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Geld schlägt Herz : Bundesliga-Relegation: VfL Wolfsburg bleibt nach 1:0 in Braunschweig erstklassig

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Die Millionentruppe aus der Autostadt siegte mit 1:0. Bei den Eintracht-Fans entlud sich der Frust in einem Platzsturm.

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2017 | 07:46 Uhr

Braunschweig | Wie groß die Erleichterung bei den Spielern und den Fans des VfL war, zeigte sich direkt nach dem 1:0. Kurz nach der Halbzeit hatte Mario Gomez den Ball auf das Tor gezimmert, Braunschweigs Keeper Jasmin Fejizic konnte den Ball gerade noch abwehren, doch beim Nachschuss von Freitas Vieirinha-De war er machtlos,

Alle stürmten sie zum Torschützen. Die Spieler auf dem Feld und die Ersatzleute, die sich am Rand schon seit Beginn der ersten Halbzeit warm gemacht hatten. Zusammen jubelten da knapp 150 Millionen Euro vor der grün-weißen Fankurve.

Ob Francisco Javier Garcia Sanz auch feierte? Vermutlich. Das Vorstandsmitglied von VW ist Aufsichtsratchef bei der 100-prozentigen Tochter des Autobauers. Bis zu 70 Millionen soll dieser in den Bundesligisten pumpen. Es war schon einmal mehr.

Dennoch waren die Ziele auch in dieser Saison hoch. Doch die Mannschaft zusammengestellt um den Einzug in die Champions League anzupeilen, musste um den Bundesliga-Erhalt zittern. Wieso? Das zeigte sie in der ersten Halbzeit. „Wir waren im Hinspiel die bessere Mannschaft“, hatte ihr niederländischer Trainer, der dritte in dieser Saison beim VfL, Andries Jonker, getönt. Ähnlich überheblich ging sein Team das Rückspiel an.

Die Eintracht dagegen setzte um, was ihr Trainer Thorsten Lieberknecht gefordert hatte. „Dampf“ wollte er sehen am bisher heißesten Tag des Jahres. Auch bei der Eintracht, es ist offensichtlich, ist VW ein wichtiger Geldgeber. Doch in dem nur 35 Kilometer von der VW-Arena entfernten Eintracht-Stadion wird Fußball malocht, wie beim Autobauer am Band. Hier gibt es keine Mittel wie in der Chefetage.

Und genau mit dieser Tugend wollten sie auch in die Bundesliga. Eine Halbzeit lang rannte und kämpfte die Eintracht und erarbeitete sich gleich mehrere gute Chancen – auch ohne den verletzten Stürmer Domi Kumbela. Christoffer Nyman bekam in der 13. Minute im Strafraum den Ball auf den Fuß, in der 41. Minute zog er von der linken Seite ab – beide Male ging der Ball vorbei. Dazwischen gab Ken Reichel den Ball nach einer von VfL-Keeper Casteels nicht nachhaltig geklärten Ecke zu Gustav Valsvik. Auch er traf nicht.

Im Gegensatz zu Mario Gomez, der von den Braunschweiger Fan nach den Vorkommnissen im Hinspiel von Beginn an mit Schmähgesängen bedacht wurde. Der Nationalspieler traf in der 39. Minute das Tor, doch Schiedsrichter Tobias Stieler hatte zuvor ein Foul von Yannick Gerhardt an Sauer gesehen und gab den Treffer nicht.

In Braunschweig werden sie ihn nicht mehr lieben lernen nachdem sein eigenes Handspiel im Hinspiel nicht geahndet worden war und er anschließend auch noch den umstrittenen Handelfmeter zum 1:0 versenkte. Doch auch am Montag vermittelte der 31-Jährige, in der Winterpause verpflichtet, erneut als einer der wenigen, die Bereitschaft den Abstiegskampf anzunehmen.

Im Falle des Abstiegs wäre er vermutlich trotz langfristigen Vertrages gegangen. Nun wird er bleiben, und der Verein versuchen, um ihn herum eine Mannschaft mit neuem Gesicht zu kreieren.

In Braunschweig dagegen können sie ihr Gesicht getrost behalten. Auch, wenn in der zweiten Halbzeit nicht mehr viel ging und sich Maximilian Sauer wegen Haltens von Gerhard Rot sah, zeigten die Braunschweiger in beiden Partien, wie sie es in diese Relegation geschafft hatten: mit viel Herz, harter Arbeit und Unterstützung der Fans. Die verhielten sich Großteils äußerst ruhig und feierten ihr Team bis zum Schluss. Dass einige jedoch Böller zündeten und am Ende auf den Platz stürmten, um die Gästefans zu beschimpfen hätte es nicht gebraucht.

Die VfL-Fans feierten dagegen. Dass am Ende doch das Geld die überhand behielt, dürfte nicht nur bei ihnen, sondern auch bei VW für Erleichterung gesorgt haben. Trotz einer schlechten Saison waren die Millionen nicht ganz versenkt.

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