Abstieg als logische Folge der Chaos-Saison

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02. Juli 2012, 08:05 Uhr

Spätestens an Ostern stand fest, dass Breitenfelde nach einem Kurzauftritt in der SH-Liga wieder absteigen muss. Das hatten die vielen Fußballfachleute und -kenner schon vor der Saison prognostiziert. Insgesamt kann diese Saison als große Blamage bezeichnet werden. Dabei war die Euphorie nach dem Aufstieg noch riesengroß, aber schnell stellte sich Ernüchterung ein. Der damalige "Alleinverantwortliche" Alfred "Freddy" Albrecht musste schnell eingestehen, dass der Unterschied zwischen Verbandsliga und Schleswig-Holstein-Liga doch ernorm ist.

Diesen Unterschied hat er offensichtlich nicht genau genug berücksichtigt. Der erste große Fehler wurde bereits bei der Auswahl des neuen Trainers gemacht. Dirk Eisenberg ersetzte Meistertrainer Sebastian Siemers, der aus beruflichen Gründen aufhörte. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass Eisenberg nicht über die nötige Erfahrung in der SH-Liga verfügt. Schon bald wurde aus allen Ecken und Hecken gegen diesen neuen Trainer geschossen. Ob es die Trainingsmethoden und die taktische Ausrichtung war, es wurde öffentlich gemeckert. Dabei war die neu trainierte Viererkette Hauptkritikpunkt.

Von Anfang an blieben die Erfolge aus. Ein glücklicher Sieg gegen Eider Büdelsdorf (2:1) stand auf der Habenseite. Nach und nach stellte sich dann auch die Mannschaft gegen den Coach. Entnervt gab Eisenberg nach zweimonatiger Arbeit Ende August auf. Aber auch Nachfolger Axel Noruschat hatte wenig Glück. Er setzte das Spielsystem mit der neuen Viererabwehrkette durch, der Erfolg stellte sich damit aber nicht ein. Noruschat griff konsequent durch und suspendierte mit Janne Zunker, Abu Khartey und Jens Banthin drei ehemalige Leistungsträger. Und das nahmen die Fans dem Trainer sehr übel.

Hinzu kamen Personalnöte, da auch noch andere Spieler verletzt waren oder aus verschiedenen anderen Gründen (z.B. Nichtzahlen von verhandelten Spielergehältern) nicht zum Training oder zum Spiel erschienen. So musste die Begegnung gegen den FC Sylt wegen Personalmangels abgesagt werden. Ein Unding für diese Liga, denn es existierte eine zweite Mannschaft.

Trotzdem glaubten einige Optimisten, dass es aufwärts gehen würde. Denn es stellten sich erste sportliche Erfolge ein. War der Sieg gegen den TSV Kropp (1:0) noch sehr glücklich, konnte die Mannschaft im Auswärtsmatch gegen Husum beim 4:2-Sieg überzeugen. Auch die Leistungen beim Erfolg gegen Mitaufsteiger Schackendorf und das Remis im Rückspiel gegen Büdelsdorf (2:2) machten Hoffnung.

Wirklich Ruhe kehrte aber nie ein. In der Begegnung gegen den Heider SV mussten aus Personalmangel drei Torhüter (einer im Tor, zwei im Feld) auflaufen. Auf der anderen Seite musste im Spiel gegen Meister VfR Neumünster nach dem Feldverweis von Nils Bahr mit Timo Biallas ein Feldspieler zwischen die Pfosten.

In der Winterpause sollte "groß eingekauft werden". Aber auch das funktionierte nicht. Mit Fynn Berndt gab es für das Tor einen Neuzugang. Sonst wollte keiner zu den Blau-Weißen. Dagegen setzte es sieben weitere Abgänge. So versuchte Albrecht, vier Mazedonier zu bekommen. Sie waren ihm angeboten wurden und machten nicht den schlechtesten Eindruck. Aber die Formalitäten waren den Verantwortlichen scheinbar zu anstrengend, denn bald war dieses Thema auch schon wieder von der Tagesordnung gestrichen. Das Ende dieses Debakels waren die Rücktritte von Trainer Noruschat und Obmann Albrecht.

Plötzlich stand die Mannschaft ohne Verantwortliche da. Sebastian Siemers übernahm wieder und prompt kam Ruhe in den Verein. Er musste jedoch einen weiteren Abgang verzeichnen. Der ligaerfahrene Sebastian Grzegorczyn ließ sich nicht mehr blicken. Siemers versuchte einige Spieler wieder zu motivieren und setzte auf A-Jugendliche. Der Einstand verlief verheißungsvoll. Überraschende Erfolge gegen NTSV Strand 08 (3:2), FC Sylt (2:1) und VfB Lübeck II (3:3) ließen wieder etwas Hoffnung auf den Klassenerhalt aufkommen. Aber in den entscheidenden Begegnungen gegen Henstedt-Ulzburg (0:3), Husumer SV (2:3) und Heider SV (1:4) wurden wichtige Punkte liegen gelassen. Hier stellte sich endgültig heraus, dass die Mischung in der Mannschaft nicht stimmte. Hinter einer talentierten "Wackelabwehr" (Mike Ehlers, Niklas Witt, Marvin Oden) machte auch der gute Keeper Berndt den einen oder anderen Patzer. Im Mittelfeld brachte nur Interimstrainer Siemers Ligareife mit. Bei allen anderen war man von der Tagesform abhängig. Überraschend, dass bei dieser insgesamt schwachen Mannschaftsleistung Daniel "Kruste" Kruse um die Torjägerkanone der Liga mitschoss. Am Ende langte es mit 22 Treffern zum zweiten Platz. Das half dem Verein aber auch nicht mehr, die Blau-Weißen vom Uhlenbusch gingen sang- und klanglos unter und stiegen nach einem Jahr mit wenigen positiven Aspekten wieder ab.

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