Südkoreanischer Newcomer : Der unermüdliche Federer wird von Talent Chung gefordert

Roger Federer steht nach dem Sieg über Tomas Berdych im Halbfinale der Australian Open.
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Roger Federer steht nach dem Sieg über Tomas Berdych im Halbfinale der Australian Open.

Wenigstens auf Roger Federer ist Verlass. Einen Tag nach der Aufgabe von Rafael Nadal und zwei Tage nach dem Achtelfinal-Scheitern von Novak Djokovic schafft es der Altstar bei den Australian Open ins Halbfinale. Dort wartet ein Senkrechtstarter aus Südkorea.

shz.de von
24. Januar 2018, 13:23 Uhr

Roger Federer freut sich auf das Duell der Tennis-Generationen. «Es ist großartig, neue Namen auf der Bühne zu sehen, wir brauchen das», sagte der 36 Jahre alte Schweizer vor dem Halbfinale der Australian Open gegen das 15 Jahre jüngere südkoreanische Super-Talent Chung Hyeon.

Im Gegensatz zu seinen Weggefährten Rafael Nadal, Novak Djokovic und Andy Murray, die beim ersten Grand-Slam-Turnier der neuen Saison entweder von Beginn an fehlten, verletzt aufgaben oder geschwächt ausschieden, hat es der nimmermüde Federer Down Under wieder in das Halbfinale geschafft.

7:6 (7:1), 6:3, 6:4 gewann der 19-malige Grand-Slam-Champion am Mittwoch gegen den Tschechen Tomas Berdych und bleibt als einziger der vier Vorschlussrunden-Teilnehmer ohne Satzverlust. Auf seinem ersehnten Weg zur 20. Grand-Slam-Trophäe wartet nun zunächst am Freitag der neue Favoritenschreck aus Suwon. Im ersten Herren-Halbfinale stehen sich am Donnerstag der Kroate Marin Cilic und der Brite Kyle Edmund gegenüber.

«Er ist unglaublich beeindruckend, ich freue mich wirklich darauf, gegen ihn zu spielen», sagte Federer vor der Premieren-Partie mit dem aktuell (noch) auf Platz 58 der Rangliste notierten Chung. Alexander Zverev, Djokovic und US-Aufsteiger Tennys Sandgren jedenfalls fanden in den vergangenen Tagen keine Mittel, den jungen Mann mit der Brille, der Zahnspange und den peitschenden Schlägen zu stoppen.

Als erster Südkoreaner überhaupt hat es Chung bei einem der vier wichtigsten Turniere bis unter die besten Vier geschafft. Chung zählt neben Profis wie Alexander Zverev, dem Russen Daniil Medwedew, dem Kanadier Denis Shapovalov oder dem Kroaten Borna Coric zu den prominentesten Gesichtern der sogenannten NextGen-Marketingkampagne der Spielerorganisation ATP. Vor zwei Monaten holte er beim Saisonfinale der besten Nachwuchsspieler in Mailand den Titel.

Und nun mischt er Melbourne auf - als am niedrigsten platzierter Halbfinalist seit dem Russen Marat Safin als Nummer 86 vor 14 Jahren. «Hier gegen Novak zu gewinnen, ist schwer», zollte Federer seinem nächsten Kontrahenten Respekt. Mit sechs Jahren griff Chung erstmals zum Tennisschläger, im Alter von 13 bis 15 durchlief er eine zweijährige Ausbildungszeit an der IMG-Akademie in Bradenton/Florida. Heute lebt er im südkoreanischen Suwon. Und ist sich der historischen Bedeutung seiner sportlichen Taten für das Land durchaus bewusst.

«Im letzten Spiel kamen viele Dinge zusammen», sagte Chung nach seinem 6:4, 7:6 (7:5), 6:3 gegen Sandgren. «Wenn ich den nächsten Punkt mache, schreibe ich Geschichte in Korea, ich musste ruhig bleiben», schilderte Chung nach dem Match seine Gedanken und richtete ein paar Worte in seiner Muttersprache an die Fans in der Heimat.

Ganz nebenbei verewigte er sich auch noch in der Turnierstatistik. In Edmund und Chung stehen erstmals seit 1999 mehrere ungesetzte Spieler bei den Australian Open im Halbfinale. Damals waren es Thomas Enqvist, Nicolas Lapentti - und der deutsche Altstar Tommy Haas.

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