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Fußball : Erleichterung statt Euphorie in Bremen

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Am Ende des Thomas-Schaaf-Gedächtnistages in Bremen führte Robin Dutt seinen Zeigefinger und den Daumen zusammen. Als nur noch ein bisschen Luft dazwischenpasste, sagte der neue Werder-Coach: «Wir sind so ein kleines Stück weiter.»

shz.de von
erstellt am 20.Aug.2013 | 09:22 Uhr

Der Nachfolger des mit einer großen Zeremonie verabschiedeten Langzeit-Trainers Schaaf will sich von der gnadenlosen Effektivität mit sechs Zählern durch zwei Tore nicht blenden lassen. «Wir versuchen, sachlich zu bleiben», versprach er nach dem schmeichelhaften 1:0 gegen den glücklosen FC Augsburg.

Erleichterung statt Euphorie war das vorherrschende Gefühl beim norddeutschen Fußball-Bundesligisten nach dem nur numerisch makellosen Auftakt. Zu deutlich ist, dass die Bremer gegen die Abstiegskandidaten Braunschweig und Augsburg nur mit viel Mühe und noch mehr Glück die maximale Ausbeute einfuhren. «Das wäre eine angenehme Überraschung, wenn wir in der Tabellenregion bleiben würden», sagte Dutt nach dem Sieg durch Mehmet Ekicis Tor (22.).

Einen kleinen Seitenhieb konnte er sich dennoch nicht verkneifen. «Laut Experten müssten wir Tabellenletzter sein», sagte der Coach augenzwinkernd und fügte an: «Von daher sehen sie mir nach, dass ich die Mannschaft lobe.» Kämpferisch war die Leistung tatsächlich ansprechend. Spielerisch erinnerte hingegen gar nichts an die glorreichen Zeiten, in denen Werder sechsmal in sieben Jahren in der Champions League spielte und mit herrlichem Offensiv-Fußball bundesweit begeisterte.

Dutt ist das egal. Der 48-Jährige steht nach dem Niedergang und drei enttäuschenden Jahren unter dem früheren Erfolgstrainer Schaaf für den dringend notwendigen Neuanfang, der Bescheidenheit erfordert. «Was wichtig ist, das ist, dass die Mannschaft verinnerlicht hat, dass wir eine sehr schwere Saison haben», sagte Dutt. Für das Spektakel fühlt sich Werder nicht mehr verantwortlich.

«Es geht nicht von heute auf morgen», sagte Verteidiger Sebastian Prödl angesichts des spielerisch dürftigen Auftritts und gab zu: «Wir sind erleichtert.» Auch die Spieler haben die Ansprüche heruntergeschraubt und sind mit wenig zufrieden: «Wir sind froh, dass wir den Stress eines Fehlstarts abgewendet haben.»

Und der war durchaus möglich. Das ist Dutt nicht entgangen. «Beide kannst du auch verlieren», gab der Werder-Coach zu. Durch die zwei glücklichen Siege ist der enorme Druck indes geschwunden, Dutt kann in Ruhe weiterarbeiten. «So bist du bis Mitte, Ende September im Mittelfeld», sagte der Coach, der mit seiner ruhigen und freundlichen Art in Bremen gut ankommt. Auch, weil er sehr geschickt das Erbe der Ära Schaaf moderiert.

«Schade, dass er nicht im Stadion war», sagte Dutt zur Verabschiedung des Ex-Trainers. Mit einer Ganzstadion-Choreographie würdigten die Anhänger den langjährigen Coach, dessen Ära nach mehr als 14 Jahren im Mai wenig harmonisch zu Ende gegangen war. 42 000 Plakate mit der Aufschrift «Danke Thomas» hielten die Fans in die Höhe, während sie die Fußball-Hymne «You never walk alone» sangen. Später feierten die Anhänger einen glanzlosen Arbeitssieg fast so euphorisch wie früher einen spektakulären Europapokal-Auftritt.

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