Saisonende : Die Fußball-Kolumne: Chaos-Abstieg, Hilfs-Aktion, Zünd-Stoff

Bernd Hoffmann, Präsident des Hamburger SV und Aufsichtsratschef der HSV AG. /Archiv
Bernd Hoffmann, Präsident des Hamburger SV und Aufsichtsratschef der HSV AG. /Archiv

Die Spielbetrieb in der Bundesliga ist vorüber, Zeit zu reden.

shz.de von
14. Mai 2018, 09:59 Uhr

Schluss, aus: Endgültig und nicht mehr zu ändern. Der Hamburger SV ist nach Jahren des Chaos und der Misswirtschaft erstmals in der zweitklassigen Fußball-Gesellschaft angekommen. Wo er auch hingehört, betrachtet man einmal die letzten Erstliga-Minuten im doch so attraktiven Volkspark-Stadion. Chaoten – wenn auch in der Minderzahl- bestimmten das Geschehen. Wie kommt jemand mit einem Bollerwagen und einem Trauerkranz ins Stadion? Ganz abgesehen von einer Lkw-Ladung voll mit Pyro-Geschossen. Der HSV muss sich auch außerhalb des sportlichen Geschehens viele Fragen gefallen lassen. Der Sicherheitsdienst hat nicht einmal Zweitliga-Niveau. Und genau da spielt der HSV in Zukunft.

Was wurde nicht alles inszeniert in den letzten Tagen. Über 2000 Fans beim Training, Abklatschen mit Trainer Christian Titz, die Herren Profis bezahlen ein Stück Speiseeis für die Trainings-Zuschauer. Alles eitel Sonnenschein kurz vor dem Finale. Nur 48 Stunden später endet alles im Chaos. Was irgendwie zum HSV passt. Der seine Mannschaft fast ein Jahrzehnt lang falsch zusammen gestellt hat, der mit den Millionen nur so um sich geworfen hat, bei dem Trainer ein- und ausgegangen sind und der auch mit der heutigen Vorstandsmannschaft nicht unbedingt in die Glücksschatulle gegriffen hat.

Sympathien für den HSV: Auch die Schützenhilfe aus Mönchengladbach konnte letztlich nicht helfen. Die Gäste vom Niederrhein wollten nicht unbedingt gewinnen. Oder konnten nicht. Auch sie hätten den HSV weiter gern in der Eliteliga gesehen. Der HSV fehlt, vom Namen her. Von den Zuschauerzahlen. Erst recht aber angesichts der TV-Quoten. Doch alle Hilfe hat nicht geholfen, auch die letzte Hilfsaktion aus Gladbach nicht. Der HSV wird bestraft für eine jahrelange Misswirtschaft und für eine verfehlte Personalpolitik. Er musste das letzte Tafelsilber – die Vermarktungsrechte auf Jahre verkaufen – um eine Lizenz ohne Auflagen zu erhalten. Was im Vergleich zur Behandlung von Holstein Kiel deutlich aufzeigt, wie im Hause der Deutschen Fußball-Liga agiert wird. All dies hat nicht geholfen. Der HSV muss zumindest für eine Saison im Unterhaus seine Visitenkarte abgeben. Die Zweite Liga freut sich auf die prominenten Gastspiele. In Sandhausen, in Paderborn oder in Regensburg.

Oder im Norden: Vielleicht ja auch in Kiel. Dann nämlich, wenn Holstein die beiden Relegationsspiele gegen den VfL Wolfsburg nicht erfolgreich bestreitet. Dann muss der HSV auch an die Kieler Förde reisen. Nicht zu einem Testspiel, sondern eben als Pflichtprogramm in Liga zwei. Kostenlos. Aber nicht unbedingt in absoluter Freundschaft. Hat doch der HSV Holsteins Anfrage, gegebenenfalls einige Spiele im Falle des Aufstiegs im Volksparkstadion austragen zu dürfen, abgelehnt. So auch mit der Begründung, dass die HSV-Profis ihre Utensilien in der Heim-Kabine abgelegt hätten und dies bei Fremdbenutzung zu Komplikationen führen könnte. Dies kam in Kiel nicht unbedingt gut an. Bei einem Aufeinandertreffen beider Clubs in der Relegation wäre Zündstoff vorhanden gewesen. Jetzt aber geht es ja „nur“ gegen Wolfsburg.


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