Kein Nord-Derby : Bremer Polizei spart durch HSV-Abstieg viel Geld und Ressourcen

Die HSV-Fans hatten in Bremen Pyrotechnik abgebrannt.
Die HSV-Fans hatten in Bremen Pyrotechnik abgebrannt.

Ein Hochrisiko-Spiel weniger im Bremer Weserstadion – gut für die Polizei.

shz.de von
24. Juni 2018, 10:50 Uhr

Bremen | Der erstmalige Abstieg des Hamburger SV aus der Fußball-Bundesliga entlastet in der kommenden Saison Kasse und Personal der Bremer Polizei. Vor allem die Partien zwischen Werder Bremen und dem HSV wurden wegen Fan-Rivalitäten und drohender Gewaltausschreitungen bislang stets als Hochrisiko-Spiele eingestuft. Sie verursachten der Polizei nach Behördenangaben im Durchschnitt 320.000 Euro Mehrkosten. Bislang geht die Polizei davon aus, dass es während der nächsten Saison in Bremen überhaupt kein Hochrisiko-Spiel geben wird.

Die Mehrkosten reicht das Bundesland seit April 2015 per Gebührenbescheid an die Deutsche Fußball Liga (DFL) weiter. Bislang sind so rund zwei Millionen Euro aufgelaufen. Zuletzt hatte das Oberverwaltungsgericht in Bremen eine Klage der DFL gegen diese Praxis zurückgewiesen. Der Kostenstreit liegt nun beim Bundesverwaltungsgericht.

Die Polizei in der Hansestadt geht derzeit davon aus, dass es während der nächsten Saison in Bremen kein Rot- beziehungsweise Hochrisiko-Spiel geben wird. „Es könnte also tatsächlich eine Entlastung entstehen, und die DFL würde keine Rechnung bekommen“, so ein Polizeisprecher. „Das kann sich durchaus im Laufe der Saison auch kurzfristig anders entwickeln.“ Rot-Spiel-Potenzial hat etwa die Begegnung zwischen Werder und Hannover 96.

In der Bremer Innenbehörde hofft man, dass es bei einer ruhigen Saison bleibt. „Das wäre sowieso das Beste. Wir brauchen sicher keine Hochrisiko-Spiele als Begleitmusik für die Auseinandersetzung mit der DFL“, so eine Sprecherin. Bei Rot-Spielen sind schon mal bis zu 900 Beamte aus mehreren Bundesländern im Einsatz.

Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) wird die absehbare Atempause indes nicht von seinem grundsätzlichen Kurs abbringen, Polizeimehrkosten an die DFL weiterzureichen. Mäurer sucht unter den Länderinnenministern Verbündete und hatte zumindest in Rheinland-Pfalz schon Erfolg. Beide Länder setzen sich für eine Fondslösung ein. Ansonsten ist der Rückhalt bislang mehr als mau.

Mäurer hatte immer wieder betont, es sei nicht einzusehen, dass die enormen Polizeikosten, die mit der Durchführung der Bundesliga verbunden sind, allein vom Steuerzahler getragen würden. Das sieht die DFL anders: Das Gewaltmonopol liege allein beim Staat, und der habe die Pflicht, für Sicherheit zu sorgen. Der Fall liegt nun beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Ein Termin für das Verfahren sei noch nicht absehbar, so eine Gerichtssprecherin.

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