Nachfolger von Boldt : Auf Kehls Spuren: Rolfes wird Sportdirektor in Leverkusen

Simon Rolfes wird bei Bayer Leverkusen Sportdirektor.  
Simon Rolfes wird bei Bayer Leverkusen Sportdirektor.  

Simon Rolfes wird ab dem 1. Dezember Sportdirektor bei Bayer Leverkusen. Langfristig soll er wohl zum Nachfolger von Rudi Völler aufgebaut werden. Der bisherige Kronprinz Jonas Boldt sucht sein Glück derweil woanders.

shz.de von
25. November 2018, 11:43 Uhr

Dass Sebastian Kehl und Simon Rolfes irgendwann bei ihren Vereinen Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen, in denen sie zudem tief verwurzelt sind, Management-Aufgaben übernehmen würden, schien vorgezeichnet.

Für viele in der Szene waren die beiden schon zu Profi-Zeiten irgendwie Brüder im Geiste. Beide waren Fußball-Strategen. Geborene Leader und Kapitäne. Eloquent, nicht tätowiert und immer schon über den Tellerrand des Fußball-Geschäfts hinausschauend.

Kehl hatte im Sommer vorgelegt, war Leiter der Lizenzspielerabteilung beim BVB geworden. Nun folgt Rolfes, der bei Bayer zunächst als Leiter Jugend und Entwicklung eingestiegen war. Ab dem 1. Dezember wird er neuer Sportdirektor und folgt auf Jonas Boldt. Der wird Leverkusen auf eigenen Wunsch im Sommer verlassen und Rolfes zuvor einarbeiten.

Der Leverkusener Ehrenspielführer bezeichnete die neue Aufgabe als «die Erfüllung eines Traums». Für den langjährigen Bayer-Manager Reiner Calmund ist er «ein sehr, sehr guter Mann». Und Werner Wenning, Vorsitzender des Gesellschafterausschusses von Bayer 04 Leverkusen erklärte, Rolfes habe «den sprichwörtlichen Stallgeruch, ist darüber hinaus international bestens vernetzt und besitzt alle Fähigkeiten, um Bayer 04 erfolgreich nach vorne zu bringen».

Zehn Jahre spielte der heute 36-Jährige bei Bayer, sieben davon war er Kapitän. Er war Publikumsliebling, erlebte Jupp Heynckes als Trainer, Michael Ballack als Mitspieler und zahlreiche Champions-League-Spiele. «Er kennt den Klub wie kaum ein anderer», sagte Geschäftsführer Fernando Carro, der Rolfes zudem als «eine allseits respektierte Identifikationsfigur» bezeichnete. Nun will er Leverkusen «langfristig dort positionieren, wo nicht nur wir selbst uns sehen: In der Spitzengruppe des deutschen Fußballs, als Stammgast auf europäischer Bühne.»

In den vergangenen Jahren verlief sein Weg sehr ähnlich zu dem Kehls. Beide beendeten 2015 ihre aktive Karriere, beide absolvierten danach ein UEFA-Studium, zusammen waren sie bei der EM 2016 ZDF-Experten. Und beide sind in ihren Funktionen auch sicher noch nicht am Ende. So wie Kehl beim BVB langfristig zum Nachfolger von Manager Michael Zorc (56) aufgebaut werden soll, soll Rolfes sicher irgendwann in die Rolle von Sport-Geschäftsführer Rudi Völler (58) schlüpfen.

Dafür war eigentlich Jonas Boldt vorgesehen. Der gebürtige Nürnberger ist seit 2003 im Verein, seit 2007 hauptberuflich in verschiedenen Funktionen. Nun wird er nach Andreas Rettig, Ilja Kaenzig und Michael Reschke bereits das vierte Manager-Talent in den vergangenen Jahren sein, das bei Bayer im Schatten von Calmund und Völler zur Führungskraft aufgebaut wurde, den Verein aber vor dem Sprung in die absolute Führungsrolle verlässt.

Offenbar hatte sich der 36-Jährige nach seiner formellen Beförderung vom Sport-Manager zum Sportdirektor mehr Gestaltungs-Spielraum erhofft. Gleichzeitig wuchs bei Bayer in Rolfes und Ex-Torjäger Stefan Kießling, der nach seinem Karriereende als Assistent von Völler fungiert, bereits eine neue Generation nach.

Wo es den in jüngerer Vergangenheit von einigen Vereinen umworbenen Boldt hinzieht, ist noch offen. Für Völler ist es aber «keine Frage, dass wir ihn auf ganz hohem Niveau wiedersehen werden».

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