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Trainerwechsel in der Fußball-Bundesliga : Ex-HSV-Trainer Bruno Labbadia: Bewegende Worte zum Abschied

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Hamburger SV: Nach der knappen Niederlage gegen Bayern München gibt es keine Zukunft für Bruno Labbadia. Ein Ex-Hoffenheimer soll die Leitung der Rothosen-Elf übernehmen.

shz.de von
erstellt am 25.Sep.2016 | 17:06 Uhr

Hamburg | Vor 16 Monaten wollte HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer dem Relegation-Retter Bruno Labbadia noch ein Denkmal bauen, nun übermittelte er ihm telefonisch die Beurlaubung. „Bruno hat mir gesagt, dass ich das per Telefon machen könnte. Das habe ich gemacht“, entschuldigte sich Beiersdorfer am Sonntag für die ungewöhnliche Umgangsweise. Die Trennung verteidigte er vehement: „Ich bin von unserer Mannschaft hundertprozentig überzeugt, aber nicht davon, dass wir es in dieser Konstellation schaffen. Sonst hätte ich diese Entscheidung heute so nicht getroffen.“

Trainer nimmt Abschied von den Fans

Labbadia selbst hat sich mit einem Statement auf der Website des HSV von den Fans verabschiedet. „Ich möchte mich bei allen Menschen bedanken, die mich in den vergangenen 18 Monaten unterstützt haben. Bei unseren Fans, den Mitarbeitern des HSV, meinem Trainerteam, dem Team ums Team, der medizinischen Abteilung und natürlich bei der Mannschaft“, sagte der Fußball-Lehrer.

Es sei eine wahnsinnig intensive Zeit mit vielen Erlebnissen gewesen, die ihm immer in Erinnerung bleiben werde, sagte Labbadia. Er hatte den Club kurz vor Saisonende 2014/15 übernommen und mit ihm in der Relegation gegen den Karlsruher SC gerade noch den Klassenverbleib gesichert. „Es hat mir sehr viel bedeutet, Trainer des HSV sein zu können. Ich habe mich jeden Tag mit dieser Aufgabe identifiziert.“

Er bedauerte, dass der Start in die laufende Spielzeit mit nur einem Punkt aus fünf Spielen und dem Sturz auf einen Abstiegsrang missraten sei, was letztlich auch zur Trennung führte. „Es ist schade, dass wir zu Beginn dieser Saison nicht die nötigen Ergebnisse erzielen konnten. Dafür übernehme ich als Trainer die Verantwortung. Ich wünsche mir, dass die Mannschaft weiter so mutig agiert wie jetzt im Spiel gegen die Bayern, so wieder in die Erfolgsspur findet und die Saison einen positiven Verlauf nimmt“, erklärte Labbadia weiter.

Labbadia ist beurlaubt - ein Nachfolger steht wohl schon bereit

Neuer Mann auf der Trainerbank wird aller Voraussicht nach Markus Gisdol.Es gab Gespräche, aber es gibt noch keinen rechtsgültigen Vertrag“, berichtete Beiersdorfer. Die Entscheidung sei in Kürze zu erwarten. Gisdol war von April 2013 bis Oktober 2015 Trainer des Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim. Bernhard Peters, der für den Nachwuchs zuständige Direktor Sport beim HSV, kennt Gisdol aus der gemeinsamen Zeit in Hoffenheim. (Eine Übersicht über weitere potenzielle Nachfolger gibt es hier.)

Blass und unrasiert versuchte Beiersdorfer in den Katakomben des Stadions vor rund 30 dicht gedrängt stehenden Journalisten und einem Dutzend TV-Kameras das Aus des 20. Trainers in 19 Jahren beim HSV zu erklären. „Wir haben eine schlechte Entwicklung und uns mehr versprochen“, klagte der 52 Jahre alte Franke. Für Labbadia war es nach 2009 bis 2010 das zweite Engagement in Hamburg.

Die Trennung von Labbadia nach 529 Tagen ist aufgrund des seit Monaten anhaltenden HSV-Niedergangs nachvollziehbar. Dass diese nach dem einzigen leidenschaftlichen Saisonspiel des Bundesligisten am Samstag gegen Bayern München (0:1) erfolgte, lässt Beiersdorfer äußerst unglücklich dastehen. „Es wird nie einen optimalen Zeitpunkt für eine Entlassung geben“, meinte er. Höchstwahrscheinlich hatte die Entscheidung schon am Vortag festgestanden, doch offenbar traute sich der HSV-Chef wegen der Team-Leistung und der Fan-Sprechchöre auf Labbadia nicht, die unpopuläre Botschaft sofort zu verkünden.

Fakt ist: Der HSV ist das schlechteste Bundesliga-Team im Jahr 2016. In 22 Partien wurden lediglich fünf Siege und 20 Punkte eingefahren. In der Offensive fehlte ein Konzept, zu harmlos agierte die Mannschaft vor dem gegnerischen Tor und erspielte sich laut Beiersdorfer lediglich sechs Torchancen in vier Partien. „Ich habe nach der jüngsten Transferperiode, nach der langen Vorbereitung und in den bisher absolvierten Bundesligaspielen keine Weiterentwicklung gesehen“, monierte der HSV-Boss. Die Vereinsführung sei zu der Erkenntnis gelangt, dass „eine sportliche Trendwende in der aktuellen Konstellation nicht mehr vorstellbar ist“.

Die Punkte-Bilanz der vier HSV-Trainer in der Ära Beiersdorfer

Mirko Slomka: 16 Spiele - 12 Punkte - 0,75 Punkte pro Spiel
Josef Zinnbauer 23 Spiele - 24 Punkte - 1,04 Punkte pro Spiel
Peter Knäbel 2 Spiele - 0 Punkte - 0,00 Punkte pro Spiel
Bruno Labbadia 45 Spiele - 52 Punkte - 1,16 Punkte pro Spiel

Gerüchte, dass HSV-Anteilseigner und Investor Klaus-Michael Kühne die Vereinspolitik diktiere, dementierte Beiersdorfer entschieden: „Wir sind selbstbestimmt. Herr Kühne würde sich nie und nimmer anmaßen, in unternehmerische Entscheidungen des HSV einzugreifen.“ Allein vor dieser Saison hatte Kühne rund 30 Millionen Euro für Transfers gegeben und sich unter Einbeziehung des Spielerberaters Volker Struth bei den Transfers ein Mitspracherecht einräumen lassen.

Zu den Neuverpflichtungen gehört auch Alen Halilovic vom FC Barcelona, der von Labbadia nicht mal in den Kader gegen Bayern München berufen wurde. „Ich erwarte von unseren Trainern, dass sie unsere Spieler entwickeln und die Potenziale zum Wohle der Mannschaft erkennen und nutzen“, zürnte Beiersdorfer.

Der 1966 geborene Labbadia wurde 2015 nach der HSV-Rettung noch zum Hamburger des Jahres in der Kategorie Sport ausgezeichnet. Eine Übersicht über wichtige Etappen seiner Karriere:

Bruno Labbadia - seine sportlichen Stationen

Geboren: 8. Februar 1966 in Darmstadt

Stationen als Spieler:

1984 – 1987 SV Darmstadt 98 
1987 – 1989 Hamburger SV 
1989 – 1991 1. FC Kaiserslautern 
1991 – 1994 FC Bayern München 1994 – 1995 1. FC Köln 
1996 – 1998 Werder Bremen 
1998 – 2001 Arminia Bielefeld 
2001 – 2003 Karlsruher SC

Erfolge:

1990 DFB-Pokalsieger mit dem 1. FC Kaiserslautern 1991 Deutscher Meister mit dem 1. FC Kaiserslautern 1994 Deutscher Meister mit dem FC Bayern München

2 Länderspiele für Deutschland - 0 Tore 328 Bundesliga-Spiele - 103 Tore 229 Zweitliga-Spiele - 101 Tore

Stationen als Trainer:

2003 – 2006 SV Darmstadt 98 
2007 – 2008 SpVgg Greuther Fürth 
2008 – 2009 Bayer 04 Leverkusen 
2009 – 2010 Hamburger SV 
2010 – 2013 VfB Stuttgart 
2015 – 2016 Hamburger SV

Auszeichnungen:

Nach HSV-Rettung 2015: Hamburger des Jahres in der Kategorie Sport

 

Ein Quiz, in dem Sie Ihr Wissen über die HSV-Trainer testen können, können Sie hier spielen.

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