zur Navigation springen

HSV, BVB, Bayern und Werder : Bundesliga: Eiszeit beim Spitzenspiel und ein Foul-Rekord

vom

Die einen zanken sich auf, die anderem neben dem Platz. In der Bundesliga-Kolumne wirft Jürgen Muhl einen Blick auf das Geschehen vom Wochenende.

Spitzenqualität: Es war alles angerichtet für ein sehenswertes Duell deutscher Fußballkunst. Die Vereinsbosse hatten sich eine Woche lang mit verbalen Attacken auf die Spitzenpartie eingeschossen. Die Bayern gaben sich alle Mühe, um ihr Interesse an einer Verpflichtung von Marco Reus herauszuposaunen. Allen voran Karl-Heinz Rummenigge und Matthias Sammer. Sogar Uli Hoeneß soll sich bei einem Gefängnisbesuch von Rummenigge und Franz Beckenbauer eingeschaltet haben. „Wollt ihr denn schon Weihnachten Meister sein?“, soll der Häftling seine Ex-Vorstandskollegen gefragt haben. Hinter der Zellentür kommt es wohl eher zum Mitleideffekt als im prallen Leben.  

Dortmunds Boss Hans-Joachim-Watzke sagt klipp und klar, dass die Bayern mit ihrer Einkaufspolitik dem BVB in erster Linie schaden und  erst im zweiten Gang der eigenen Stärke noch eins draufsetzen wollen. Die übliche Einladung der Gastgeber zum gemeinsamen Vorstandsessen blieb ebenso aus wie die Begrüßung per Handschlag vor dem Anpfiff. Ein Ende der Eiszeit ist wohl erst dann abzusehen, wenn Dortmund freiwillig erklärt, nie mehr Meister werden zu wollen. Die Übermacht der Bayern wurde in der zweiten Spielhälfte deutlich, als Jürgen Klopps Truppe plötzlich nicht mehr präsent war. Auch außerhalb des Rasens lässt der Rekordmeister seinen Feind aus dem Ruhrpott weit hinter sich. Die Dortmunder Umsatzbestmarke von 260,7 Millionen Euro wird von den Bayern verdoppelt, wie sie Ende November bekanntgeben werden. Mit einer Verdopplung seines Dortmunder Gehalts kann auch Marco Reus rechnen. Das zahlen die Münchner aus der Portokasse. Welch eine Übermacht.

Ein böses Spiel: 50 Fouls, neun gelbe Karten. Hätte Schiedsrichter Florian Meyer doch frühzeitig ein Mal Rot gezeigt, wäre vielleicht ein wenig Ruhe zwischen einem bissigen HSV und nicht minder rustikal einsteigenden Leverkusenern eingekehrt. So aber avancierte ein normales Bundesliga-Spiel zu einer Fußballschlacht, woran HSV-Trainer Josef Zinnbauer als gnadenloser Einpeitscher und Heißmacher seinen Anteil hatte. Wie am Rande des Spiels bekannt wurde, hat Zinnbauer in seinem Cheftrainervertrag einen so genannten Amateur-Paragrafen. Daraus geht hervor, dass er mit reduziertem Gehalt zur eigenen zweiten Mannschaft zurückkehren könne, sollte er bei den Profis in der Bundesliga scheitern. Der HSV hat also vorgesorgt, um eine weitere Abfindung im Trainerkarussell zu sparen.

Spielerische Elemente hatte der HSV am Sonnabend nicht in seinem Programm. Dafür aber einen unbändigen Kampfeswillen. Eine Tugend, die im Abstiegskampf eine ausschlaggebende Rolle spielen könnte.

Wie so oft im Fußball: Ein neuer Trainer sitzt auf der Bank und schon wird gewonnen. Während hinter den Kulissen bei dem einst so friedfertigen SV Werder Bremen auch weiter die Fetzen fliegen, Ex-Aufsichtsratschef Willi Lemke sich als Bauernopfer mißbraucht sieht und alte Freundschaften aufkündigt, führte Ex-Amateurtrainer Viktor Skripnik die Grün-Weißen beim 2:1 in Mainz zum ersten Saisonsieg. Mehrere Spieler hatten zuvor gesagt, sie hätten wieder Spaß am  Training. So einfach geht es also in der Bundesliga.

zur Startseite

von
erstellt am 03.Nov.2014 | 07:51 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen