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Alltag bei Spitzenreiter Hertha - Luhukay arbeitet wieder

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erstellt am 12.Aug.2013 | 01:11 Uhr

Berlin (dpa) - Ruhe statt Euphorie, Realismus statt Träume: Nach dem sensationellen Erstliga-Comeback ist bei Bundesliga-Spitzenreiter Hertha BSC schnell wieder der Alltag eingekehrt.

Die Berliner Fußball-Profis genossen den freien Montag, einige Nationalspieler sind zu Länderspielen gereist, angeschlagene Akteure wie Alexander Baumjohann ließen sich von der medizinischen Abteilung pflegen - und der wichtigste Mann arbeitete schon wieder. «Ich schaue mir die letzten beiden Spiele von Nürnberg auf DVD an», berichtete Coach Jos Luhukay: «Danach kann ich meinen Spielern mehr über unseren nächsten Gegner sagen.» Am Sonntag muss der Überraschungs-Erste in Franken ran.

Herthas Verantwortliche nehmen die 16. Spitzenposition des Berliner Clubs in der Fußball-Bundesliga seit 1963 als «schöne Momentaufnahme», wie sowohl Luhukay als auch Manager Michael Preetz betonten. Für die Spieler des Aufsteigers ist das historische 6:1 gegen Eintracht Frankfurt, mit dem der Neulings-Startrekord des FC Hansa Rostock gegen den 1. FC Nürnberg aus der Saison 1991/92 (4:0) gebrochen wurde, vor allem ein Signal. «Das erste Spiel ist immer eine Wundertüte, man weiß nie, wo man steht», meinte Neuzugang Baumjohann. Änis Ben-Hatira unterstrich nach dem Knaller-Auftakt: «Wir wussten, dass wir sehr gut vorbereitet sind.»

Zeit zum Träumen oder gar für Höhenflüge? Nicht bei Luhukay. Er will den kleinsten Ansatz von Leichtsinnigkeit bei seinem Personal und im Verein ersticken. «Ich fange nicht an, von unschlagbar zu reden. Wir träumen auch nicht davon, jetzt Bayern oder Dortmund zu gefährden», betonte der Niederländer.

Eingreifen muss der Fußballlehrer wohl auch nicht. Die Berliner Spieler wissen nach den bitteren Abstiegs-Erfahrungen vor zwei Jahren selbst, dass es längst noch keinen Grund zur Zufriedenheit gibt. «Vor zwei Jahren hatten wir nach der Hinrunde 20 Punkte und wissen alle noch, was dann passiert ist», sagte Kapitän Fabian Lustenberger.

Die auch außerhalb Berlins bestaunte Vorstellung gegen Frankfurt stärkte bei den Profis das Vertrauen in Luhukays Kurs, der nach einer souveränen Zweitliga-Saison das Korsett des Teams neu formierte und dabei auch ehemalige Führungskräfte wie Peter Niemeyer oder Peer Kluge ins zweite Glied beförderte. Selbst Zweitliga-Topscorer Ronny, der am Montag vom Berliner Fußball-Verband als Profi der Saison 2012/13 geehrt wurde, muss sich hinten anstellen.

Und auch die vielen, manchmal nervenden Taktik-Einheiten zeigten die gewünschte Wirkung. «Alle Tore kamen aus der Balleroberung. Dann ging es schnell nach vorn», betonte Luhukay - eine Bestätigung für seine Spielidee.

«Es hat alles gepasst, von A bis Z. Aber wir sind realistisch - es werden schwerere Spiele kommen», sagte der Schweizer Lustenberger: «Wir werden weiter hart arbeiten, dafür wird der Trainer schon sorgen.» Nach zehn Spieltagen könne man frühestens auf die Tabelle gucken.

Eine kleine Belohnung aber gönnte sich Luhukay schon nach der ersten Auftakt-Tabellenführung eines Aufsteigers seit 2008, als die 1899 Hoffenheim ganz vorn stand. Mit seiner Familie genoss der Trainer ein großes Vanilleeis mit Erdbeeren.

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