Nach Spielabbruch gegen Energie Cottbus : Babelsberg droht der Ausschluss aus der vierten Liga: Keine Strafzahlung zum Fristende

31. Spieltag im Karl-Liebknecht-Stadion in Babelsberg (Brandenburg). Ein Cottbuser Fan wird von Ordnern eingefangen.
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31. Spieltag im Karl-Liebknecht-Stadion in Babelsberg (Brandenburg). Ein Cottbuser Fan wird von Ordnern eingefangen.

Der Regionalligist will ein Urteil des Fußballverbandes nicht akzeptieren. Grund ist der Rassismus von Cottbusser Fans.

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02. Februar 2018, 15:48 Uhr

Babelsberg | Fußball-Regionalligist SV Babelsberg 03 will die Frist des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV) zur Zahlung einer Geldstrafe verstreichen lassen. Dies bestätigte der Verein vor dem Stichtag am heutigen Freitag auf Anfrage. Damit droht den Brandenburgern der Ausschluss vom Spielbetrieb der vierten Liga.

Die Babelsberger waren nach dem Regionalligaspiel gegen den FC Energie Cottbus im vergangenen April durch den NOFV wegen Abbrennens von Pyrotechnik zu einer Zahlung von 7000 Euro verurteilt worden. Cottbus musste wegen unsportlichen Verhaltens in mehreren Fällen 6000 Euro zahlen. Ein zweites Urteil wegen „rechtsradikaler und antisemitischer Verfehlungen“ mit einer Strafzahlung von 5000 Euro wurde nach Berufung von Energie jedoch aufgehoben. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bunds hatte daraufhin Revision eingelegt. Jetzt beschäftigt sich mit dem Fall das DFB-Bundesgericht.

Die Partie stand mehrfach vor dem Abbruch, vermummte Cottbusser waren auf das Spielfeld gestürmt. Fernsehaufnahmen, YouTube-Videos, Fotos und Zeitungsberichte dokumentieren, dass es während der Partie gegen den SV Babelsberg in den Reihen der Fans des FC Energie Cottbus zum Hitlergruß gereckte Arme, Nazi-Parolen, Schmährufe gegen Juden und so genannte Zigeuner gegeben hat. Nur Schiedsrichter und Sicherheitsbeauftragte haben davon offenbar nichts mitbekommen. Vermerke in Berichten: Fehlanzeige.

Was allerdings dokumentiert wurde ist ein Ausruf eines Babelsberger Fans, der etwa ab der 15. Spielminute „Nazischweine raus!“ in Richtung des Cottbusser Anhangs skandierte. Dies ist – neben dem Abbrennen von Pyrotechnik – auch so im Urteil des NOFV festgehalten. Für Babelsberg ein „Skandal-Urteil“. Zumal eine Berufung – anders als im Cottbusser Fall – abgelehnt wurde. Ursächlich dafür war ein Formfehler – laut „Sportbuzzer“ eine fehlende Unterschrift.

Anwalt Nathan Gelbart, der Babelsberg vertritt, sagte dem Deutschlandfunk: „Bei jeder Strafzumessung muss man natürlich auch die Motivation sehen. Tatsache ist, dass die Skandierung 'Nazischweine raus' nur eine Reaktion war auf nachhaltig antisemitische und rassistische Sprüche, die aus dem Fan-Block des Energie Cottbus kam. Das würde ich eher als eine Art moralische Notwehr bezeichnen.“

Beim NOFV zeigt man sich diesbezüglich einsichtig. „Da sind wir auch Manns genug, das klar darzustellen – das hätte man besser rausgelassen. Weil das hat ja nur zu Unklarheiten und Verwirrung geführt und zu dem durchaus nachzuvollziehenden Vorwurf des Vereins, wir hätten genau diese Äußerung bestraft. De facto ist dieses nicht geschehen“, sagte Stephan Oberholz, der zuständige Verbandsrichter, dem Deutschlandfunk.

Bei einem Verstreichen der Zahlungsfrist könnte Babelsberg hart sanktioniert werden. „Wenn alle Rechtsmittel ausgeschöpft sind, dann kann die erste Herrenmannschaft vom Spielbetrieb ausgeschlossen werden“, sagte Michael Flottron vom NOFV. Für weitere Zuschauer-Ausschreitungen im August und September 2017 wurde Babelsberg am Donnerstag zu einer Geldstrafe von 4500 Euro verurteilt, dagegen will der Club nicht vorgehen.

Doch der Verein will nicht klein beigeben. „Wenn wir gezwungen werden, dann werden wir noch mehr Öffentlichkeit herstellen. Wir haben eine kreative Fanszene und viele Unterstützer. Das gibt einen Flächenbrand, das kann ich dem NOFV versprechen“, sagte Archibald Horlitz, der Präsident des Babelsberger Vereins.

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