Vertragsende in Chicago : Bastian Schweinsteiger ist vereinslos: Karriereende oder nicht?

<p>Schweinsteiger mit Tränen auf der Anzeigentafel bei seinem letzten Länderspiel am 31. August 2016 gegen Finnland. Sein endgültiger Abschied vom Rasen könnte mit viel weniger Emotionen geschehen.</p>
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Schweinsteiger mit Tränen auf der Anzeigentafel bei seinem letzten Länderspiel am 31. August 2016 gegen Finnland. Sein endgültiger Abschied vom Rasen könnte mit viel weniger Emotionen geschehen.

Schweinsteigers Karriereende könnte ganz emotionslos an uns vorübergegangen sein. Doch es gibt Optionen.

shz.de von
04. Januar 2018, 16:52 Uhr

Sein Name ist Bastian Schweinsteiger, ehedem „Schweini“ oder ganz kurz „BS31“. Er ist 121-facher Nationalspieler, Weltmeister, achtfacher Deutscher Meister, Champions League-Sieger – und seit Jahreswechsel als Fußballer arbeitslos. Einen klammheimlichen Abschied suchte der bei Manchester United ohne Trompeten aussortierte Mittelfeldmann bereits im Frühjahr mit seinem Wechsel in die amerikanische Major League Soccer. Für welches Franchise der Bayer dort bis 31. Dezember kickte, können viele Fußballfans gar nicht sagen: Es war Chicago Fire.

Nun könnte es das gewesen sein für den vertragslosen Mittelfeldstrategen, der mit seiner Tugend und seinem Elan wie kein anderer für die Neuerfindung des deutschen Fußballs seit 2004 steht. Es wäre ein blasses Karrierende für jemanden, der wenigstens aus der italienischen Perspektive noch im besten Fußballalter ist. Lothar Matthäus' Karriereende – und das ist in vielerlei Hinsicht der gleiche Maßstab – verlief seinerzeit ähnlich. Ein plötzlicher Wechsel in die USA vermied die öffentlichen Tränen. Seine letzten Auftritte unter den Augen der deutschen Öffentlichkeit lieferte er bei der aus deutscher Sicht katastrophalen EM 2000, bei der er angeschlagen reihenweise Laufduelle verlor, Bilder die haften blieben. Der Unterschied: Matthäus war 39, Schweinsteiger ist sechs Jahre jünger – ein halbes Fußballerleben. Fritz Walther war beim WM-Triumph 1954 sogar noch etwas älter als der Ex-Münchner.

<p>Schweinsteiger mit Bundestrainer Jürgen Klinsmann 2004. Es ist der Beginn einer neuen Ära.</p>
Foto: imago/Contrast

Schweinsteiger mit Bundestrainer Jürgen Klinsmann 2004. Es ist der Beginn einer neuen Ära.

So stellt sich die Frage: Was nun? Juckt es noch in den schmerzenden Gelenken, erklärt Schweinsteiger bald sein Karriereende, verlängert er doch noch in Amerika, tut er sich die Bundesliga noch einmal an oder lässt er den Abschied einfach dahingleiten?

Schweinsteigers Körper hat viele Wunden davongetragen, was durchaus für ein Karriereende spricht. Da wäre sein mehrfach operiertes rechtes Sprunggelenk zu nennen, das bereits in jungen Jahren Probleme machte und behandelt werden musste, in Folge häuften sich Sehnenreizungen wie 2014, als ihn lange eine entzündete Patellasehne außer Kraft setzte. Die Verletzung hatte auch bei Steffi Graf ein Karriereende bewirkt. Das Rätsel der Entzündung in seinem linken Knie im Jahr 2007 wurde letztlich durch eine Borreliose-Diagnose entschlüsselt. In seiner Zeit bei Manchester United waren es Innenbandverletzungen, Hüftprobleme und Muskelverletzungen, die letztlich dafür sorgten, dass er seine Konstanz nie unter Beweis stellen konnte – mit Folge der Ausbootung durch Trainer Jose Mourinho.

Momentan befindet sich Schweinsteiger mit seiner Ehefrau Ana Ivanovic im Urlaub auf Mallorca. Zuletzt war er privat und sportlich (Skifahren in Kitzbühel) viel in Europa unterwegs. Die ehemalige Tennisspielerin Ivanovic hatte im November verkündet, dass sie 2018 Nachwuchs erwartet. Auch das könnte eine Entscheidung für ein Karriereende begünstigen. Allerdings stünde dann wohl ein Umzug nach Europa an.

Die neue Spielzeit der Major League startet im März und obwohl Schweinsteiger seit Monaten nicht mehr auf dem Platz stand, hat Chicago signalisiert, den Vertrag noch einmal verlängern zu wollen. Das erste Jahr war mit 5,4 Millionen Dollar dotiert. Allein die hohen Trikotverkäufe mit Schweinsteigers Namen sind allerdings ein gutes Argument für Chicago, den Spieler zu halten, wenngleich diese Effekte in der zweiten Saison womöglich abebben. Laut „Bild“ ist eine Verlängerung auch Schweinsteigers erste Option. Nach China oder Katar zieht es den achtfachen Deutschen Meister demnach nicht. Auch dass er es Franz Beckenbauer nachmacht und nach dem Amerika-Abenteuer zum HSV oder einem andern Bundesligisten wechselt, erscheint unmöglich. Den Schweinsteiger in seiner Hochform von 2009 bis 2014 werden die Fußballfans nicht mehr erleben. Sein Marktwert ist in drei Jahren von 35 Millionen Euro auf drei Millionen Euro gesunken.

Ein reines Schaulaufen wird sich der enorm ehrgeizige Spieler vor europäischen Fußballaugen nicht antun wollen. Sofern der Körper es zulässt, wäre ein Wechsel nach Italien wohl noch eine Überlegung.

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