Ein Überblick : 1000 Tage bis zum WM-Start 2022 – so ist der aktuelle Stand in Katar

Al-Rayyan-Stadion in Katar - eines von acht Spielstätten während der Fußball-WM 2022 in dem Emirat.
Al-Rayyan-Stadion in Katar - eines von acht Spielstätten während der Fußball-WM 2022 in dem Emirat.

Die Fußball-WM in Katar beginnt in weniger als drei Jahren und wird in vielerlei Hinsicht besonders werden.

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25. Februar 2020, 09:12 Uhr

Doha | Fußballtradition sucht man im Austragungsland der kommenden Weltmeisterschaft 2022 vergeblich. Sportlich wird es für den Gastgeber sehr schwierig, bei dem Turnier in exakt 1000 Tagen überhaupt mitzuhalten. Die Nationalmannschaft des Landes steht in der aktuellen FIFA-Weltrangliste auf Platz 55, an einem Turnier der Größenordnung WM nahm die Nationalmannschaft noch nie teil. Dass der Gastgeber im Finale des Wettbewerbs stehen wird, ist also eher unwahrscheinlich – aber wie ist das Land zum jetzigen Zeitpunkt auf die WM vorbereitet? Wir geben einen Überblick:

Fußball-WM kurz vor Weihnachten

Im November 2022 wird alles anders sein. Zum ersten Mal in der Fußball-Geschichte findet eine Weltmeisterschaft im europäischen Winter statt (21. November bis 18. Dezember). Grund dafür sind die extrem hohen Temperaturen in Katar während der Sommermonate. Auf der Halbinsel sind dann Temperaturen über 40 Grad keine Seltenheit. Deshalb entschloss die FIFA das Turnier erstmalig in den Winter zu verlegen. Gastgeber der WM 2022 ist Katar, das Land liegt auf der arabischen Halbinsel. Das Emirat hat nur rund 2,7 Millionen Einwohner. Katar hat das höchste Pro-Kopf-Einkommen der Welt. Der Staat hat wegen seiner großen Gas- und Ölvorkommen großen Reichtum erlangt.

Schleswig-Holstein: 15.800 km2, Katar: 11.600 km2

Katar liegt auf einer Halbinsel am Persischen Golf, angrenzend an Saudi-Arabien. Die größte Längenausdehung von Norden nach Süden beträgt rund 160 Kilometer, größte Breite zirka 80 Kilometer. Insgesamt ist Katar 11.600 km2 groß. Das Staatsgebiet ist damit sogar kleiner als das deutsche Bundesland Schleswig-Holstein.

Grafik: Anna Behrend
Anna Behrend
Grafik: Anna Behrend


Wo wird gespielt?

Für die WM hat sich Katar nicht lumpen lassen und sechs der acht Stadien komplett neu und mit der neuesten Technologie ausgestattet aus dem Boden gestampft. Teilweise werden die Stadien sogar eine Klimaanlage enthalten. Die Zuschauer im Stadion werden bei den trotzdem noch hohen Temperaturen im Gegensatz zu den Spielern also nicht ins Schwitzen kommen.


Falls Sie hier keine Karte der WM-Stadien in Katar sehen, klicken Sie bitte hier.

Khalifa International Stadion:

Das Khalifa International Stadium. Foto: Michael Kappeler/dpa
Michael Kappeler/dpa
Das Khalifa International Stadium. Foto: Michael Kappeler/dpa


Das Khalifa International Stadion war die erste der acht Spielstätten, die schon komplett fertig ist. Es wurde bereits im Mai 2017 offiziell eröffnet und wird bei der WM ein Fassungsvermögen von 48.000 Zuschauern haben. Im vergangenen Oktober fand in dem Stadion die Leichtathletik-Weltmeisterschaft statt.

Doha Port Stadium (oder Ras-Abu-Aboud-Stadion):


Das Doha Port Stadion fasst 40.000 Zuschauer und besticht durch sein ungewöhnliches Design. Es beinhaltet Transportcontainer, herausnehmbare Sitze und andere modulare „Bausteine“ und bietet nicht nur ein bemerkenswertes Design, sondern wird nach der WM vollständig demontiert und wiederverwendet. Die Einzelteile werden in anderen sportlichen oder nicht-sportlichen Projekten eingesetzt.

Al-Bayt-Stadion:


Auch dieses Stadion im Norden der Hauptstadt besticht durch das ungewöhnliche Design, das aussieht wie ein riesiges katarisches Zelt. Das Stadion fasst 60.000 Zuschauer und richtet unter anderem auch ein Halbfinalspiel aus. Das Stadion ist noch im Bau, soll aber voraussichtlich in diesem Jahr noch fertiggestellt werden.

Education City Stadion (ehemals Katar Foundation Stadion):


Im Dezember 2019 war im Rahmen der FIFA-Club-Weltmeisterschaft die Eröffnung geplant. Bei dem Turnier war das zweite Halbfinale mit dem Champions-League-Sieger FC Liverpool, das Spiel um Platz 3 und das Endspiel im Stadion vorgesehen. Anfang Dezember mussten die Spiele der Klub-WM im Education City Stadium gestrichen werden, da das Stadion nicht rechtzeitig einsatzbereit sein wird. Nach seiner geplanten Fertigstellung 2020 wird das Stadion bis zu 40.000 Fans pro Spiel begrüßen und Partien bis ins Viertelfinale ausrichten. Die Kapazität wird nach der WM auf 20.000 reduziert, wenn es zu einem Sportzentrum für die Gemeinschaft der Katar Foundation wird und viele Sitze für Länder gespendet werden, die keine sportliche Infrastruktur haben.

Al Thumama Stadion:


Das Al-Thumama-Stadion fasst 40.000 Zuschauer. Hier finden Gruppenspiele und auch ein Viertelfinalspiel statt.

Lusail Stadion:


Das Lusail Stadion mischt traditionelle und moderne islamische Architektur. Das Äußere des Stadions ist mit Formen des arabischen Erbes bedeckt, die so gestaltet sind, dass möglichst viel Sonnenlicht in den Veranstaltungsort fällt. In diesem Stadion, das 80.000 Zuschauer fasst, findet sowohl das Eröffnungsspiel als auch das Finale statt.

Al-Wakrah Stadion:


Das Al Wakrah Stadion fasst 40.000 Zuschauer und wird nach dem Turnier auf 20.000 zurückgebaut. Die mutig futuristische Form der Arena, die Spiele bis zum Viertelfinale ausrichten wird, soll an die traditionellen Dhowboote erinnern.

Al Rayyan Stadion:


In dieser neuen Arena werden bis zu 40.000 Fans Spiele bis ins Viertelfinale anschauen können. Auch dieses Stadion wird nach dem Turnier auf eine Kapazität von 20.000 Zuschauern zurückgebaut.

Wann wird gespielt?

Wegen der sommerlichen Hitze vom 21. November bis am 18. Dezember 2022. Das Finale wird am Nationalfeiertag Katars ausgetragen, hierzulande wird an jenem Sonntag der 4. Advent gefeiert. Mit einer Turnierdauer von 28 Tagen wird es die kürzeste WM seit 1978.

Die Anstoßzeiten an Spieltagen der Vorrunde, an denen insgesamt vier Begegnungen anstehen, werden um 11.00, 14.00, 17.00 und 20.00 Uhr deutscher Zeit sein. Für den Fußball-Fan in Europa bedeutet immerhin ein Thema keine große Umstellung: die Zeitverschiebung. Katar (+3) ist Deutschland im Winter (+1) bei der Uhrzeit um zwei Stunden voraus.


Wie sicher ist Katar?

Politisch ist das Land sehr stabil, auch Terror gibt es in dem Emirat nicht. Generell ist die Kriminalitätsrate gering. Einwohner berichten sogar, dass sie ihre Haustüren oder Autos gar nicht abschließen. Allerdings hat das Land keinerlei Erfahrungen mit ausländischen Hooligans. Die Organisatoren arbeiten derzeit mit französischen und britischen Experten zusammen an einem Sicherheitskonzept.

Brauchen deutsche Fans ein Visum?

Katar hat im vergangenen Jahr seine Einreisebestimmungen gelockert. Es ist in dieser Hinsicht eines der liberalsten Länder der Region. Deutsche bekommen ihr Visum direkt am Flughafen bei der Einreise.

Wie heiß ist es im November und Dezember?

Im Sommer können die Temperaturen in dem Wüstenemirat auf bis zu 50 Grad steigen - deswegen wurde die WM in den Winter verlegt. Die Temperaturen liegen im November und Dezember tagsüber zwischen 25 und 30 Grad. Sämtliche Stadien können mit neuer Technik selbst bei größter Hitze auf angenehme Temperaturen heruntergekühlt werden. Das wird bei der WM aber oft nicht nötig sein. Im Winter kann es jedoch heftig regnen - dann stehen die Straßen schnell unter Wasser.

Wird es wie bei früheren Turnieren Fanmeilen geben?

Das ist fest geplant. Ein genaues Konzept wird nach den Erfahrungen mit der WM in Russland gerade ausgearbeitet.

Dürfen Fans in Katar Alkohol trinken?

Alkohol ist erlaubt, wird aber streng reglementiert. Nur Bars in großen Hotels schenken Bier, Wein und andere Getränke aus. Für den Privatgebrauch wird Alkohol nur in einem einzigen Geschäft verkauft, und das in begrenzten Mengen ausschließlich an Ausländer, die eine Berechtigungskarte haben. Einheimische dürfen dort nichts kaufen. Alkohol soll bei der WM nach jetzigen Überlegungen auch in Fanzonen angeboten werden. Unklar ist, ob er in den Stadien erlaubt sein wird. Allerdings ist Alkohol teuer. Ein großes Bier (0,5 Liter) kostet in einer Hotelbar umgerechnet mehr als zehn Euro.

Wo werden die Fans untergebracht?

Die Hauptstadt Doha bietet eine Vielzahl von Fünf-Sterne-Hotels. Zudem werden derzeit weitere preisgünstigere Unterkünfte gebaut. Allerdings wollen die Organisatoren nach eigenen Angaben darauf achten, dass keine Überkapazitäten entstehen, die nach der WM nicht gebraucht werden. Deshalb sollen die Fans auch auf maximal sechs Kreuzfahrtschiffen untergebracht werden. Geplant sind auch Unterkünfte in Beduinenzelten in der Wüste am Stadtrand von Doha.

Das Fort Al-Subara ist das einzige UNESCO-Weltkulturerbe in Katar. Foto: dpa/Kuhlmann
dpa/Jan Kuhlmann
Das Fort Al-Subara ist das einzige UNESCO-Weltkulturerbe in Katar. Foto: dpa/Kuhlmann


Wie ist es um den Transport bestellt?

Die WM wird ein Turnier der kurzen Wege. Am weitesten entfernt liegt das Stadion in der Stadt Al-Chaur - etwa 50 Kilometer nördlich von Doha. In der Hauptstadt entsteht derzeit eine neue Metro mit drei Linien, die im schon in Betrieb gegangen ist. Alle Stadien können mit dem Nahverkehr oder Taxis erreicht werden.

Blick in die neue zentrale U-Bahnstation Al-Muschairib. Mehr als drei Jahre vor Beginn der Fußball-WM hat Gastgeber Katar das erste Teilstück seiner neuen U-Bahn - die Metro Red Line - eröffnet. Foto: picture alliance/dpa/XinHua
picture alliance/dpa/XinHua
Blick in die neue zentrale U-Bahnstation Al-Muschairib. Mehr als drei Jahre vor Beginn der Fußball-WM hat Gastgeber Katar das erste Teilstück seiner neuen U-Bahn - die Metro Red Line - eröffnet. Foto: picture alliance/dpa/XinHua


Wie können sich Frauen in Katar bewegen?

Katarische Frauen tragen traditionell ein Kopftuch und eine Abaja, ein langes, meist schwarzes Überkleid. Manche Frauen gehen auch nur mit verhülltem Gesicht auf die Straße. Anders als im benachbarten Saudi-Arabien gelten solche Kleidungsvorschriften für Ausländerinnen in Katar nicht. Sie können ihre normale Kleidung tragen. Auf der Straße sind Frauen mit kurzen Röcken oder ärmellosen Shirts zu sehen.

Was gibt es für andere Freizeitmöglichkeiten in Katar?

Vor allem Doha bietet einige Attraktionen wie das international renommierte Museum für Islamische Kunst oder den Suk Wakif, den traditionellen Basar, auf dem Stoffe, Gewürze, aber auch Singvögel und Jagdfalken angeboten werden. Beliebt bei Touristen sind Ausflüge in die Wüste, etwa mit einer Auto-Safari zum Chaur al-Udaid, einem Binnenmeer im Süden. Die Katarer wollen in den nächsten Jahren zudem ihre Strände ausbauen. Mit dem Fort Al-Subara (oder auch: Al-Zubarah) besitzt das Emirat auch ein Unesco-Weltkulturerbe.

mit dpa-Material

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