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Neutralität statt Gewalt : „Brigade Hartmut Strampe“: Diese Ultras lieben Schiedsrichter

vom
Aus der Onlineredaktion

Eine neue Ultra-Bewegung kommt ganz ohne Verein aus. Die „Brigade Hartmut Strampe“ will etwas sehr Unpopuläres zur Mode machen: Die lautstarke Lobhudelei des Schiedsrichtergespanns von den Rängen.

Berlin | Ewige Schmährufe, Pfiffe, fliegende Gegenstände, Gewaltandrohungen, Beleidigungen, Schuldzuweisungen und das Dilemma des Nichts-Gewinnen-Könnens – Schiedsrichter kriegen eigentlich immer eins auf den Deckel. Warum tun sie sich diesen undankbaren Job eigentlich an? Vielleicht weil sie Hüter der Gerechtigkeit sein wollen und weil es ohne sie natürlich nicht geht. Nun genießen die geplagten Referees das, wovon sie vorher wohl nicht einmal zu träumen wagten: den verdienten Helden-Status – jedenfalls innerhalb der neuen Gruppierung „Brigade Hartmut Strampe“. 20 Fußball-Enthusiasten lassen Person, Handeln und Walten des Spielleiters hochleben.

Was am Ball passiert, ist ist fast schon nebensächlich. Der Protagonist der Ultras hat die Pfeife im Mund und nicht den Fuß am Ball. Darum reisen die Brigadisten von Stadion zu Stadion, um die Schiedsrichter und ihre Assistenten anzufeuern. Für jede halbwegs gelungene Entscheidung gibt es Jubel und Sprechgesänge – für Fehlgriffe auch. So hallt es nunmehr von den Rängen: „Schiri, wir wissen wo dein Auto stand, ist aufgetankt, ist aufgetankt!“

Augen zu und „Gelb“: Hartmut Strampe machte seinem Vornamen alle Ehre.
Augen zu und „Gelb“: Hartmut Strampe machte seinem Vornamen alle Ehre. Foto: Imago

Benannt wurde das Fan-Projekt aus einer Bierlaune heraus nach Hartmut Strampe – einem schnauzbärtigen Referee mit Bürstenhaarschnitt, der 2001 mit härtester Hand ein denkwürdiges Spiel zwischen Dortmund und Bayern leitete. Dabei stellte er zwei Bundesligarekorde auf, die ihn für die Brigade zur Ikone machen: Er verteilte während der 90 Minuten 13 Karten (Rekord eins). Allein zehn Verwarnungen sahen die elf Spieler der Bayern (Rekord zwei). Drei Platzverweise setzten dem buntesten Bundesliganachmittag der Geschichte die Krone auf. Unter den aktuellen Schiedsrichtern hat es vor allem Manuel Gräfe den Berlinern angetan, der mit einer falschen Freistoßentscheidung tatkräftig dafür mitsorgte, dass der HSV in der Relegation in letzter Minute doch noch das Ruder herumreißen konnten.

„Unsere Qualität: Neutralität“ lautet das Motto der Gruppierung. In der über 2000 Fans umfassenden Facebook-Gruppe werden besondere Leistungen der Unparteiischen geteilt und gewürdigt.

Schönes Ding in der aktuellen Fußball-Woche!

Posted by Brigade Hartmut Strampe on  Montag, 5. Oktober 2015

Am 11. September wurde die „Brigade Hartmut Strampe“ in Ultra-Kluft erstmals von einer größeren Öffentlichkeit wahrgenommen. Beim Heimspiel von Hertha BSC gegen den VfB Stuttgart trafen die Ultras gleich ein Idol mit Pfeife vor, dessen Name sich vorzüglich zu langgezogenen Ruf-Gesängen eignete. „Stiiiiiieler“ skandierten die mit Schiedsrichter- und orange-gelben Assistentenfahnen und Schals mit dem Slogan „Sieg oder Spielbericht“ ausgestatteten Brigadisten in Richtung des Hamburger Spielleiters. „Unsere Anfeuerungsrufe kamen den Leuten schon sehr merkwürdig vor“, erinnert sich Vorsänger Alex Brandt im „Reviersport.“ Inszwischen hat sich sogar schon der Pay-TV-Sender „Sky“ dem unterhaltsamen Projekt mit einem Filmbeitrag gewidmet.

Ein entspannterer Umgang mit den Unparteiischen – vor allem im Amateuerbereich – das ist neben dem Spaß an der Sache eines der Ziele der Brigade, die nach eigener Aussage keine Schiedsrichter unter sich reiht. Den Alarmruf der Hamburger Spielleiter aufgrund überschäumender Gewaltandrohungen auf und abseits der Sportplätze unterstützen Brandt und Co. auf ihrer Facebook-Seite. Aufhören wollen die Ultras erst, wenn man bei der Fußball-Simulation „Fifa“ den Schiedsrichter spielen kann.

Die europäischen Plätze können kommen:

Brigade goes Rumänien!

Posted by Brigade Hartmut Strampe on  Dienstag, 6. Oktober 2015

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erstellt am 07.Okt.2015 | 15:09 Uhr

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