Vor dem WM-Start : Analyse: Das ist die Achillesferse der Nationalmannschaft

<p>Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gilt als großer Titelfavorit, hat aber auch eine Schwäche. </p>

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gilt als großer Titelfavorit, hat aber auch eine Schwäche.

Neben den vielen Stärken des Löw-Ensembles offenbarte sich zuletzt auch eine Schwäche – kann diese der DFB-Elf in Russland zum Verhängnis werden?

shz.de von
05. Juni 2018, 12:14 Uhr

Hamburg | Gut eine Woche vor dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland gehört Deutschland unbestritten zum engen Kreis der Favoriten auf den Titelgewinn. Daran kann auch der teils ernüchternde Auftritt im Testspiel gegen den Nachbarn aus Österreich nichts ändern. Allerdings offenbarte das Team von DFB-Coach Joachim Löw dabei abermals seine Achillesferse: Die Rückwärtsbewegung der Außenverteidiger

Philipp Lahms schweres Erbe

Zwar steht dort mit dem Bayern-Youngster Joshua Kimmich einer der besten Rechtsverteidiger der Welt auf dem Platz, das Prädikat "Welklasse" hat der 23-Jährige aber lediglich für seine Vorwärtsbewegung verdient. In der Defensivarbeit besitzt Kimmich noch großes Entwicklungspotenzial.

Dabei bringen ihn nicht nur seine ständigen Ausflüge in die gegnerische Hälfte, die eine Waffe im Offensivspiel Deutschlands sind und definitiv beibehalten werden müssen – in brenzlige Kontersituationen, sondern auch sein oftmals mangelhaftes Stellungsspiel. Hier wiegt das Lahm-Erbe noch am schwersten. 

Auch beim Attackieren des Gegners im Gefahrenbereich ist der Rechtsverteidiger im Allgemeinen zu zögerlich. Insbesondere Flanken, die selbst zu seinen größten Stärken zählen, bekommt Kimmich zu selten verteidigt. Das fiel zuletzt nicht nur bei der Nationalmannschaft auf, sondern beispielsweise auch im Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid, als Marcelo beinahe ungehindert Benzema zum 1:1 "finden durfte".

Sein Pendant auf der linken Seite Jonas Hector hat ähnliche Probleme im Stellungsspiel und profitierte in der Vergangenheit dabei oft vom guten Auge seiner aufmerksamen Innenverteidiger Mats Hummels sowie Jérôme Boateng. Die Baustelle bleibt aber bestehen. 

Noch dazu kann Hector in Puncto Dynamik und Schnelligkeit nicht mit den besten Außenstürmern der Welt mithalten, vielleicht nicht mal mit denen aus der zweiten Reihe wie dem Shootingstar Mexikos Hirving Lozano, mit dem er oder Kimmich es beim WM-Auftakt zu tun bekommen werden. 

Dreierkette als Alternative?

Auch dem Bundestrainer dürfte diese Schwäche nicht verborgen geblieben sein. Eine Alternative ist die Dreierkette, die durch einen weiteren Innenverteidiger – wahrscheinlich Niklas Süle – für mehr Stabilität in der Rückwärtsbewegung sorgt. Jedoch müsste Löw dafür einen Offensivspieler opfern. 

Sollte er bei seinem favorisiertem 4-2-3-1 System bleiben wollen, müssen die Vordermänner der beiden Außenverteidiger – wohl Julian Draxler und Thomas Müller – Augen im Hinterkopf haben und verstärkt mit nach hinten arbeiten. Sonst könnte die WM früher vorbei sein, als es den Verantwortlichen sowie dem Rest der Nation lieb ist. 

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