Digitalisierung im Fußball : Auf Schalke kann man Bier und Bratwurst mit dem „smarten“ Trikot bezahlen

Die Digitalisierung soll den Fans das Leben einfacher machen und dem Verein das wirtschaftliche Überleben sichern.

Die Digitalisierung soll den Fans das Leben einfacher machen und dem Verein das wirtschaftliche Überleben sichern.

Eine Bezahlfunktion im Trikot, eine Anbindung an die App. Schalke rüstet zum Sturm auf die Daten seiner Fans.

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06. April 2018, 15:03 Uhr

Gelsenkirchen | Der Bundesligist FC Schalke 04 ist ein Beispiel für die voranschreitende Digitalisierung von Fußballvereinen. Bratwust, Bier und 90 Minuten Fußball, dazu die Atmosphäre: Fertig ist der aufregende Fußball-Nachmittag im Stadion. Bei Schalke wird das analoge Erlebnis in Zukunft immer digitaler – mit smarten Trikots und Apps. Wie das funktioniert erklärte Marketingvorstand Alexander Jobst in einem Interview mit dem Portal Gründerszene.

Demnach sieht Jobst das „riesige Potential“ was über 150.000 Mitglieder und zehn Millionen Sympathisanten des Vereins mitbringen. Durch die Digitalisierungsmaßnahmen soll die Bindung zwischen Club und Fans noch weiter gestärkt werden. Es geht um individuelle Informationen, die das Erlebnis Fußball bei Schalke 04 noch intensiver machen. Es geht um Mehrwerte wie digitale Spieltagsangebote, durch die der Fan von morgens bis abends über sein Smartphone begleitet wird.

„Wir sehen sehr viele Chancen und sehr viele Herausforderungen und gleichzeitig nur wenige Risiken. Mit den Risiken wie Datenschutz gehen wir sehr behutsam um, weil die Fans unser höchstes Gut sind“, sagt Jobst. Dabei hat der Marketingchef auch potentielle internationale Fans auf dem Schirm.

Klar ist aber auch, dass die Daten „selbstverständlich“ für Analysen genutzt werden, um „das Verhalten unserer Fans“ näher kennenzulernen und „den Fan nicht mit Dingen zu konfrontieren, die ihn nicht interessieren“. So würden bereits Newsletter an die Interessen des einzelnen Fans angepasst, was die Fans mit „Sympathie und Interaktion“ zurück zahlen würden.

Schalke weiß, was du am letzten Spieltag gegessen hast

Das papierlose Ticketing sei bereits in der Umsetzungsphase, sagt Jobst. „Es ist eine Frage der Zeit, wann Mobile Ticketing im Stadion auch für alle Fans möglich ist.“ Bereits heute gebe es eine Bezahlfunktion im Fan-Trikot. „Dieser Chip kann über unsere App mit einem Barguthaben aufgeladen werden, dann können die Fans damit das Bier, die Wurst und die Merchandising-Artikel bezahlen. Da der Chip mit unserer Schalke-App gekoppelt ist, generieren wir daraus nicht nur Traffic, sondern wissen auch, wie der Fan welche Artikel oder Nahrungsmittel im Rahmen eines Aufenthalts bei Schalke 04 konsumiert hat“, sagt Jobst.

Mit Beginn der Saison 2018/2019 werden alle Trikots mit den Chips versehen sein – ohne Mehrkosten. „Das ist ein Mehrwert für den Fan und er kann selbst entscheiden, ob er das Trikot als Bezahlfunktion wahrnimmt oder ob er weiterhin mit der Knappenkarte bezahlt.“

Kommerz, Industrialisierung, Tradition

„Wir werden nie vergessen, woher wir kommen. Wir haben eine große Identifikation zur Lokalität und ein klares Bekenntnis zu unserer Herkunft“, sagt Jobst, macht aber auch auf den Wettbewerb im Fußball aufmerksam. Verinnerliche und widme man sich dem Thema nicht, werde der Verein mittel- und langfristig enorme Nachteile verspüren. Der Verein wolle sich so unabhängig wie möglich vom direkten sportlichen Erfolg wirtschaftlich aufstellen. Dabei geht es nicht nur um die Sicherheit im Stadion, die Zusammenarbeit mit Startups oder der Ausrichtung von Hackathons, sondern auch um E-Sport. Darin sieht Jobst „enormes Potential“.

Das Interesse am E-Sport sei – im Hinblick auf die Internationalisierung – in Märkten wie Asien oder USA noch mal viel größer als aktuell in Deutschland. „Über digitale effiziente Wege schaffen wir es, Schalke 04 über den E-Sport auch in diese Märkte zu tragen.“ E-Sport habe gleichzeitig eine neue  wirtschaftliche Dimension erfahren. „Das weckt ein großes Interesse, weil man über E-Sport an eine ganz andere junge Zielgruppe herantreten kann, die wir über den herkömmlichen Fußball nicht erreichen.“ E-Sport werde daher in Zukunft dazu beitragen, Schalke 04 wirtschaftlich die nächsten Schritte zu ermöglichen und das Hauptgeschäft Fußball weiter zu fördern.

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