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Kolumne : Bundesliga: Unterhaltung, Hoffnung und Poker

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der FC Bayern München hat nicht nur sportlich für Furore in dieser Saison gesorgt. Auch ein Phantomtor bleibt in Erinnerung. Und ganz vorbei ist die Spielzeit ja auch noch nicht. Denn der HSV hat noch eine Woche Hoffnung. Eine Kolumne von Jürgen Muhl.

Meldungs-Maschine: Selten hat die Bundesliga in einer Saison mit derart vielen und auch interessanten, ja sensationellen Meldungen die Gesellschaft in Atem gehalten, wie es zwischen dem sonnigen August 2013 und dem verregneten Mai 2014 der Fall gewesen ist. Der historische Alleingang von Bayern München, der zwar an der Spitze für Langeweile sorgte, insgesamt aber von hohem Unterhaltungswert getragen wurde. Der Hype um Trainer Pep Guardiola, die merkwürdigen Auftritte von Matthias Sammer und die Steueraffäre um Uli Hoeneß. Bis hin zur Meisterfeier, auf der Ministerpräsident Horst Seehofer den zu einer Gefängnisstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilten Ex-Präsidenten noch einmal hochleben ließ. Die Bayern halten eben zusammen: Politik, Sport und auch die Wirtschaftsbosse. Daher bleibt doch noch Spannung – nämlich, wie lange Uli Hoeneß wirklich in seiner Zelle bleiben muss.

Oder das Phantomtor von Hoffenheim, das Bayer Leverkusen bis zur Champions-League-Qualifikation geholfen hat. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes wollte kein Wiederholungsspiel und griff somit unfreiwillig in den Punktekampf ein. Das Geschrei war groß quer durch die Bundesliga. Als dann aber Monate später die Vereine die Einführung einer elektronischen Torlinientechnik hätten beschließen können, wollten sie nicht. Der Millionen-Liga waren die Kosten von rund einer halben Million Euro für jeden Verein zu hoch. Die Begründung aber hieß, man wolle an den Tatsachenentscheidungen der Schiedsrichter festhalten. Welch eine Heuchelei.

Spitzenreiter bei den Trainerentlassungen war der HSV. Zwei in einer Saison. Erst musste Thorsten Fink gehen, dann Bert van Marwijk. Es kam Mirko Slomka, der von Hannover 96 gefeuert worden war. Slomkas Saison verlängert sich um eine Woche.

Noch eine Woche Hoffnung: Ein dramatischer Appell von Uwe Seeler als Titelgeschichte („Rettet meinen HSV“) in einer Hamburger Tageszeitung, die Reise von Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz zusammen mit über 5000 Fans nach Mainz, Tausende von HSV-Fahnen an Gebäuden in der Hansestadt – Hamburgs groß angelegte Rettungsaktion wurde mit einem Teilerfolg belohnt. Wieder verloren, zum fünften Mal hintereinander. Weil die Konkurrenz aus Nürnberg und Braunschweig aber bereit zum direkten Abstieg war, darf der HSV noch zwei Partien gegen den Dritten aus der 2. Bundesliga, Greuther Fürth, bestreiten.

Die Uhr des Bundesliga-„Dino“ im Volkspark läuft also weiter, zumindest noch eine Woche. Und wenn alles gut geht, dann auch in der kommenden Saison. Über 100 Million Euro Schulden, seit Jahren eine falsche Personalpolitik, ein ständiges Überschätzen der eigenen Leistungskraft. Über all diese Dinge wird in Hamburg in diesen Tagen nicht gesprochen. Es geht nur noch darum, mit dem vorhandenen Personal gegen Greuther Fürth zu bestehen.

Es geht ums Geld: Dass der bereits vor vier Wochen intern bekannte Ausstieg von Thomas Tuchel bis zum letzten Spieltag unter Verschluss gehalten werden konnte, spricht für die Verschwiegenheit ausgerechnet in einer Karnevalsstadt. Tuchel wird vertragsbrüchig. So wie es bei spielenden Profis an der Tagesordnung ist. Ein vorzeitiger Abschied wird in der Regel über Ablösesummen geregelt. Die müsste Tuchel eigentlich selbst zahlen, das aber wird ihm der Verein abnehmen, zu dem der Mainzer Trainer wechselt. So läuft das Bundesliga-Geschäft. Nicht immer seriös.

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erstellt am 12.Mai.2014 | 16:36 Uhr

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