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Tod von Udo Lattek und Junior Malanda : Applaus statt Schweigen: Neue Trauerkultur im Fußball

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Es waren bewegende Momente: Statt mit Schweigen erwiesen Fans mit Applaus ihren Idolen die letzte Ehre.

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erstellt am 05.Feb.2015 | 17:37 Uhr

Wenn ein Mensch stirbt, weinen Familie und Freunde. Wenn ein Fußballer stirbt, trauern ganze Stadien. Nie war es an Spieltagen so ruhig wie bei Schweigeminuten. Doch das scheint sich zu ändern.

Zum Start der Rückrunde muss die Fußball-Bundesliga gleich zwei Trauerfälle verkraften. Der Mittelfeldspieler des VfL Wolfsburg Junior Malanda starb auf dem Weg ins Trainingslager bei einem Autounfall, am Mittwochabend wurde der Tod von Trainer-Legende Udo Lattek bekannt. Doch beim Gedenken an die beiden wurde es laut. Ehrenminute statt Schweigeminute - das könnte sich zu einem Trend im Sport entwickeln.

Angefangen hat es mit der Ankündigung von Wolfsburgs Manager Klaus Allofs. Er erklärte vor dem Spiel gegen den FC Bayern: „Wir haben uns viele Gedanken gemacht und mit den Fans ausführlich gesprochen. Gemeinsam ist man dann zur Entscheidung gekommen, nicht eine Minute ruhig zu sein. Es soll an den Stil der Trauerfeier in Belgien angeknüpft werden: Es wird eine Minute geklatscht“, so Allofs.

Das war das Ergebnis:

Bei der Partie Dortmund gegen Augsburg am Mittwochabend gab es ebenfalls eine Gedenkminute, nachdem kurz vor dem Spiel der Tod von Udo Lattek bekannt geworden war. Auch dabei verzichteten die Fans auf Stille. Nach einer kurzen Rede des Stadionsprechers (ab Minute 7:20) wurde erneut geklatscht. Anschließend ging der Applaus in Gesang über. Die Fans stimmten „You' ll never walk alone“ an.

Auch vor dem Spiel des 1. FC Köln gegen den VfB Stuttgart verabschiedeten die Spieler und rund 47.000 Fans Lattek sowie die Ex-FC-Akteure Fritz Pott und Gerhard Ihns und den früheren Vereinspräsidenten Albert Caspers, die ebenfalls kürzlich verstorben waren, mit anhaltendem Applaus.

In anderen Ländern ist das Klatschen schon länger üblich. In Italien wird zunächst kurz geschwiegen und dann in die Ruhe hereingeklatscht. Von dort schwappte der Brauch nach England. 2005 erhielt der nordirische und langjährige Manchester-United-Spieler George Best 2005 eine Klatsch- statt Schweigeminute im Old-Trafford-Stadion.

Ist der Applaus ein angemessenes Zeichen der Trauer? Nicht immer. Ungeeignet ist er für klassische Momente der Trauer und Einkehr, wie vor Kurzem nach den Terroranschlägen von Paris. Für Sportler eignet sie sich allerdings. Ihnen wird nach verbreiteter Ansicht durch eine Klatschminute die letzte Ehre zu erwiesen. Für einen Sportler ist ein applaudierendes Stadion die größte Anerkennung, die es gibt.

Ein weiterer Vorteil: Querulanten werden nicht gehört. Immer wieder wurden Schweigeminuten von einzelnen gestört - beispielsweise bei der Schweigeminute für den Kult-Masseuer des Hamburger Sportvereins, Hermann Rieger. Während fast alle der 57.000 Fußball-Fans im Stadion still an Rieger dachten, schallte es aus Richtung des Dortmunder Fanblocks: „Sieg Heil!“ 

Der Störenfried wurde von Ordnungskräften entlarvt und des Stadions verwiesen. Dortmund reagierte, belegte den Rechtsradikalen mit einem Stadionverbot bis 2020.

Applaus statt Schweigen: Was halten Sie von dieser Art der Trauer?

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