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Fußball-Europa-League : Augsburg im Freudentaumel, Schalke bleibt ungeschlagen und der BVB patzt

vom

Der FC Augsburg feiert den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Schalke zieht als Gruppenerster in die K.o.-Phase ein. Der BVB verliert und verpasst so den Gruppensieg.

shz.de von
erstellt am 11.Dez.2015 | 08:50 Uhr

Die Augsburger schaffen das „Fußball-Wunder“ von Belgrad. In Griechenland dominieren die Schalker das Spiel. Der BVB macht zum Abschluss der Europa-League-Vorrunde nichts aus seinen Torchancen. Die Spiele der Fußball-Europa-League vom Donnerstag in der Übersicht.

FC Augsburg 3:1 Partizan Belgrad

Ausgelassen tanzten die Augsburger Spieler über den Rasen, auch in der Kabine herrschte Partystimmung. Das grandiose Fußball-Wunder von Belgrad und den sensationellen Einzug ins Sechzehntelfinale der Europa League kostete der FC Augsburg in vollen Zügen aus. „Wenn du in der 90. Minute das Tor machst und dich so belohnst, ist das sehr emotional“, schwärmte Trainer Markus Weinzierl nach dem Wahnsinnsspiel gegen Partizan Belgrad, bei dem Raúl Bobadilla am Donnerstagabend mit dem alles entscheidenden Treffer zum 3:1 (1:1)-Endstand für das Happy End des Bundesligisten sorgte.

„Das ist der größte Erfolg der Vereinsgeschichte“, sagte Weinzierl zur Einordnung. Am letzten Spieltag der Gruppe L verdrängten die Schwaben doch noch den punktgleichen serbischen Meister von Platz zwei. Das Abenteuer Europa geht für die Debütanten damit weiter. „Das war eine sensationelle Leistung“, lobte Manager Stefan Reuter. „Wir sind total überwältigt“, berichtete Kapitän Paul Verhaegh stolz.

Mit großer Freude richtet sich der Blick nun auf den Montag (13.00 Uhr), wenn die erste K.o.-Runde ausgelost wird. „Man kann es noch gar nicht abschätzen, mit welchen Namen wir jetzt im Lostopf sind als kleiner FC Augsburg“, sagte Weinzierl, der das Team in den vergangenen Wochen in die Erfolgsspur zurückgebracht hat. Manchester United, FC Liverpool oder FC Porto lauten die möglichen Gegner der ungesetzten Augsburger. „Wir hoffen jetzt auf ein Hammerlos“, sagte Weinzierl.

In einer dramatischen Partie hatten der eingewechselte Abwehrspieler Jeong-Ho Hong (45.+2 Minuten) und Verhaegh (51.) vor rund 25 000 Zuschauern im Partizan-Stadion den frühen 0:1-Rückstand durch Abubakar Oumaru (11.) für den grandios kämpfenden FCA gedreht. Nach der Gelb-Roten Karte für Andrija Zivkovic (81.) wurde Bobadilla kurz vor dem Ende zum größten Helden. „Das war einfach geil. Geiles Spiel, geile Leistung, geile Sensation“, jubelte der Matchwinner.

FC Schalke 04 4:0 Asterias Tripolis

Die Zufriedenheit war allen Beteiligten in Königsblau anzumerken. Mit dem 4:0 (2:0) bei Asterias Tripolis in Griechenland erledigte der FC Schalke 04 zum Abschluss der Vorrunde in der Fußball-Europa League souverän seine Pflicht. „Wir haben die Aufgabe sehr professionell gelöst und dem Gegner nahezu keine Chance gelassen“, lobte Trainer André Breitenreiter am Donnerstagabend.

Breitenreiter hatte seine Mannschaft im Vergleich zum Bundesliga-Sieg gegen Hannover 96 erheblich umgestellt. Dem Spiel der Gelsenkirchener gegen die - wenn auch zweitklassigen - Griechen war dies kaum anzumerken. „Man hat in Tripoli einmal mehr gesehen, dass wir eine sehr ausgeglichene Mannschaft haben. Wir haben sechs personelle Veränderungen vorgenommen, aber die Qualität hat nicht abgenommen“, stellte Breitenreiter zufrieden fest. Dennoch soll in der Winterpause noch einmal nachgelegt werden.

Zu denen, die Breitenreiter neu in die Mannschaft beförderte, zählte Sidney Sam. Der 27 Jahre alte Offensivspieler, der auch schon zum DFB-Kader von Bundestrainer Joachim Löw, stand erstmals seit Anfang Februar wieder in der Startelf. Gerade einmal zehn Pflichtminuten hatte er in dieser Saison spielen dürfen. Nachhaltig empfehlen konnte sich Sam nicht.

Breitenreiter warb um Verständnis: „Er hat seine Aufgabe ordentlich gemacht und sich gut ins Spiel eingefügt. Natürlich hat Sidney noch Luft nach oben, aber das ist ganz normal, wenn man so lange gefehlt hat.“ Ob Sam eine königsblaue Zukunft hat, ist dennoch fraglich.

Eric Maxim Choupo-Moting war nicht nur wegen seines Doppelpacks der herausragende Spieler in der Mini-Arena von Tripolis. Wenn Schalke gefährlich wurde, dann war er zumeist beteiligt. Nach einer langen Durststrecke hat er seine Form scheinbar wieder gefunden. „Jedes Tor tut gut. Darüber freue ich mich natürlich“, meinte er im TV-Sender Sport1. „Aber noch mehr freue ich mich über den Sieg.“

Für den sorgte der israelische Schiedsrichter Liran Liany - vor dem Anpfiff. Er beanstandete die Manschette an der rechten Hand von Benedikt Höwedes. Dabei hatte der Schalker Kapitän und Weltmeister den Schutz nach einem Bruch schon in mehreren Bundesligaspielen und auch in der Europa League getragen. Höwedes spielte dann doch - ohne Manschette.

Als einzige der sieben deutschen Mannschaften in der Champions und der Europa League sind die Schalker in dieser Saison noch ungeschlagen. Mit vier Siegen und zwei Unentschieden gegen den Gruppenzweiten Sparta Prag zog der Bundesliga-Sechste in die K.o.-Phase ein. „Wir sind sehr glücklich und auch stolz“, sagte Breitenreiter.

Durch den Gruppensieg können die Königsblauen den hochkarätigen Teams in der K.o.-Runde erst einmal aus dem Weg gehen.„Im Lostopf sind sehr attraktive Gegner. Einen besonderen Wunsch für die Runde der letzten 32 habe ich nicht“, sagte Breitenreiter mit Blick auf die Auslosung am Montag. „Mir ist wichtig, dass wir zunächst auswärts spielen und im Rückspiel dann vor unseren Fans in der Arena auflaufen.“ Das steht bereits fest.

Der Sieg gegen Hannover 96 und nun der überzeugende Auftritt in Griechenland sorgt für neues Selbstvertrauen - rechtzeitig vor dem Bundesliga-Hinrunden-Schlussspurt. Mit zwei weiteren Erfolgen in Augsburg am Sonntag und gegen 1899 Hoffenheim eine Woche später können die Schalker wieder nahe an die Champions-League-Plätze heranrücken. „In der Bundesliga wollen wir Dritter werden“, formulierte Choupo-Moting bei Sport1 als Saisonziel.

Borussia Dortmund 0:1 PAOK Saloniki

Große Überlegenheit, aber keine Tore - Borussia Dortmund hat die Gruppenphase der Europa League ohne Happy End abgeschlossen. Nach dem enttäuschenden 0:1 (0:1) am Donnerstag gegen die Mauerkünstler von PAOK Saloniki droht den Westfalen nun ein starker Gegner in der ersten K.o.-Runde, die am Montag ausgelost wird. Der angepeilte Sieg in der Vorrundengruppe C wäre aber selbst im Falle eines Dreiers unerreichbar geblieben, da Schlusslicht Qäbälä gegen Tabellenführer FK Krasnodar eine Überraschung verpasste.

Der Ex-Nürnberger Robert Mak (33. Minute) erzielte vor 55.000 Zuschauern beim als Hochrisikospiel eingestuften Duell das entscheidende Tor für den Außenseiter. „Die Leistung hat ehrlich gesagt nicht gereicht. Wir sind nicht auf unser Topniveau gekommen und haben nicht die Lösung gefunden“, kritisierte Dortmunds Verteidiger Neven Subotic, der an seinem 27. Geburtstag ebenso glücklos blieb.

Rein sportlich missriet der Gruppenphasen-Abschluss für den BVB also, zumindest auf den Rängen und vor dem Stadion blieb es bis zum Abpfiff aber weitgehend ruhig. Nachdem Dortmunder Anhänger beim Hinspiel in Griechenland eine Spielunterbrechung provoziert hatten, stand die Partie nun im besonderen Blickpunkt der Sicherheitsbehörden. Noch am Vormittag hatte die Polizei in einem Bus mit Fans aus Griechenland unter anderem ein Messer, Pyrotechnik und Betäubungsmittel gefunden.

Die Dortmunder waren zwar 90 Minuten lang drückend überlegen und erspielten sich viele Chancen - ein Tor gelang aber nicht. Obendrein fehlten Kreativität und Ideen, um den ausrechenbar agierenden Gegner in spielerischer Hinsicht mal in ernsthafte Schwierigkeiten zu bringen. Die Griechen standen tief und setzten offensiv ausschließlich auf schnelle Gegenstöße - das reichte.

Mit Pflichtspiel-Debütant Pascal Stenzel in der Startelf lief's von Anfang an nicht rund. Viele Ballverluste, drei Torchancen und zwei Pfostenschüsse - das war die Bilanz des BVB-Angriffs in Halbzeit eins. Shinji Kagawa (10.) und der zur Pause ausgewechselte Marco Reus (41.) trafen jeweils Aluminium, Matthias Ginter (23.) zielte etwas zu hoch. PAOK dagegen nutzte gleich seine erste Gelegenheit: Dimitris Konstantinidis schickte Mak aus dem Halbfeld auf die Reise - der flinke Stürmer umkurvte Torwart Roman Weidenfeller und schob ein.

Grund genug für BVB-Coach Thomas Tuchel, zu reagieren. Neben Henrich Mchitarjan, der ebenso wie Pierre-Emerick Aubameyang zunächst geschont wurde, kaum zur Pause auch der aufstrebende Youngster Julian Weigl. Dafür gingen in den Nationalspielern Reus und Sven Bender allerdings zwei andere Leistungsträger vom Platz - ein Indiz für die geringe Bedeutung der Partie aus Dortmunder Sicht. Drei Tage vor dem Liga-Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt wollte Tuchel vielen seiner Stars keine 90 Minuten Einsatzzeit zumuten. Schonung ging vor.

Die Dortmunder erhöhten zunehmend den Druck, kamen zu besseren Chancen, wechselten auch noch Aubameyang ein - Tore gab's aber weiter keine. Mchitarjan (47./60.) und Kagawa (52.) verpassten, Aubameyang (76.) traf den Pfosten. Spielerisch blieb's bis zum Ende zäh.

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