich werde letztlich immer der Spielleiter und nicht der Video-Assistent die Entscheidung bei strittigen Situationen treffen.

Was sind die Pro- und Contras?

Der deutsche Profifußball treibt vehement den Videobeweis voran, sieht darin aber kein Allheilmittel. „Es wird weiter diskussionswürdige Entscheidungen geben, es wird auch weiter Fehlentscheidungen geben“, sagte DFL-Direktor Ansgar Schwenken.

Schiedsrichter Fandel geht weiter. Nach seiner Ansicht wird es haarscharfe Fehlentscheidungen - wie im Falle des Dortmunders Pierre-Emerick Aubameyang bei seinem Tor zum 1:0 gegen Ingolstadt - künftig nicht mehr geben. In dieser Bundesliga-Saison war angesichts von zahlreichen folgenschweren Fehlentscheidungen der Ruf nach dem Videobeweis lauter geworden. Insbesondere um Schiedsrichter besser zu schützen. Das erklärt Herbert Fandel in diesem Video:

Kritiker des Videobeweises befürchten allerdings, dass die neue Technik das ganze Schiedsrichterwesen durcheinander bringt. Darum ging es auch bei einer Diskussion über das Thema in der Sendung „Doppelpass“:

Es gibt aber auch weitere positive Stimmen: „Wir glauben, dass wir ein kleines Stückchen mehr Gerechtigkeit da reinbringen“, sagte DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann. Ansgar Schwenken betonte: „Wir wollen den Charakter des Spiels nicht verändern.“ Zuletzt hatte sich auch der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino deutlich für Tests ausgesprochen.

Wo gibt es im Fußball bereits den Videobeweis?

In den Niederlanden läuft bereits seit eineinhalb Jahren eine Testphase.

Wie läuft eine Testphase ab?

Erprobt werden soll die neue Technologie - das Grüne Licht der Regelhüter vorausgesetzt - erst ein Jahr im Offline-Modus, also ohne Kontakt zwischen dem Videoassistenten und dem Unparteiischen auf dem Rasen. Davon würden Spieler und Fans auch nichts mitbekommen. Im zweiten Spieljahr würde dann das Experiment in die Praxis übergehen - eine überaus spannende Phase.

 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen