Frankreich, Brasilien und Co. : Diese fünf Teams schielen auf den WM-Titel

Timo Werner (rechts) und die deutsche Nationalmannschaft gelten als WM-Favoriten. Dennoch könnte das Team ins Straucheln geraten.
Timo Werner (rechts) und die deutsche Nationalmannschaft gelten als WM-Favoriten. Dennoch könnte das Team ins Straucheln geraten.

Sport-Redakteur Kim Patrick von Harling nimmt die Top-Five der Weltmeisterschaft in Russland unter die Lupe.

shz.de von
12. Juni 2018, 12:27 Uhr

Moskau | Fünf Mannschaften werden den Titel unter sich ausmachen. Dahinter kämpfen 27 Teams um die goldene Ananas. Ein Turnier mit zahlreichen Überraschungen, wie sie die WM 2002 in Japan und Südkorea hervorgebracht hat, wird es in Russland nicht geben. Die Niveauschere klafft in diesem Jahr einfach zu weit auseinander. Fünf Favoriten haben sich in den vergangenen Monaten eindeutig herauskristallisiert.

Deutschland

Die deutsche Nationalmannschaft tat sich gegen Saudi-Arabien schwer und siegte nur mit 2:1.
imago/Thomas Koch

Die deutsche Nationalmannschaft tat sich gegen Saudi-Arabien schwer und siegte nur mit 2:1.

 
FIFA-Weltrangliste 1. Platz
WM-Teilnahmen 18
WM 2014 Weltmeister

Das Prunkstück der Mannschaft ist sicherlich das Mittelfeld. Bundestrainer Joachim Löw kann aus dem Vollen schöpfen. Von den fünf WM-Favoriten sehe ich Deutschland allerdings aufgrund der jüngst gezeigten Leistungen eher hinten an. Ein 2:1 gegen Saudi-Arabien – auch wenn es nur ein Test war – ist für einen amtierenden Weltmeister einfach zu wenig. Zumal die Startelf wohl bis auf den verletzungsbedingt fehlenden Mesut Özil die WM-Mannschaft gewesen sein dürfte. Dennoch zeigte die vergangene WM mehr denn je: Deutschland ist eine Turnier-Mannschaft. Sie ist nervenstark und behält auch in kritischen Momenten die Ruhe.

Argentinien

Könnte auch ein WM-Star werden: Argentiniens Lionel Messi.
Victor R. Caivano/AP
Könnte auch ein WM-Star werden: Argentiniens Lionel Messi.

 
FIFA-Weltrangliste 5. Platz
WM-Teilnahmen 16
WM 2014 Finale

Als Vize-Weltmeister geht Argentinien sicherlich hoch motiviert in das Turnier. Endlich soll der dritte Stern auf die Brust – und die Chancen stehen nicht schlecht. Vor allem die Offensivabteilung ist einzigartig. Vorne bietet Trainer Jorge Sampaoli eine Qualität auf, von denen sogar andere Top-Teams nur träumen dürfen. Sergio Agüero (Manchester City), Paulo Dybala, Gonzalo Higuain (beide Juventus Turin), Angel di Maria, Giovani Lo Celso (beide Paris Saint Germain) und natürlich: Lionel Messi (FC Barcelona). In der Vorrundengruppe mit Island, Kroatien und Nigeria können sich die „Gauchos“ austoben, da erwarte ich einige Torfestivals. Die Achillesferse der Argentinier steht hinter dem Angriff. Sowohl das Mittelfeld als auch die Abwehr dürfte ordentlich ins Schwimmen geraten, sollte diese in der Defensive gefordert werden. Bestes Beispiel ist da das Testspiel am 27. März gegen Spanien. Mit 1:6 wurden der Vizeweltmeister nach Hause geschickt.
 

Brasilien

Mit ihm auf dem Feld wäre das 1:7 Brasiliens bei der WM 2014 gegen Deutschland nicht passiert, erklärte Neymar in einem Interview.
imago/Eibner Europa

Mit ihm auf dem Feld wäre das 1:7 Brasiliens bei der WM 2014 gegen Deutschland nicht passiert, erklärte Neymar in einem Interview.

 
FIFA-Weltrangliste 2. Platz
WM-Teilnahmen 20
WM 2014 Halbfinale

Die Selecao darf natürlich nicht fehlen, das darf sie im Favoritenkreis nie. Fünf Mal hielten die Brasilianer bereits den WM-Pokal in den Händen, zuletzt 2002. Die große Blamage von 2014, als sie vor heimischer Kulisse mit 1:7 von Deutschland regelrecht verprügelt wurden, sitzt noch tief. Allerdings nimmt Brasilien somit die Positionen eines angeschlagenen Boxers ein, der auf Wiedergutmachung sinnt. Das Spielermaterial hat die Mannschaft von Trainer Tite zweifelsohne. Von der Nummer eins (Alisson) bis zur Sturmspitze (Jesus) ist die Mannschaft bestückt mit Spielern der Kategorie Weltklasse. Neymar ist nach seiner Verletzung (Haarriss im Knochen) wieder rechtzeitig fit für die WM. Im Starensemble Brasiliens nimmt der Flügelflitzer eine Sonderstellung ein. Er und seine Mitspieler sind in Form, in den vergangenen fünf Freundschaftsspielen blieb die Selecao ohne Gegentor. Darunter tummelten sich auch namhafte Gegner wie Deutschland (1:0), England (0:0) und Kroatien (2:0). Somit haben die Brasilianer das allgegenwärtige Vorurteil, dass südamerikanische Mannschaften nur in der Offensive funktionieren, ad acta gelegt.

Spanien

David Silva erzielte zwei Tore beim 5:0-Sieg Spaniens im Länderspiel gegen Costa Rica.
Miguel Morenatti
David Silva erzielte zwei Tore beim 5:0-Sieg Spaniens im Länderspiel gegen Costa Rica.
 
FIFA-Weltrangliste 10. Platz
WM-Teilnahmen 14
WM 2014 Vorrunde

Trainer Julen Lopetegui setzt auf Routine. Das Durchschnittsalter der spanischen Mannschaft liegt bei 29 Jahren. Allerdings gibt es für den Coach auch keinen Grund, Jugendexperimente zu starten. Spieler wie Andrés Iniesta (32, FC Barcelona), David Silva (32, Manchester City) und Sergio Ramos (32, Real Madrid) spielen trotz ihres Alters auf einem Top-Niveau. Die meisten Spieler aus dem aktuellen Kader waren Teil des WM-Triumphes von 2010 und des EM-Sieges von 2012. Auch sechs Spieler des Champions-League-Siegers Real Madrid reisen mit nach Russland. Spielerisch ist die Mannschaft enorm stark, das berüchtigte „Tiki-Taka“ haben die Südeuropäer perfektioniert. Die Routiniers der Mannschaft sind quasi die Macher dieser auf Ballbesitz fokussierten Spielweise.

Frankreich

Frankreichs Antoine Griezmann (Mitte) wird nach seinem Tor zum 2:1 im Testspiel gegen Italien von seinen Teamkollegen Paul Pogba (r.), Corentin Tolisso und Edil Rami (l.) gefeiert.
Claude Paris/AP
Frankreichs Antoine Griezmann (Mitte) wird nach seinem Tor zum 2:1 im Testspiel gegen Italien von seinen Teamkollegen Paul Pogba (r.), Corentin Tolisso und Edil Rami (l.) gefeiert.
 
FIFA-Weltrangliste 7. Platz
WM-Teilnahmen 15
WM 2014 Viertelfinale

Frankreich die kompletteste Mannschaft des Turniers. Natürlich ist die Équipe Tricolore mit einem Altersdurchschnitt von gerade einmal 26 Jahren extrem jung. Aber das Team von Trainer Didier Deschamps wirkt bereits jetzt gefestigt. Die Kombination aus der schnellen Offensive mit Antoine Griezmann, Ousmane Dembélé und Kylian Mbappé über die Mittelfeld-"Kanten" Paul Pogba und Blaise Matuidi bis hin zur stabilen Abwehr mit Raphael Varane und Samuel Umiti ist weltmeisterlich. Im 4-3-2-1-System fördert Deschamps die Stärken seiner Spieler, jeder weiß genau, was er zu tun hat. Frankreich wird dem Turnier seinen Stempel aufdrücken und am Ende die Trophäe hochhalten.

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