Bundesliga-Kolumne : HSV, Paderborn, Stuttgart un Co: Der spannendste Abstiegskampf seit Jahren

Kleider-Ordnung, Meister-Fall, Storchen-Nest – Jürgen Muhl blickt auf das Fußball-Geschehen am Wochenende zurück.

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11. Mai 2015, 08:43 Uhr

Spannung pur: Der Abstiegskampf hat es in sich, eine solche Dramaturgie hat es in der angeblich besten Liga der Welt seit Jahren nicht gegeben. Sechs Abstiegskandidaten liefern sich ein Finale, das der Liga eine ganz besondere Note gibt. Plötzlich hat es der noch vor drei Tagen abgeschlagen positionierte VfB Stuttgart selbst in der Hand. Mit zwei Siegen gegen den HSV und am letzten Spieltag in Paderborn wäre Stuttgart gerettet. Was ja nicht unmöglich erscheint bei diesen beiden Gegnern. Oder eben auch nicht.

Mit seinem „Zufalls-Fußball “ (O-Ton Ex-HSV-Trainer Martin Jol) funktioniert es ja hin und wieder bei den von Bruno Labbadia vorübergehend in Schwung gebrachten Hamburgern, Punkte zu sammeln. Insofern steigt am nächsten Sonnabend am Neckar ein Schicksalsspiel, ein Existenzkampf zweier Traditionsvereine, die nach Meinung von Fußball-Deutschland an ihrem Abonnement in der Eliteliga festhalten sollten. Die Rothosen aus dem Volkspark und die Trikotträger mit einem roten Brustring. Im Gegensatz zu anderen Modeclubs haben diese beiden Vereine seit Bundesliga-Beginn an ihrer traditionellen Kleiderordnung festgehalten. Vom Wechsel der Hemdenfarbe bei Auswärtsspielen abgesehen.

 

Diese Kooperation mit alten Tugenden ist jedoch kein Garant für den Klassenerhalt. Dazu gehören Tore. Und davon hat der HSV in diesem Sechserpack die wenigsten erzielt. Bei Punktgleichheit könnte dieses Manko den Hamburgern Kopf und Kragen kosten. Könnte. Muss ja aber nicht so kommen.

Bayerischer Absturz: Ein Triple kann es nicht mehr werden. Ein Double aller Wahrscheinlichkeit auch nicht. Bleibt nur das Einzel, mit dem der als Wundermann geholte Pep Guardiola in München glänzen kann. Zu wenig für einen FC Bayern, der die Weltmacht im Fußball übernehmen will. An diesem Auftrag ist der Spanier, der so gern an der Seitenlinie Ballett tanzt, jedenfalls vorerst gescheitert. Der große Hype um Pep ist verflogen. Beckenbauer, Sammer und Rummenigge sind bereits auf Distanz gegangen. Insbesondere der Kaiser spricht deutliche Worte und nörgelt, was das Zeug hält. Da passt es, dass englische Medien von einem Wechsel Guardiolas zu Manchester City wissen wollen. Raus aus dem Pokal, vor dem Aus in der Champions League und eine Heimniederlage gegen den kleinen Nachbarn aus Augsburg. Dem Wundermann kann wohl nur noch ein Wunder helfen.

Höhenflug: Auch Holstein Kiel hat in seiner Geschichte an seinen Grundfarben festgehalten. Blaue Hemden, weiße Hosen und rote Strümpfe. Die „Störche“ stehen kurz vor dem Aufstieg in die zweite Liga. Der seriös und zielstrebig arbeitende Geschäftsführer Wolfgang Schwenke, ein Fachmann mit Ralf Heskamp als Sportchef, mit Karsten Neitzel ein Trainer mit Fortune und im Hintergrund mit Gerhard Lütje und Hermann Langness zwei äußerst erfolgreiche Unternehmer. Ein Storchennest voller Qualität.

 
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