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Fußball : HSV in der Krise, doch Verein will davon nichts wissen

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Thorsten Fink hatte sich in Abwehrstellung begeben. Mit verschränkten Armen stand der Trainer des Hamburger SV umringt von Journalisten an der Wand in den Katakomben des Berliner Olympiastadions und versuchte nach einer erneuten Niederlage die kritischen Fragen zu parieren.

Nach dem 0:1 bei Aufsteiger Hertha BSC hat der mit internationalen Ambitionen angetretene HSV aus drei Partien ein kümmerliches Pünktchen vorzuweisen.

Von einer Krise wollte Fink dennoch nichts wissen. «Meine Mannschaft hat kämpferisch ein sehr gutes Spiel gezeigt und ein Remis verdient gehabt. Wir schauen positiv nach vorn», meinte der HSV-Coach. Dass es für ihn nach fast zwei Jahren eng werden könnte, verneinte Präsident Carl Edgar Jarchow im ZDF-Interview: «Wir sind der Meinung, dass Thorsten Fink das hinkriegt.»

Auch Sportdirektor Oliver Kreuzer war bemüht, das Positive des Abends in den Vordergrund zu stellen. «Das Team hat Charakter und funktioniert», sagte der Ex-Profi, der hofft, «dass wir uns in aller Ruhe auf das Braunschweig-Spiel in der kommenden Woche vorbereiten können».

Die Realität sieht beim hanseatischen Traditionsclub, der am Samstag seine 50-jährige Bundesliga-Zugehörigkeit feierte, aber anders aus. Suspendierte Spieler und Ordner, die mit einem Aufsichtsratsmitglied aneinandergeraten. Nicht zu vergessen die harsche Kritik des Investors Klaus-Michael Kühne an der Vereinsführung und vor allem Coach Fink. Das alles ist nicht spurlos an den Spielern vorbeigegangen.

Das räumte sogar Fink ein, wenn er auch den Schein erwecken wollte, dass dem nicht so sei. «Was von außen rein getragen wird, ist für mich nicht wichtig», sagte der 45-Jährige, widersprach sich aber sogleich selbst: «Natürlich hat das nicht zu einem besseren Spiel beigetragen.» Kreuzer äußerte sich schon deutlicher: «Die Kommentare von Herrn Kühne bringen dem Verein gar nichts.» Und Torhüter René Adler wurde noch deutlicher: «Das interessiert mich nicht die Bohne.»

Spieler und Verantwortliche hoffen nun auf das erste Erfolgserlebnis der Saison am kommenden Samstag gegen Braunschweig und klammern sich an die in Berlin gezeigten Fortschritte gegenüber dem 1:5-Debakel gegen Hoffenheim vor einer Woche. «Wir haben eine andere Hamburger Mannschaft gesehen. Die hat gefightet und wollte unbedingt gewinnen», fand Adler. Der Nationalspieler ist sich sicher: Wenn das Team gegen Braunschweig gewinnt, kommt es wieder aus «dieser schwierigen Situation» heraus.

Auch Abwehrspieler Heiko Westermann war der Meinung, «dass wir nicht mit hängenden Köpfen nach Hause fahren müssen». Nicht nur er erwähnte die vielen guten Chancen, die der HSV nicht genutzt habe. Dabei vergaßen die Akteure, dass sie erst nach dem 0:1 durch Herthas Adrian Ramos in der 74. Minute ihre Offensivscheu ablegten. Einzig HSV-Kapitän Rafael van der Vaart sprach von einem «Fehlstart» und räumte ein: «Wenn man verliert, ist das immer ein Schritt zurück.»

Ganz anders der Gegner aus Berlin: Die Hertha legte mit zwei Siegen und einem Remis den besten Start in ihrer Bundesliga-Geschichte hin. «Wir haben 65 000 Zuschauer im Stadion, 50 Jahre Bundesliga und sieben Punkte aus drei Spielen. Das ist für einen Aufsteiger überragend», kommentierte Manager Michael Preetz voller Freude.

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erstellt am 25.Aug.2013 | 11:41 Uhr

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