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Ein Verein im Umbruch : Braucht der HSV van der Vaart überhaupt noch?

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Verkorkste Saison gespielt, WM verpasst und verletzt auf dem Sofa gelegen. Ungefähr so wird sich das Urlaubstagebuch von Rafael van der Vaart zur neuen Saison anhören. Aber setzt der HSV dann überhaupt noch auf seinen Spielmacher?

Es passte perfekt zur bisherigen Saison von Rafael van der Vaart. Der Spielführer des HSV verpasst die Weltmeisterschaft wegen einer Wadenblessur. Für die Hamburger stellt die Verletzung ihres Kapitäns aber noch ein weiteres Problem dar. Denn der Verein plant nicht mehr unbedingt mit seinem früheren Liebling und könnte Probleme beim Verkauf bekommen.

„Ich bin sehr enttäuscht, nicht in Brasilien dabei sein zu können“, schrieb van der Vaart auf seiner Facebook-Seite, „es war wunderbar, wieder im Oranje-Team zu sein, und ich hatte mich sehr auf die Zeit bei der WM gefreut. Ich wünsche der Mannschaft eine erfolgreiche und wunderbare Weltmeisterschaft.“ Ob van der Vaart seiner Nationalmannschaft aber überhaupt geholfen hätte, ist fraglich. Denn nach der Horror-Saison, die der HSV in dieser Spielzeit erlebte, hat auch van der Vaart nicht die nötige Form, um bei einer Weltmeisterschaft zu glänzen. „Das ist keine Katastrophe für die niederländische Nationalmannschaft“, kommentierte bereits der niederländische Reporter Ronald van der Geer und verwies darauf, dass die Rolle des Spielmachers sowieso für Wesley Sneijder von Galatasary Istanbul reserviert sei.

Nun geht dem Holländer aber eine Mögilichkeit verloren, sich für andere Verein interessant zu machen. Beim HSV ist der einstige Heilsbringer nämlich nicht mehr unantastbar. Investor Klaus-Michael Kühne, der van der Vaart vor zwei Jahren noch für 13 Millionen Euro wieder nach Hamburg lotste, sagte der Bild-Zeitung bereits, van der Vaart bei einem Wechsel keine Steine in den Weg legen zu wollen. Zunächst müssen aber Käufer gefunden werden und die hätten genügend Gründe, um den Hamburger Spielmacher abzulehnen.

Zum Beispiel gehörte van der Vaart noch nie zu den schnellsten Spielern. Auch seine Ausdauer darf bezweifelt werden, nachdem HSV-Trainer Mirko Slomka ihn beim alles entscheidenden Relegationsspiel in Fürth vorzeitig vom Feld nahm. Dass van der Vaarts Technik außergewöhnlich ist, stand schon seit seinem ersten Engagement in Hamburg von 2005 bis 2008 außer Frage. Nur hilft ihm das nicht, wenn seine Konkurrenz immer einen Tick schneller am Ball ist und er zum Spiel- oder Saisonende hin aus dem letzten Loch pfeift.

Seine schwächelnde Form zum Ende der vergangenen Spielzeit ist ein weiteres Argument für einen Verkauf. Zwar traf van der Vaart in dieser Saison sieben mal - im Kalenderjahr 2014 blieb er aber noch torlos. Seine Torflaute war auch ein Grund für die Offensiv-Misere des HSV in der Rückrunde. Denn mit Pierre-Michel Lasogga stand nur ein Stürmer im Hamburger Kader und der war häufig verletzt. Somit lagen die Hoffnungen bei van der Vaart, der diese nicht erfüllte.

Natürlich spielten dabei auch Verletzungen eine Rolle. Die Häufigkeit seiner Blessuren sind ein weiterer Grund für eine Trennung. Allein in dieser Spielzeit kämpfte van der Vaart mit einem Außenbandanriss, einem Bänderriss im Sprunggelenk einer Wadenzerrung und nun einer stärkeren Wadenblessur. Die Wade beschäftigte ihn schon während seiner Zeit beim Champions-League-Sieger Real Madrid immer wieder. Dort wurde ihm seine Anfälligkeit für Verletzungen sogar zum Verhängnis. Nach nur zwei Jahren fand er nicht mehr den Weg in das madrilenische Spielsystem.

Das könnte auch in Hamburg demnächst schwer werden, denn wie Mirko Slomka bereits anklingen ließ, plant er in der kommenden Saison wohl mit einem 4-4-2-System mit zwei zentralen Mittelfedspielern. Van der Vaart könnte diese Position zwar auch spielen, aber für die Defensive wäre seine Aufstellung im zentralen Mittelfeld sicherlich ein Risiko. Vor allem wenn es einmal schief geht und sich die Fans anschließend dagegen aussprechen. 

Der Kapitän scheint schon jetzt einen schweren Stand beim Publikum zu haben. Einer Umfrage der Hamburger Morgenpost zufolge, sprechen sich 59 Prozent der HSV-Fans gegen einen Verbleib des Holländers aus. Lieber würden sie wohl nochmal eine hohe Ablöse für ihn kassieren. Bei einem Marktwert von 7,5 Millionen Euro (transfermarkt.de) wären fünf Millionen Ablöse also durchaus keine Wunschvorstellung. Aber wer will diese Summe noch für diesen Spieler noch bezahlen?

Nach dem WM-Ausfall kann der HSV potentielle Käufer nur noch mit van der Vaarts früheren Leistungen locken. Die oben genannten Gründe machen es zusätzlich schwer, den Spieler anzubieten. Selbst typische Stationen für ausgediente Weltstars wie die drei türkischen Top-Klubs Fenerbahce, Galatasaray und Besiktas sind wohl keine Option. Besiktas soll ein erstes Angebot für den Holländer bereits zurückgezogen haben.

So könnte der HSV durchaus auf seinem Spitzenverdiener (Jahresgehalt: 3,5 Mio €) sitzen bleiben. Und das würde gar nicht zu dem Plan passen, den Gehaltsetat von 43 auf 38 Millionen Euro zu kürzen. Aber muss der HSV dafür seinen Kapitän abstoßen? Immerhin gibt es noch einige andere Spieler, die ebenfalls keine gute Saison in Hamburg spielten und daher Kandidaten für einen Abgang sind.

Außerdem sind bereits andere Leistungsträger auf dem Sprung zur Konkurrenz. HSV-Juwel Calhanoglu möchte nach Leverkusen. Auch Nationalspieler Marcell Jansen liebäugelte schon damit, von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch zu machen. Beide würden erhebliche Summen in die Kassen spülen und zusammen ebenfalls 3,5 Millionen Euro von der Gehaltsliste verschwinden lassen.

Es gibt außerdem noch weitere Argumente für einen Verbleib des Kapitäns. Van der Vaart sammelte zum Beispiel selbst in dieser Horror-Saison 15 Scorerpunkte (7 Tore und 8 Torvorlagen). Mehr als die beiden Bayern-Asse Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos zusammen. Das wichtige Tor im Relegationsspiel gegen Fürth bereitete er zum Beispiel mit einem Eckstoß vor.

Van der Vaart ist zudem ein Leitwolf und Routinier zugleich. So einen Spieler kann der Verein während seines Neuaufbaus gut gebrauchen. Vor allem um den jungen Spielern Sicherheit zu vermitteln - auch wenn das in dieser Saison überhaupt nicht funktionierte. Gerade mit dem neuen 4-4-2-System ist es aber für den Verein wichtig, ein stabiles Mittelfeld zu haben. Ob der 23-jährige Tolgay Arslan diese Sicherheit zusammen mit dem kroatischen WM-Teilnehmer Milan Badelj geben kann, ist nach den Erfahrungen aus der vergangenen Spielzeit aber durchaus fraglich.

Zudem wurde gerade bekannt, dass Badelj den HSV durchaus verlassen könnte. Denn wie die Bild-Zeitung am Freitag schrieb, steht Badelj beim Champions-League-Finalisten Atletico Madrid „ganz oben auf der Liste“. Sollte sich der Kroate wirklich verabschieben, könnte van der Vaart auf seine Position im zentralen Mittelfeld rücken und einen offensiven Sechser a la Schweinsteiger geben.

Am Ende entscheidet wohl aber wie so oft das Geld über den Verbleib des ehemaligen Publikumslieblings. Kommt ein Klub mit einem guten Angebot daher, wird sich die neue Klubführung gründlich überlegen, ob sie noch an ihrem Rekordeinkauf festhalten will. Den Weg zu einem neuen Klub hat sich van der Vaart aber bisher selbst verbaut.

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erstellt am 30.Mai.2014 | 17:56 Uhr

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