Schluss im Achtelfinale : Erneut frühes Partyende für Mexiko

Gegen Brasilien war Schluss für Rafael Marquez (rechts) und die Mexikaner.
Gegen Brasilien war Schluss für Rafael Marquez (rechts) und die Mexikaner.

Für Rafael Marquez endet die Nationalmannschaftskarriere auf fast schon gewohnte Art und Weise.

shz.de von
03. Juli 2018, 19:14 Uhr

Samara | Den Oberkörper hatte der Mann mittleren Alters schwer gebeugt, den Kopf auf die Hände abgesenkt, die gerade noch die Theke umklammerten. Auf dem Rücken des dunkelgrünen Trikots stand: "Ra Marquez“. Es war allerdings nicht der leibhaftige Rafael Marquez, der Ewig-Kapitän der mexikanischen Fußball-Nationalmannschaft, der nach seinem gerade verkündeten Rücktritt in einem Innenstadthotel mit Fifa-Anbindung seiner Trauer in Samara Ausdruck verlieh. Sondern ein mexikanischer Fan hockte da an der Theke, der nach Mitternacht seine Trauer ertränkte.

Kein Viertelfinale für Mexiko

Wie bei einer Beerdigung, ganz in Schwarz gekleidet, hatten zuvor die Protagonisten nach dem 0:2 gegen Brasilien das Weite in der Kosmos-Arena gesucht. Der Fluch ließ sich auch in Russland nicht vertreiben. Die letztlich verdiente Niederlage manifestierte zum siebten Male hintereinander seit 1994 das Trauma: Wenn die Viertelfinalparty ansteht, ist die Fiesta Mexicana vorbei. Und gleichzeitig jetzt auch die Nationalmannschaftskarriere von Marquez. Ein trauriges Adios.

Nationaltrainer Juan Carlos Osorio verspürte dennoch wenig Grund, eine tiefe Depression auszurufen, auch wenn der Kolumbianer offen ließ, ob er noch die Kraft für eine dringend nötige Verjüngung aufbringen kann. Seine Auswahl hatte nur eine halbe Stunde lang ihr mutiges Pressing vorgeführt. Osorio erinnerte daran, bei welch großen Klubs die brasilianischen Spieler unter Vertrag ständen: Real Madrid, FC Barcelona, Paris St. Germain, FC Chelsea und Manchester City.

Mehr Spieler auf hohem Vereinsniveau nötig

Das ist eben was anderes als die Arbeitgeber seiner Galionsfiguren, die bei West Ham United (Torjäger Chicarito), Betis Sevilla (Stütze Guardado), PSV Eindhoven (Stürmer Lozano) oder Standard Lüttich (Torwart Ochoa) angestellt sind. Nicht die schlechtesten, aber auch nicht die besten Referenzen. "Wir müssen noch mehr Spieler auf ganz hohes Vereinsniveau bringen, dann verbessert sich auch unser Level.“

Für seine beiden Kaderkräfte von Eintracht Frankfurt hätte die WM nicht unterschiedlicher nicht hätte verlaufen können. Carlos Salcedo versäumte in vier Spielen keine Minute, während Marco Fabian nur gegen Schweden (0:3) mal für 25 Minuten mitmachten durfte. Der 24-jährige Abwehrspieler Salcedo gesetzt, der 28-jährige Mittelfeldspieler Fabian verzichtbar. Genauso war es ja auch, als die Hessen den DFB-Pokal gegen den FC Bayern gewannen. Vor allem Salcedo verspürte beim Abgang tiefe Bedrückung. "Ich bin am Boden zerstört“, meinte Mexikos Nummer drei. Beim frisch blondierten Abwehrmann haben die Hessen kurz vor dem Turnier die vereinbarte Kaufoption für drei Millionen Euro gezogen und ein Arbeitspapier bis 2022 ausgemacht. Im Achtelfinale gehörte Salcedo in seinem 24. Länderspiel als Innenverteidiger lange zu den besseren, grätschte dann aber auch an der Willian-Hereingabe vorbei, worauf Neymar das 1:0 erzielte. Vielleicht unter diesem Eindruck der Enttäuschung ließ er die Zukunft für El Tri überraschenderweise offen. Der Nackenschlag von Samara hatte wohl nicht nur den mexikanischen Anhängern schwer zugesetzt.

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