Bundesliga-Kolumne : Abstiegskampf: Der HSV und vier andere kicken um die Existenz

Aufhol-Jagd, Millionen-Club, Kloster-Pforte – Jürgen Muhls Rückblick auf den 31. Spieltag.

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04. Mai 2015, 07:02 Uhr

Auf Punktejagd: Was für ein den Puls in die Höhe treibendes Abstiegsdrama. Paderborn gewinnt in Freiburg. Die schon abgeschriebenen Ostwestfalen melden sich zurück in einem Fünfer-Existenzkampf. Hannover holt mit einem Tor des Jahres – in Niedersachsen mag es auch das Tor des Jahrhunderts gewesen sein –, das Abwehrstratege Sane per artistischem Fallrückzieher erzielte, beim Nachbarn in Wolfsburg einen Punkt. Stuttgart verliert unglücklich auf Schalke – zum Wohle des Hamburger SV.

Der zeigt sich unter Bruno Labbadia tatsächlich gefestigter, wie gestern beim Auswärtssieg in Mainz zu sehen war. Es war ein HSV, der mit Stabilität und hohem Einsatz beeindruckte. Drei ganz wichtige Punkte auf dem Konto. Eine gelungene Aufholjagd.

Am Freitag im Volkspark ein Sieg gegen Freiburg, und in Hamburg kann die neue Saison geplant werden. Mit Träumen und Spekulationen. Träume vom großen Fußball in der Champions League. Und Spekulationen über neue Geldgeber. Nachdem ein Agrar-Spediteur aus Niedersachsen mit vier Millionen Euro eingestiegen ist und medial auf dem Hamburger Boulevard gefeiert wurde, soll es weitere mittelgroße Hilfs-Geldgeber an der Seite von Milliardär Klaus-Michael Kühne geben. Die vier Millionen machen offenbar mittelständischen Unternehmern Appetit, mit einer Summe zu glänzen, die beim FC Bayern in der Portokasse gelandet wäre.

Der HSV auf dem Weg der Besserung, auch der FC St. Pauli sieht wieder Land in der 2. Liga, in der in der kommenden Saison auch Holstein Kiel eine Rolle spielen könnte. Im Bereich der länderübergreifenden A7-Baustelle rollt der Ball besser als der Verkehr.

Geldmaschine Bayern: Das Aus im Pokal gegen Borussia Dortmund, eine Niederlage mit der B-Mannschaft in Leverkusen. Beim FC Bayern sind die Nerven angespannt. Daran ändert auch die gespielte gute Laune von Matthias Sammer, der den Meistertitel plötzlich als das Maß aller Dinge verkauft, nichts. Der Rekordmeister wollte das Triple, also neben der Meisterschaft den Pokalsieg und den Triumph in der „Königsklasse“. Guardiola, der sein wahres Gesicht nach dem Pokal-Desaster zeigte und mit Gott und der Welt nicht im Reinen ist, benötigt den Sieg in der Champions League, um weiter in Ruhe arbeiten zu können.

Allein 15 Millionen Euro kassiert der Gewinner in diesem Wettbewerb. Das sind fünf Millionen Euro mehr als bisher. Gerade hat Adidas seine jährliche Zahlung an die Bayern auf rund 50 Millionen Euro pro Saison erhöht. Für die Fußball-Jugend werden die Schuhe wohl teurer. Auch Audi und Telekom signalisieren höhere Zahlungen an den Club, der sich vor Millionen gar nicht mehr retten kann.

Heilstätte: Schalke 04 ging in der vergangenen Woche in Klausur und bezog ein Trainingslager im noblen Hotel Klosterpforte in Harsewinkel vor den Toren Bielefelds. Morgen zieht Hannover 96 ins Vier-Sterne-Haus mit seinen eigenen zwei Top-Fußballplätzen. Die Fußball-Herberge hat schon viele große Clubs zu Gast gehabt. Von Nonnen und Mönchen ist hier nichts zu sehen. Auch der HSV hatte bereits für die Sommerpause gebucht, jetzt aber storniert. Hilfe von oben braucht der HSV offenbar nicht mehr.

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