117. Landesderby - Duell auf Augenhöhe

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16. Mai 2011, 09:07 Uhr

Zwei Landesderbys binnen 13 Tagen - das ist Rekord in der gut 78-jährigen Geschichte des Duells um die Vorherrschaft in Schleswig-Holstein. Am kommenden Sonnabend (13.30 Uhr) treffen Holstein Kiel und der VfB Lübeck in der Regionalliga Nord im Holstein-Stadion aufeinander. Knapp zwei Wochen später, am 3. Juni (19.30 Uhr), ist auf der Lübecker Lohmühle dann das Endspiel um den Landespokal angesetzt. So schnell hatten die Landesrivalen noch nie Gelegenheit zur Revanche.

Welches Spiel letztlich das wichtigere ist, bedarf eigentlich keiner besonderen Erwähnung. Während es im Punktspiel quasi "nur um die Ehre" geht, stehen im Pokalspiel 100 000 Euro Garantiesumme durch das Fernsehen und ein sportlicher Höhepunkt in Form eines Gastspiels eines Erst- oder Zweitligisten in der DFB-Pokal-Hauptrunde auf dem Spiel. "Nächste Woche ist das Vorspiel für das große Pokalfinale", weiß Holsteins Trainer Thorsten Gutzeit. "Wir wollen aber dort schon ein Zeichen setzen."

Denn obwohl die Fronten in der Liga längst abgesteckt sind - erstmals nach der Insolvenz schneidet der VfB Lübeck am Saisonende wieder besser ab als die "Störche" -, hat auch diese Partie ihren besonderen Reiz. Schon seit Wochen ist aus beiden Lagern zu hören, dass die Aktiven vor allem auf diese beiden Partien hinfiebern. VfB-Trainer Peter Schubert erklärte die letzten Liga-Auftritte zu "Qualifikationsspielen" für seine Spieler, um zu zeigen, dass sie in Kiel auflaufen wollen. Sein Pendant Thorsten Gutzeit betonte ähnliches: "Es gibt noch zwei Spiele in dieser Saison, auf die alle heiß sind." Die KSV-Akteure haben dabei etwas gutzumachen. Die letzten beiden Duelle gingen an die vor allem mannschaftlich geschlossener und kampfstärker auftretenden Lübecker (2:0 im Pokal in Kiel, 2:0 in der Liga in Lübeck). Tugenden, an denen die Kieler zuletzt erfolgreich feilten. Die Hoffnung, dass eben diese Eigenschaften in der VfB-Mannschaft nachgelassen hätten, dürfen die Landeshauptstädter jedoch nicht hegen. "Wir haben in den letzten Spielen gezeigt, dass uns das nicht beeinflusst hat", betonte Verteidiger Michael Hohnstedt, einer der Akteure, dessen Abschied zum Saisonende feststeht. Folglich wird es ein Duell auf Augenhöhe werden, wie auch die Tabelle der Regionalliga-Rückrunde ausweist. Da stehen der VfB (32 Punkte) und Holstein (31 Zähler) unmittelbar hinter den verbliebenen Aufstiegsanwärtern Wolfsburg II und Chemnitz auf Rang 3 und 4. Auch die jüngere Vergangenheit sagt für Derbys 50:50-Chancen voraus. In den letzten 25 Jahren gewannen beide Vereine je elf Duelle.

Für das Pokalspiel gibt es übrigens ein gutes Omen für die Kieler. Nur zwei der bislang zehn Pokalduelle zwischen beiden Vereinen fanden auf der Lübecker Lohmühle statt - und beide Male behielt Holstein die Oberhand - 1960 mit 1:0 und 1968 gar mit 4:0.

Wie auch in der Vergangenheit treffen auch diesmal wieder Spieler mit Vergangenheit auf der anderen Seite aufeinander. Die Kieler Michael Frech, Steve Müller, Heiko Petersen und Jakob Sachs trugen einst das Trikot des VfB, bei den Lübeckern haben Bastian Henning und Tim Siedschlag eine Holstein-Vergangenheit.

"Klar, das ist ein besonderes Spiel", sagt der erst vor der Saison nach Lübeck gewechselte Siedschlag über den ersten Auftritt in der alten Heimat. "Ich freue mich darauf, viele bekannte Gesichter wiederzusehen, von den Spielern bis zum Hausmeister." Der 23-Jährige, der in Kiel studiert, sich beim VfB aber pudelwohl fühlt und noch bis 2012 unter Vertrag steht, pflegt unabhängig davon aber auch weiter Freundschaften zu Kieler Spielern. "Vor allem mit Marc Heider, Florian Meyer und Benjamin Schüßler treffe ich mich häufiger", sagt er. Auch bei Jakob Sachs, der im Sommer den umgekehrten Weg von Lübeck nach Kiel ging, sind noch nicht alle Drähte zum Ex-Verein abgerissen. Der blonde Flügelmann könnte übrigens in die Derby-Geschichte eingehen. Sachs, der im Vorjahr das entscheidende Tor zum VfB-Pokalsieg in Kiel erzielte, wäre erst der dritte Spieler, der für beide Vereine ein Derby-Tor erzielt hätte. Zuvor gelang das nur "Atze" Bornemann (1957-61 acht Tore für Kiel, 1963 eines für Lübeck) und Daniel Jurgeleit (1994-96 drei Tore für Lübeck, 1999 eines für Kiel).

Derby-Gesamtbilanz: 116 Spiele, 60 Holstein-Siege, 21 Unentschieden, 35 VfB-Siege, 259:173 Tore für Holstein (hinzu kommt ein aus Witterungsgründen in Lübeck beim Stand von 0:1 abgebrochenes Spiel; die bisherige Gesamtbilanz wurde durch bislang unberücksichtigte Freundschaftsspiele geringfügig korrigiert).

Bilanz in Meisterschaftsspielen: 87 Spiele, 43 Holstein-Siege, 17 Unentschieden, 27 VfB-Siege, 195:136 Tore für Holstein.

Bilanz in Pokalspielen: 10 Spiele, 7 Holstein-Siege, 3 VfB-Siege, 16:6 Tore für Holstein.

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