Live-Pressekonferenz : Löw erklärt die Ausbootung des Bayern-Trios – Überraschungen im DFB-Aufgebot

Joachim Löw erklärt seine Kader-Nominierung.
Joachim Löw erklärt seine Kader-Nominierung.

Joachim Löw will Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels nicht mehr nominieren – jetzt erklärt er, weshalb.

shz.de von
15. März 2019, 12:59 Uhr

Frankfurt | Die Entscheidung von Joachim Löw, in der Nationalmannschaft zukünftig auf das Weltmeister-Trio in Diensten des FC Bayern Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng verzichten zu wollen, hat heftige Reaktionen in Fußball-Deutschland ausgelöst.

Löws Erklärung

Viele konnten die Entscheidung des Bundestrainers sowie den Zeitpunkt und die Art und Weise nicht nachvollziehen – insbesondere die Betroffenen selbst. Eine eigens dafür anberaumte Pressekonferenz des DFB soll nun Licht ins Dunkle bringen.

Nachdem sich Joachim Löw aufgrund von Verkehrsproblemen um gut 40 Minuten verspätete, erklärte er, dass er sich aufgrund der Leistungen und Ergebnisse im vergangenen Jahr mit seinem Trainerteam viele Gedanken gemacht habe, wie die spielerische Ausrichtung der Nationalmannschaft in der Zukunft aussehen soll. Daraus resultierten die bekannten Entscheidungen. "Für mich war das Allerwichtigste, dass wir die Spieler persönlich in einem Gespräch darüber informieren. Das stand für mich über allem. Die Gefahr, dass etwas durchsickert, ist dabei zu groß", sagt Löw über die Nichtnominierung des Bayern-Trios.

Die neue Spielidee

Die massive Kritik an der Entscheidung sowie an der Art und Weise seines Vorgehens empfindet Löw als ungerechtfertigt. Wenn Menschen, die nicht bei den Gesprächen dabei waren, die Art und Weise dieser Entscheidung bewerten, "finde ich das anmaßend", sagt Löw und führt aus: "Diese Spieler haben Einzigartiges geleistet. Sie sind mir auch menschlich ans Herz gewachsen". Er müsse aber in seiner Funktion als Trainer vor allem die Leistung bewerten und aktuell sehe er in den jungen Spielern mehr Potenzial für die neue Spielidee.

Diese Spielidee solle vor allem von Dynamik und Schnelligkeit leben. Mit der alten Spielanlage sei man zu "ausrechenbar" gewesen. Das müsse man korrigieren: Löw: "Wir müssen uns im kognitiven Bereich besser ausbilden. Dabei geht es vor allem um Handlungsschnelligkeit. Das müssen wir schulen in den U-Bereichen. Zudem muss die individuelle Stärke wieder verbessert werden – sprich Eins-gegen-Eins-Spieler entwicklen. England, Frankreich und Belgien sind uns da weit voraus."

Wer werden die Führungsspieler?

Die Endgültigkeit, mit der Löw die Ausbootung des Weltmeister-Trios formuliert habe, erklärt er mit Fairness gegenüber den verdienten Spielern: "Die Spieler haben eine ehrliche Erklärung verdient und ich möchte nun den jungen Spielern die Möglichkeit geben, sich kontinuierlich zu entwickeln. Wir haben sie nicht aus der Nationalmannschaft verbannt, aber ich habe ihnen gesagt, dass ich die Qualifikation sowie die EM ohne sie plane."

Was das Unverständnis von DFB-Präsident Reinhard Grindel, der zuvor beklagt hatte, nicht über diese Entscheidung informiert worden zu sein, angeht, meint Löw: "Ich treffe meine sportlichen Entscheidungen völlig autark und unabhängig vom DFB-Präsidium."

Die Spieler seien am Ende des Gesprächs, in dem Löw ihnen diese Entscheidung mitgeteilte, sehr enttäuscht gewesen, hätten aber ihre Bereitschaft erklärt, zukünftig weiterhin zur Verfügung zu stehen, sollten sie gebraucht werden.

Jetzt müssen jedoch zunächst andere Spieler in diese vakanten verantwortungsvollen Positionen "reinwachsen", sagt Löw. Das sei aber ein Prozess, den zuvor auch Lahm, Schweinsteiger oder Khedira durchlaufen mussten. "Wir haben Spieler, die in diese Rolle reinwachsen können." Beispielsweise nannte er Joshua Kimmich und Leon Goretzka.

Towartfrage und Neulinge

Zur Torwartfrage sagt der Bundestrainer: Die aktuelle Nummer 1 sei immer noch Manuel Neuer, aber "ter Stegen wird dieses Jahr seine Chance bekommen, er ist auf Weltklasse-Niveau. Auch Manuel Neuer wird sich nächstes Jahr wieder neu beweisen müssen".

In dem Aufgebot für die anstehenden Länderspiele stehen zudem drei Neulinge: Niklas Stark von Hertha BSC Berlin sowie der RB Leipzig-Profi Lukas Klostermann und der Bremer Maxi Eggestein.

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