zur Navigation springen

Zwischen HSV, Werder und Stuttgart : Bundesliga: Tor-Flut, Auf-Wind, Schulden-Streit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Viele Tore und Traditionsclubs in der Krise: In der Bundesliga-Kolumne wirft Jürgen Muhl einen Blick auf das Geschehen vom Wochenende.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2014 | 06:36 Uhr

Endlich Tore: Der achte Spieltag bereitete all jenen Fußballfans, die den Ball gern im Netz sehen, viel Freude. Sechs Tore in München, alle im Werder-Kasten. Das halbe Dutzend verschärft die kritischen Diskussionen an der Weser. Dort, wo man jahrzehntelang hinter verschlossenen Türen Lösungen fand, wenn Probleme zu bewältigen waren. Die Zeiten sind vorbei. Sechs Tore in Stuttgart. Hätte der VfB nicht noch in einer sehenswerten Aufholaktion die Drei-Tore-Führung von Leverkusen ausgeglichen, stünde Armin Veh wohl zur Disposition und würde dem geschassten Manager Fredi Bobic folgen. Jetzt aber lobt das Schwabenland die Halbzeitrhetorik des Trainers. Der will gar nicht viel gesagt haben, darf aber zunächst bleiben. So funktioniert das Fußballgeschäft. Was sich aber schon in einer Woche wieder ändern kann.

Keine Diskussionen gibt es in Dortmund um Jürgen Klopp. Es ist gerade mal zwei Jahre her, da verkündete Vereinschef Hans-Joachim Watzke, Klopp könne seine Vertragsdauer selbst bestimmen. Lebenslange Treue wurde sich gegenseitig beschworen. Gut, es gibt derzeit keine anderen Reaktionen. Zu sehr fühlt sich der BVB vom Verletzungspech und dem bayerischen Kaufwahn verfolgt. Wobei sich die Borussia-Chefetage jedoch fragen sollte, ob die eigene Einkaufspolitik nicht über das im Fußball so wichtige Knie gebrochen wurde. Bislang hat kein Neuzugang die Erwartungen erfüllt.

Leverkusen patzt, Dortmund sowieso – bleibt nur noch Borussia Mönchengladbach als Verfolger des FC Bayern? Statistisch gesehen ja. Aber realistisch gesehen nicht. Bayern hat keinen Verfolger.

Punktgewinn oder Punktverlust: Chancen für einen HSV-Sieg gegen Hoffenheim waren genug vorhanden. So aber wartet man im Volkspark weiter auf den ersten Heimsieg. Die Leistung war respektabel, der im Aufwind befindliche HSV hat sich mit den Fans wohl endgültig versöhnt. Da es in dieser Saison nach Abstiegskampf mit der Beteiligung vieler namhafter Clubs aussieht, kann nur ein starker HSV die Klasse halten. Ein anderes Saisonziel ist nicht realistisch.

Vorbei ist es: Mehr als 20 Jahre lang waren sie sich einig. Und waren zusammen erfolgreich. Willi Lemke und Klaus-Dieter Fischer machten Werder Bremen zu einem der erfolgreichsten Vereine Europas. Sie spielten Karten, ob Werder gewonnen oder verloren hatte. In der Kabine, im Flugzeug, in der Geschäftsstelle. Sie stimmten jeden Transfer ab, sie machten Werder zusammen mit Otto Rehhagel und anschließend mit Thomas Schaaf zu einem Bundesligisten, der den Bayern zu gern die Lederhosen auszog. Uli Hoeneß hasste Lemke nicht nur, weil der als Sozialdemokrat auch noch Fußball konnte. Lemke ist nach Hoeneß der erfolgreichste deutsche Bundesliga-Manager.

Jetzt aber, als Tabellenletzter, ist es auch in Bremen mit der Herrlichkeit und mit der Freundschaft vorbei. So wie es im Fußball immer dann der Fall ist, wenn es nicht läuft. Fischer und Lemke gehen sich aus dem Weg. Lemke nimmt freiwillig seinen Hut als Chef des Aufsichtsrats, weil sein Sparkurs nicht aufgegangen ist. Jetzt soll Marco Bode die Weichen stellen. Er soll Schulden machen.

Dass einer gehen muss, weil er keine Sollzinsen zahlen will, hat es in der Bundesliga auch noch nicht gegeben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen