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Nach Boykott von St. Pauli und Union Berlin : „Bild“-Aktion für Flüchtlinge auch ohne Bochum, Freiburg, Nürnberg und Duisburg

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Nach dem bereits zwei Zweitligisten die „Wir helfen“-Aktion abgelehnt hatten, ziehen nun vier weitere Mannschaften mit.

Hamburg/Berlin | Das „Wir Helfen“-Logo soll am kommenden Wochenende von den 36 Bundesligisten auf den Trikots getragen werden. Laut Bild-Zeitung soll mit der Aktion gezeigt werden, dass „Schreihälse und Fremdenhasser nicht in unserem Namen grölen“. Seit Beginn der Aktion für Flüchtlinge wird kontrovers diskutiert, denn das Logo macht Werbung für die Boulevardzeitung. Nach St. Pauli und Union Berlin zeigen sich jetzt auch der VfL Bochum, SC Freiburg, 1.FC Nürnberg und MSV Duisburg solidarisch und haben angekündigt, nicht an der Aktion teilzunehmen.

Der VfL Bochum schrieb auf seiner Homepage: „Gegen Engagement ist nichts einzuwenden, im Gegenteil: Der VfL Bochum 1848 begrüßt sämtliche Hilfsmaßnahmen, die in Not geratene Menschen unterstützen. Wenn es also um die Sache gegangen wäre, wären wir kompromissbereit gewesen und hätten eine Aktion, die von der BILD mitgetragen wird, unterstützt. Allerdings hat uns die scharfe Reaktion seitens der BILD-Chefredaktion ob der Absage eines anderen Clubs an die Aktion dazu gebracht, sich mit diesem Verein solidarisch zu zeigen. Es darf unserer Ansicht nach nicht sein, dass jemand einem Verein die Solidarität mit Flüchtlingen abspricht, nur weil dieser nicht bereit ist, eine u.a. von der BILD initiierte Aktion zu unterstützen.“

Beim SC Freiburg heißt es am Donnerstagabend: „Wir haben uns entschieden, morgen ohne den veränderten Ärmel-Aufnäher „Wir helfen" gegen die Bielefelder Arminia auf den Platz zu gehen.“ Als Begründung führt der Verein das aktuelle Engagement bei eigenen Projekten und in der Zusammenarbeit mit der Stadt Freiburg an.

Beim 1. FC Nürnberg begrüßt man die ligaweite Aktion für Flüchtlinge als „sinnvoll und unterstützenswert“. In der Pressemitteilung heißt es jedoch: „Weil der 1. FC Nürnberg aber den Umgang mit den Vereinen, die an der freiwilligen Aktion nicht teilnehmen, für unangebracht hält, wird der Club auf eine besondere Promotion des Medienpartners verzichten.“

Der MSV Duisburg gab am Freitag bekannt, nicht mit dem Aktions-Badge aufzulaufen, sondern mit einem eigenen Sondertrikot zu spielen. Der MSV habe nach Vereinsangaben bereits vor sechs Wochen seine Planungen zum Heimspiel gegen den FSV Frankfurt am Sonntag unter dem Motto „Refugees Welcome“ gestartet und freue sich auf knapp 1.500 Flüchtlinge, die in der Schauinsland-Reisen-Arena zu Gast seien. MSV-Hauptsponsor Black Crevice verzichte auf seinen Sponsoren-Aufdruck; das Team von Trainer Gino Lettieri werde mit dem Schriftzug „REFUGEES WELCOME“ spielen. „Wir Zebras möchten den Einsatz der Menschen in Duisburg, unserer Fans und des Vereins für Flüchtlinge in den Vordergrund stellen.  Angesichts der tief entbrannten und kontrovers geführten Diskussion um die Aktion „Wir helfen“ befürchten wir einen Schatten über den von uns vorbereiteten Aktionen am Sonntag und in den kommenden Wochen. Das wollen wir vermeiden, deshalb verzichten wir auf das angebotene Aktions-Badge auf dem Trikotärmel.“

Der FC Union Berlin teilte auf seiner Homepage am Donnerstag mit, am Wochenende in der 2. Bundesliga gegen Greuther Fürth, ohne das Logo am Ärmel aufzulaufen. „An der für den kommenden Bundesligaspieltag geplanten Aktion einer Boulevardzeitung wird der 1.FC Union Berlin hingegen nicht teilnehmen“, heißt es in der Pressemitteilung.

Der 1. FC Union kündigt darin auch an, die eigenen Pläne für ein Fanhaus in unmittelbarer Stadionnähe vorerst zurückzustellen und die Anfang des Jahres erworbene Immobilie dem Land Berlin als Unterbringungsmöglichkeit für geflüchtete Menschen in den Wintermonaten zur Verfügung zu stellen.

„Berlin ist darauf angewiesen, alle Reserven zu erschließen, um das Unterbringungsproblem zu lösen. Wir haben die Möglichkeit, dazu einen Beitrag zu leisten, indem wir selber verzichten. Natürlich hätten wir unser Fanhaus sehr gerne anlässlich unseres 50. Vereinsgeburtstag im Januar eröffnet, aber wenn wir akute Not lindern können, dann tun wir das selbstverständlich“, erläutert Fanhaus-Leiter Sven Mühle die Zwischennutzung des künftigen Fanhauses.

Union-Präsident Dirk Zingler ergänzt: „Wir können Flüchtlingsströme nicht beeinflussen oder die internationale Politik verändern und als Fußballverein ist es auch nicht unsere Aufgabe, aber wir sind humanistischen Grundwerten verpflichtet und können hier in unserer Stadt, in unserem Umfeld denjenigen helfen, die unsere Hilfe brauchen. Wenn durch die Bereitstellung unserer Flächen nur eine Sporthalle in Berlin weniger umgewidmet werden muss, ist allen geholfen“.

Der FC St. Pauli hatte am Mittwoch mitgeiteilt, sich an der für alle 36 Vereine aus der 1. und 2. Fußball-Liga geplanten Aktion nicht zu beteiligen. „Der FC St. Pauli steht für eine Willkommenskultur, und wir handeln damit auf eine Art und Weise, die unseren Club schon seit Jahrzehnten ausmacht. Wir leisten ganz praktische und direkte Hilfe dort, wo sie gebraucht wird“, erklärte der kaufmännische Geschäftsleiter Andreas Rettig. Der FC St. Pauli sei seit vielen Wochen auf verschiedenen Ebenen zu dem Thema aktiv, um den Menschen, die nach Deutschland geflohen sind, zu helfen. „Unser Testspiel gegen Borussia Dortmund, das private Engagement unserer Spieler sowie verschiedenste Aktionen unserer Fans und Abteilungen für die Flüchtlinge in Hamburg sind Beleg dafür.“

Die Ankündigung der Kiezkicker sorgte für einen Shitstorm gegen die „Bild“. Nicht nur, weil Chefredakteur Kai Diekmann twitterte „Beim FC St. Pauli sind Flüchtlinge nicht willkommen“.

Der FC St. Pauli will zwei signierte Banner mit den Aufschriften „Refugees“ und „Welcome“ von dem Freundschaftsspiel des Hamburger Fußball-Zweitligisten gegen Dortmund (1:2) versteigern. Zur Partie waren 1000 Flüchtlinge eingeladen worden. Kinder aus einer Erstaufnahme-Einrichtung hatten die Mannschaften aufs Spielfeld begleitet. Signiert wurden die Banner unter anderem von BVB-Trainer Thomas Tuchel sowie den Profis Roman Weidenfeller und Sven Bender. Der Erlös der Auktion geht an Projekte der Flüchtlingshilfe.

Auch die Fans von Borussia Dortmund und Schalke 04 wünschen sich von ihren Vereinen einen Verzicht auf die Bild-Kampagne. Das berichtet derwesten.de.

Die „Bild“ äußerte sich in einer schriftlichen Stellungnahme enttäuscht über die Absagen: „BILD findet es sehr schade, dass einzelne Vereine die gemeinsame Aktion mit DFL und Hermes nicht unterstützen - hier geht es schließlich um die gute Sache.“

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erstellt am 18.Sep.2015 | 13:00 Uhr

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