zur Navigation springen

Weltrekordversuch vom FC Hamburger Berg : 111-Stunden-Fußballspiel: Die ersten 36 Stunden sind geschafft

vom

Seit Dienstagabend spielt der FC Hamburger Berg gegen den Vfl Wallhalben, bis Sonntagmittag soll das Spiel noch dauern. Wenn die Fußballer durchhalten, winkt ein Eintrag ins „Guinness Buch der Rekorde“.

Hamburg | Von Dienstagabend um 22.02 Uhr bis Sonntagmittag um 13 Uhr soll das Rekord-Fußballspiel dauern. Wenn die Spieler der Amateurvereine FC Hamburger Berg und VfL Wallhalben aus Rheinland-Pfalz so lange durchhalten, brechen sie den aktuellen Weltrekord von 105 Stunden. Und das Ganze hat einen guten Zweck: Die Erlöse aus der Partie sollen der Hamburger Flüchtlingshilfe gespendet werden.

Sorgen bereitete es den Zuschauern zu Beginn der Partie, dass die Spieler übermotiviert wirkten und sich anscheinend verausgabten. Denn für den Weltrekordversuch herrschen strenge Vorgaben. Die insgesamt 36 Spieler der beiden Mannschaften dürfen laut „Guinness Buch der Rekorde“ das Gelände um das Spielfeld während der gesamten Zeit nicht verlassen. Die 18-Mann starken Teams schlafen in Schichten in Zelten neben dem Kunstrasen der Sportvereinigung Polizei Hamburg. Die Richtlinien verlangen zudem, dass mindestens je sieben Fußballer auf dem Feld spielen. Vier Kameras zeichnen den Versuch zum Beweis zu jeder Zeit auf.

Es ist der zweite Versuch des Hamburger Fußball-Clubs. 2015 verfehlte das Team sein Ziel von 76 Stunden und 24 Minuten. Der schottische Fußballclub „The Craig Gowans Memorial Fund“ hält bislang den Rekord.

Inzwischen sind schon 36 Stunden geschafft und „nur noch“ 75 zu spielen. Der VfL Wallhalben postet immer wieder kurze Updates und Videos, damit auch die Fans in Rheinland-Pfalz beim Rekordversuch dabei sein können.

Zwei Ausfälle gibt es bislang zu beklagen. Ein Spieler des Hamburger Berg kann nicht mehr auftreten, ein Wallhalbener muss das Spiel abbrechen, weil sich die Nachwirkungen eines Leistenbruchs bemerkbar machen. Das berichtet das Hamburger Abendblatt.

Auch der Schiedsrichter wollte eigentlich einen Rekord aufstellen und 24 Stunden lang durchgehend pfeifen. Er musste jedoch nach 18 Stunden aufgeben und ersetzt werden. Die Interessengemeinschaft Schiedrichter möchte den Weltrekordversuch unterstützen und ruft Hamburger Fußball-Schiris auf, dem FC und dem VfL aus der Patsche zu helfen und sich im Schanzenpark zu melden.

Der FC Hamburger Berg ist sich sicher, einen neuen Rekord aufstellen zu können. „Ich weiß, wir werden das Ding hier holen“, sagt FC-Vorstand und Spieler Ralph Hoffmann überzeugt. Das Team, das zur Hälfte aus Flüchtlingen besteht, sei gut vorbereitet. „Wir sind viel gelaufen, um die Kondition zu stärken“, sagt Hoffmann.

Der erste Versuch der Mannschaft sei schwierig gewesen, erzählt Nigerianer Idrissa Chaibou. „Wir waren schnell kaputt und hatten keine Kraft mehr“, sagt der trainierte 26-Jährige. Im Jahr 2015 verfehlte das Team sein Ziel von 76 Stunden um 24 Stunden. „Der Leistungsdrang war einfach zu hoch“, sagt FC-Chef Hoffmann.

Über das Spielfeld der Sportvereinigung Polizei Hamburg weht am Mittwoch eine leichte Brise. In der Luft liegt der Geruch von gerillten Würstchen und von Schweiß. „Come on, Hamburger Berg!“, schallt es enthusiastisch aus der Fankurve, die anfangs eher spärlich besetzt ist. Etwa 35 Fans hatten den Auftakt am Dienstag um 22.02 Uhr angefeuert, am Mittwochmittag sind es noch weniger.

Unter den Zuschauern ist auch Altona-93-Fan Philip. „Man kriegt hier definitiv was geboten“, sagt der 34-Jährige und schlürft an einem Bier. Die Heimsspiele des Bergs, wie er den Club, der nach einer Seitenstraße der Hamburger Reeperbahn benannt ist, liebevoll nennt, hatte er meist verpasst. „Jetzt habe ich endlich mal Zeit auch nachts Fußball live zu erleben“, sagt der rundliche Mann und lacht.

Auch wenn der Hamburger Berg zwischenzeitlich führte, scheint das lange Spiel und der mangelnde Schlaf am Mittwochabend die ersten Auswirkungen zu zeigen. Wallhalben setzt zum Sprint an und holt auf. Nach 22 gespielten Stunden liegen die Hamburger 175:162 zurück.

Zuschauer Klaas fragt sich am Anfang der Partie, wie der Versuch funktionieren soll. „Das wird 'ne harte Geschichte“, sagt der 36-Jährige in der Runde seiner zwei Freunde. „Die haben nicht ganz im Blick, dass das Spiel bis Sonntagmittag dauert“, meint der Hamburger mit Blick auf die übermotivierten FC-Spieler. „Schon“ nach vierzehn Stunden berichten Zuschauer, dass die FC'ler müde und ausgelaugt wirken würden.

Auch der Pfälzer Spieler Mike Karll, der sich am Mittwoch den Arm geprellt hat, ist etwas skeptisch. Er findet, dass die Hamburger zu hart rangehen und macht sich Sorgen, dass sie deshalb nicht durchhalten. „Gegen drei Uhr morgens sind wir etwas müde geworden“, berichtet der Hamburger Stürmer Al Halaky am Mittag unter der prallen Mittagssonne. „Jetzt trinken wir viel Wasser und sind voll motiviert.“

Die Spieler vom Herausforderer, Kreisligist VfL Wallhalben, waren bereits in der Nacht zum Dienstag aus der Südwestpfalz angereist. „Wir haben letztes Jahr nur den deutschen Rekord von 75 Stunden holen können“, sagt VfL-Spieler Fabian Frantz. Für den Weltrekord hatte es nicht gereicht. Dieses Mal habe sich der Amateurverein besser vorbereitet. „Wir haben einen Spiel- und Schlafplan erstellt“, sagt VfLer Carsten Barz zuversichtlich. „Aber mehr als 2,5 Stunden schlafen wird wohl nicht drin sein“, ergänzt VfL-Kollege Lukas Sprunck. 2,5 Stunden wollen die Spieler auch abwechselnd aufs Feld.

Die Hamburger haben den Plan, abwechselnd jeweils drei Stunden zu schlafen und drei Stunden zu spielen.

zur Startseite

von
erstellt am 02.Jun.2016 | 13:59 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen