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Neues Zeitalter : DFL investiert 1,8 Millionen Euro für Videoassistent

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Der Videoassistent soll für mehr Gerechtigkeit sorgen. Die Deutsche Fußball Liga, die 1,8 Millionen Euro in die Technik investierte, sieht sich dabei als Schrittmacher.

Für die Bundesliga bricht mit der Einführung des Videoassistenten ein neues Zeitalter an.

Vier Wochen vor der Saison-Ouvertüre zwischen Meister Bayern München und Bayer Leverkusen am 18. August gewährte die Deutsche Fußball Liga in Köln einen Einblick in die technikbasierte Unterstützung, die den Schiedsrichtern auf dem Feld helfen soll. «Es ist eine neue mentale Herausforderung», sagte Sascha Stegemann, einer von insgesamt 23 für den Videoassistenten geschulten Bundesliga-Referees.

2015 wurde in der Bundesliga die Torlinientechnik eingeführt. Mit den bei den Confed-Cup-Spielen in Russland eingesetzten Videoassistenten sieht sich die DFL als «Innovationstreiber», wie es Ansgar Schwenken aus der DFL-Geschäftsleitung ausdrückte: «Spieler, Manager und Schiedsrichter freuen sich darauf, dass der Fußball ein Stück weit gerechter wird.»

1,8 Millionen Euro investiert die Liga in der kommenden Saison, um die von dem Torliniensystem «Hawk Eye» gestützte Schiedsrichter-Hilfe in Deutschland zu implantieren. Für die Videoassistenten wurde im Cologne Broadcast Center ein 100 Quadratmeter großer Raum eingerichtet, der laut Schwenken einmalig in Europa ist. Dort sitzt der Videoassistent vor TV-Bildschirmen und verfolgt das Geschehen. Zwei Videooperatoren bereiten die Bilder für strittige Entscheidungen auf, zudem unterstützt den Videoassistenten ein Supervisor, der wie Helmut Krug aus dem Kreis der Schiedsrichter-Elitekommission kommt.

Eindrücke von der Videotechnik hat man sich in der USA in der Football-Liga NFL und der Basketball-Liga NBA geholt. Das wichtigste Pfund ist die einjährige Schulung der Referees. Beim Confed Cup hatten die Schiedsrichter nur zehn Tage zur Eingewöhnung. Fehlentscheidungen wie im Finale zwischen dem DFB-Team und Chile sollen vermieden werden, als Gonzalo Jara nach einem rot-würdigen Ellbogenschlag gegen Timo Werner mit einer Gelben Karte davon kam.

«Jeder weiß, wie der andere tickt. Jeder vertraut dem Assistenten», sagte Stegemann. Insgesamt 24 Referees werden als Videoassistenten eingesetzt - 21 aktive sowie die gerade ausgeschiedenen Jochen Dress, Günter Perl und Wolfgang Stark. Als überprüfbar sind laut Definition Tore (Foul oder Abseits vorher?), Rote Karten (berechtigt oder nicht?), Elfmeter (richtig oder falsch?) sowie Verwarnungen und Platzverweise (Spielerverwechslungen) eingestuft. Die Entscheidung trifft überwiegend der Videoassistent, der aber bei kniffligen Situationen auch den Schiedsrichter dazu anhalten kann, in der Video Area am Spielfeldrand nochmals draufzuschauen.

Laut Schwenken soll der «Charakter des Spiels» nicht beeinflusst und überflüssige Nachspielzeiten vermieden werden. Sogar eine «Beschleunigung des Spiels» sei möglich. Die Entscheidungen sollen in einem Zeitfenster zwischen 10 und 40 Sekunden getroffen werden. Bei den Tests in der vergangenen Bundesliga-Saison habe es laut Schwenken in 306 Spielen 104 «spielrelevante Fehlentscheidungen» gegeben. 77 davon wären mit Videoassistent «reparabel» gewesen. «Es war ein enormer Lernprozess», sagte Referee Stegemann.

Die Bilder für die Assistenten werden durch das zentrale DFL-TV-Signal geliefert, in dem 21 Kameraeinstellungen abrufbar sind. Die Beteiligten gaben aber auch zu, dass der Videoassistent Fehlentscheidungen nicht ausschließen kann. «Eine hundertprozentige Gerechtigkeit wird es nicht geben», sagte Schwenken.

Deutscher Fußball-Bund

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erstellt am 20.Jul.2017 | 15:13 Uhr

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