Hannover empfängt Nürnberg : Abstiegs-Endspiel «El Kackico» - Letzter gegen Vorletzter

Trainer Thomas Doll möchte mit Hannover 96 gegen den 1. FC Nürnberg unbedingt gewinnen.
Trainer Thomas Doll möchte mit Hannover 96 gegen den 1. FC Nürnberg unbedingt gewinnen.

Hannover 96 hat in der Bundesliga seit neun Spielen nicht mehr gewonnen. Der 1. FC Nürnberg sogar schon seit 14 Partien. An diesem Samstag spielen die beiden Abstiegskandidaten gegeneinander. Vor allem ihre Trainer könnten dabei unterschiedlicher kaum sein.

shz.de von
08. Februar 2019, 13:38 Uhr

Dass sich Thomas Doll und Michael Köllner einmal als Trainer in einem der wichtigsten Spiele einer Bundesliga-Saison gegenüberstehen, wäre noch vor ein paar Jahren eine ziemlich steile These gewesen.

An diesem Samstag spielt der Tabellenletzte Hannover 96 gegen den Vorletzten 1. FC Nürnberg. Und der Weg der beiden Trainer dorthin hätte unterschiedlicher kaum verlaufen können. In den 90er Jahren zum Beispiel stand der frühere Nationalspieler Doll mal vor der Frage, ob er weiter für Lazio Rom spielen oder in die Fußball-Bundesliga zurückkehren soll. Sein Kollege Köllner musste sich damals entscheiden: Bleibe ich als Soldat bei der Bundeswehr oder mache ich dort, wie am Ende geschehen, eine Ausbildung zum Zahnarzthelfer?

An diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) werden das Schicksal und der Spielplan die beiden nun zusammenführen, und eine der wenigen Gemeinsamkeiten ist, dass kein anderer Bundesliga-Trainer im Moment mit ihnen tauschen möchte. Dolls Hannoveraner sind seit mittlerweile neun Spielen sieglos, Köllners Nürnberger sogar schon seit 14. «Das Spiel hat Endspiel-Charakter», sagte Doll ganz unverblümt.

Noch immer ist der Rückstand beider Vereine auf den Relegationsplatz überschaubar. Dazu werden sich mit Fortuna Düsseldorf und dem VfB Stuttgart an diesem Wochenende zwei Konkurrenten im Abstiegskampf die Punkte gegenseitig wegnehmen (Sonntag/18.00 Uhr/Sky). Trotzdem fragt sich jeder, gegen wen Hannover und Nürnberg in dieser Saison noch gewinnen wollen, wenn nicht gegen Nürnberg beziehungsweise Hannover. Beide spielten in den vergangenen Wochen so schlecht, dass dieses Kellerduell im Internet bereits als «El Kackico» verhöhnt wird.

Was hilft am meisten im Abstiegskampf? Über diese Frage könnte man ganze Lehrbücher schreiben. Doll ist 1996 mal mit einer Mannschaft von Eintracht Frankfurt abgestiegen, in der neben ihm noch Stars wie Jay-Jay Okocha und Andreas Köpke spielten. Spätestens seitdem glaubt der 52-Jährige, dass gerade in schwierigen Situationen unbedingt Leben in die Bude muss. «Ich erwarte, dass wir uns wieder mehr fordern, mehr anmachen und mehr Reibungspunkte erzeugen», sagte Doll vor dem Nürnberg-Spiel. «Das erzeugt Energie, das setzt Kräfte frei.»

Aus diesem Grund hat der Bundesliga-Rückkehrer seine Mannschaft in den vergangenen Tagen erst starkgeredet, dann nach dem 0:3 gegen Leipzig schonungslos kritisiert, um sie nun rechtzeitig zum bislang wichtigsten Spiel der Saison wieder aufzubauen («Wir sind für viele die erste Mannschaft, die runtergeht. Dagegen wehren wir uns.»).

Doll hat offensichtlich auch kein Problem damit, für einen Verein zu arbeiten, in dem über nahezu alles öffentlich gestritten wird. Mal geht es um die Übernahmepläne des Präsidenten Martin Kind, mal um die Verpflichtung neuer Spieler. «Wir geben ein diffuses Bild ab», sagte selbst Kind in dieser Woche der «Bild»-Zeitung.

Ganz anders dagegen der 1. FC Nürnberg. 14 Spiele ohne Sieg, ein erbärmlicher Auftritt im DFB-Pokal in Hamburg (0:1), Schlagzeilen wie «Spielt die Mannschaft gegen Köllner» («Bild»): All das scheint an dem Aufstiegstrainer des Clubs abzuprallen. «Die Mannschaft hat noch nie für mich gespielt, sie spielt für den Verein, genauso wie ich für den Verein tätig bin und nicht für einzelne Spieler», sagte Köllner vor dem Kellerduell. «Ich tue alles dafür, mit dem Verein in Hannover zu punkten. Am Ende geht es um den Verein und nicht um mich.»

Der 49-Jährige hat es überhaupt in den Profifußball geschafft, dazu hat er den neunmaligen deutschen Meister nach vier Jahren zurück in die Bundesliga geführt. Das ist mehr, als ihm jemals zugetraut worden war. Auch daraus zieht Köllner sein Selbstvertrauen und seine Gelassenheit. Sollte sein Team am Samstag auch in Hannover verlieren, könnte es zum ersten Mal eng für ihn werden. Allerdings wäre es dann für den 1. FC Nürnberg auch fast schon zu spät. «Das ist ein wegweisendes Spiel für beide», sagte Köllner. Wer das nicht gewinnt, sollte schon einmal für die 2. Bundesliga planen.

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