"Kein perfekter Mensch" : Sammer erklärt: Deshalb rastet Ribéry so häufig aus

Matthias Sammer (l.) arbeitete vier Jahre mit Franck Ribéry.
Matthias Sammer (l.) arbeitete vier Jahre mit Franck Ribéry.

Immer wieder fällt Bayern-Star Ribéry durch Undiszipliniertheiten auf. Sein ehemaliger Vorgesetzter verteidigt ihn.

shz.de von
22. November 2018, 19:33 Uhr

München | Vier Jahre lang war Matthias Sammer Sportvorstand beim FC Bayern. Er kennt den Verein, dessen Strukturen und Funktionäre in- und auswendig. Und er kennt die Spieler, die zu Zeiten von Sammers Tätigkeit an der Säbener Straße zwischen 2012 und 2016 ebenfalls im Verein waren.

Einer von jenen ist Franck Ribéry. Der Franzose spielt bereits seit 2007 bei den Bayern und gehört auf Grund seiner jahrelangen starken Leistungen und seiner Vereinstreue zu den Lieblingen der FCB-Fans. Doch immer wieder benimmt sich der 35-Jährige auf und abseits des Platzes daneben. Zuletzt sorgte er für einen Skandal, als er nach der Bayern-Niederlage in Dortmund einen französischen Journalisten attackierte.

Sammer: "Ribéry hat das Kindliche in sich erhalten"

Jetzt hat Matthias Sammer, der mittlerweile unter anderem als TV-Experte für Eurosport arbeitet, in einem Interview mit dem Sender über "das Phänomen" Ribéry gesprochen und den Linksaußen in Schutz genommen. "Es war für mich eine wunderbare Zeit, ihn diese vier Jahre näher kennenzulernen. Es ist richtig, er ist kein perfekter Mensch, er ist hochemotional, er war immer zu Scherzen, Späßen und kleinen Streichen aufgelegt. Er hat eigentlich das Kindliche in sich erhalten. Das ist etwas Wunderbares", sagte Sammer.

Dass sich Ribéry so oft nicht im Griff habe, obwohl er so ein guter Mensch sei, liege auch in seiner schwierigen Kindheit begründet, behauptet Sammer. "Wir haben uns oft darüber unterhalten, wo er groß geworden ist, was das bedeutet, was das mit ihm gemacht hat." Ribéry war als Kind unschuldiges Opfer eines schweren Verkehrsunfalls geworden und hatte deutlich sichtbare Narben davon getragen, auf Grund derer er von Mitschülern oft gehänselt wurde.

Geprägt von schwerer Kindheit

Als Teenager war er zwar bereits als Fußballer erfolgreich, musste sich dennoch nebenher als Bauarbeiter zusätzliches Geld verdienen, auch um seine Familie zu unterstützen. Hinzu kamen persönliche Schicksalsschläge, wie Sammer erzählt: "Er hat auch gute Freunde verloren, da ging es rau auf den Straßen zu. Er ist sehr geprägt von dieser Zeit in Verbindung zu seiner Persönlichkeit."

Sammer, der neben seiner Tätigkeit jetzt auch als Berater für Bayern Münchens Konkurrenten Borussia Dortmund arbeitet, appelliert, Ribérys Verfehlungen nicht zu hoch zu hängen. "Ich möchte eins in aller Deutlichkeit sagen: Er selbst nimmt für sich keine Perfektion in Anspruch. Das ist aber ein Thema, wo er gegenüber dem Journalisten vielleicht ruhig Blut bewahren muss. Er hat Ecken und Kanten, ist nicht perfekt. Er darf das nicht machen, aber wir sollten auch trotz alledem, alles in Gänze nicht so verurteilen."

Obwohl Ribéry immer wieder etwas über die Stränge schlage, sei dieser auch offen für gut gemeinte Ratschläge."Wenn er dich ins Herz geschlossen hat, dann hört er auf dich und folgt dir. Und dann kann man ihn auch entsprechend beeinflussen."

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