zur Navigation springen

Fussball-Bundesliga am Freitagabend : HSV gegen Werder Bremen: Das shz.de-Fanduell

vom
Aus der Onlineredaktion

Der HSV muss aus den Puschen kommen, um zu gewinnen - Aaron Hunt könnte helfen. Werder muss gewinnen und könnte dreimal Bremer Recht dafür gut gebrauchen.

Von Maximilian Matthies: Warum der HSV gewinnt

Gegen Dortmund und Darmstadt hat sich der HSV bekleckert, aber nicht mit Ruhm; gegen die Erzfeinde aus Bremen wird das anders. Vor allem weil die Rothosen ihren Fans etwas schuldig sind: Tore. Und die wird es geben beim 104. Nordderby, aber nicht für Werder-Trainer Viktor Skripnik und seine Spieler, die noch vom Münchner Schwalben-Schreck Arturo Vidal Alpträume entwickeln, bei denen der Frust über das Aus im DFB-Pokal gegen Bayern tief sitzt, und die Angst haben, weiter Richtung Zweite Liga abzugleiten. Sie kommen jetzt in die blaue Hölle: den Volkspark. Und dort erwartet die Werderaner alles - nur keine Liebe. Dafür die Nordkurve und Aaron Hunt.

Ärger breitete sich aus unter den HSV-Anhängern - zurecht. Wer wie in den letzten verloren gegangenen Partien ohne Kampfesgeist dem Gegner bereitwillig das Feld überlasst, verliert. Jetzt kommen die Bremer gerade richtig. Die Stimmung im Stadion wird aufgeheizt sein, die Bremer werden niedergebrüllt. Das schlägt sich hoffentlich durch aufs Team. Worum es geht, hat Coach Labbadia schon verlauten lassen:

Einer der besonders brennt auf das Derby, ist Ex-Werderaner Aaron Hunt. Und unter der Woche gab es höchst erfreuliche Nachrichten vom Spielmacher: Er hat trainiert, ist bereit für ein Comeback. Ebenfalls wieder auf dem Platz stehen kann Kapitän Johann Djourou nach auskuriertem Infekt.

Mies sieht es hingegen bei den Bremern aus: Gegen Bayern zeigten sie zwar ein couragiertes, laufstarkes Spiel, doch das hat sie müde gemacht. Und in der Bundesliga blicken sie auch noch dem Abgrund direkt entgegen: Nur vier Punkte trennen sie noch von Platz 17, Eintracht Frankfurt sitzt im Nacken, Hamburg haben sie vor der Brust. Der Pizarro-Effekt droht zu verpuffen, Skripnik entgleiten die Zügel, heißt: Schlagen kann der HSV sich in diesem Spiel nur selbst. Deshalb hat Labbadia die richtige Devise ausgegeben:

Von Soenke Schierer: Warum der SVW gewinnt

Dreimal ist Bremer Recht – dieses alte Sprichwort kennt an der Weser jedes Kind. Und im konkreten Fall bedeutet das natürlich, dass der HSV das dritte Mal in Folge verlieren wird. Erst Darmstadt, dann der BVB und jetzt setzt es einen gegen die Grün-Weißen.

Wer hätte gedacht, dass sich die Traditionsvereine aus den Norden in dieser Saison in der Tabelle noch einmal so nah kommen? Zugegeben - ich nicht. Tatsächlich hatte ich mich bereits damit abgefunden, dass der ruhmreiche SVW in diesem Jahr hinter den Rothosen landet. Und, das kann ich sagen, das ist für einen Bremer, der in Hamburg lebt, nicht immer einfach. Wobei ich anerkennend sagen muss, dass sich die meisten HSV-Fans in meinem Umfeld die längste Zeit zurückgehalten haben. Kaum Sprüche oder Seitenhiebe, keine Kommentare als Werder immer weiter hinten rein rutschte, während der HSV im gesicherten Mittelfeld angekommen schien. Aus diesem Grund werde auch ich mich jetzt, wo der HSV (mal wieder) in einer Abwärtsspirale angekommen scheint, zurückhalten. Erst recht nach dem Spiel, wenn Werder als Derby-Gewinner vom Platz geht.

Der sichere Klassenhalt des HSV ist passé. Durch die letzten Niederlagen begann, fast schon traditionell, die Unruhe rund um den Verein. Hamburg punktet nicht, und fast alle anderen Vereine dahinter gewinnen wieder. Darmstadt, Ingolstadt, Hoffenheim, sogar Hannover und eben: Werder. Das Punktepolster des HSV in der Tabelle schmilzt. Bei uns an der Weser herrscht dagegen Ruhe. Eigentlich wie immer. Wir haben nicht den Trainer gewechselt, als die Ergebnisse schlechter wurden. Für viele in Fußballdeutschland nicht nachvollziehbar – für uns in Bremen eine logische Konsequenz. Hektik hat, denkt man an die Zeiten von Aad de Mos, Wolfgang Sidka und Dixie Dörner, noch nie geholfen. Liebe Hamburger- einfach mal Ruhe bewahren, wenns nicht so läuft. Wir in Bremen wissen, wie das geht.

Dass die Entscheidung der Vereinsführung „pro Skripnik“ vorerst die richtige war, hat die Mannschaft bestätigt. Beim minutenlangen Applaus für das Trainerteam auf dem Trainingsplatz, in der Partie gegen Wolfsburg durch eine überragende kämpferische Leistung und gegen die Überbayern am Dienstag im Pokal-Halbfinale. Das Pokalaus regt in Bremen keinen wirklich auf. Dazu ist man zu realistisch. Im Gegenteil: Das München-Spiel gibt Selbstvertrauen.

#greenwhitewonderwall in #bremen impressed so much

Ein von djangofoto (@djangofoto) gepostetes Foto am

Bei Werder keimt die Hoffnung. Der Sieg gegen Wolfsburg am letzten Spieltag war zwar überraschend, aber keinesfalls unverdient. Fußballerisch war das Spiel gegen die Wölfe keine Offenbarung. Aber das erwartet auch niemand. Wenn etwas geht, dann über Einsatz und Willen. Und wie Einsatz und absolute Hingabe für den Verein funktionieren, das machen, wieder einmal, die Fans vor. Unter dem Hashtag #greenwhitewonderwall ist in den letzten Wochen eine Bewegung entstanden, die den Spielern Mut macht. Tausende standen am vergangenen Wochenende vor dem Weserstadion Spalier und jubelten, als der Mannschaftsbuss den Osterdeich zum Stadion herunterbog. Und die Unterstützung setzte sich im Stadion 90 Minuten fort. Gänsehaut. Ein solcher Support wäre in vielen Vereinen, die in einer vergleichbaren Situation wären, wahrscheinlich undenkbar. Bei uns normal. Vorteil Werder.

Wir können das Derby gewinnen. Das steht seit letzter Woche wieder fest. Nicht nur weil mit Pizarro, der personifizierte ewige Stürmer trifft und trifft und trifft... Nicht nur weil Junuzovic einer der besten Mittelfeldspieler der Liga ist. Nicht nur weil Werder mit Vestergaard endlich wieder einen richtigen Verteidiger hat. Sondern weil Werder, weil ganz Bremen und das gesamte Werderland über Oldenburg bis Emden es will. Wenn es die Mannschaft schafft die Stimmung, die am vergangenen Wochenende im Weserstadion, die unter den mehr als 8000 mitgereisten Fans in München beim starken Pokalspiel der Bremer und die seit einiger Zeit in der ganzen Stadt und in der Region herrscht mit nach Hamburg zu nehmen, dann kann am Freitag ein ganz wichtiger Schritt in Richtung Klassenhalt gelingen. Und mal ehrlich: was könnte schöner sein, als gleichzeitig dem „Lieblingsclub“ aus Hamburg wieder den Weg in Richtung Relegation zu ebnen - das wäre dann zum dritten Mal in Folge. Ach ja – dreimal ist ja auch Bremer Recht!     

zur Startseite

von
erstellt am 22.Apr.2016 | 09:53 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen