Startelfeinsatz wahrscheinlich : Der Hoffnungsträger heißt Reus

Marco Reus wurde gegen Mexiko erst in der 60. Minute von Bundestrainer Joachim Löw eingewechselt. Gegen Schweden könnte Reus in der Startelf stehen.
Marco Reus wurde gegen Mexiko erst in der 60. Minute von Bundestrainer Joachim Löw eingewechselt. Gegen Schweden könnte Reus in der Startelf stehen.

Auch wenn Marco Reus es nicht explizit gesagt hat, geht er davon aus, dass er gegen die Schweden starten wird.

shz.de von
20. Juni 2018, 16:43 Uhr

Sotschi | Der Hoffnungsträger weiß, dass er einer ist. Der Bundestrainer kenne seine Qualitäten. Der neben ihm auf dem Podium sitzende Thomas Müller auch – er lächelte vielsagend, so, als ob er schon mehr wüsste.

Marco Reus zählte gegen Mexiko zu den wenigen Lichtblicken im DFB-Team. Mit ihm gewann die Offensive ab der 60. Minute deutlich an Fahrt, ohne ihn lief zuvor nur wenig. So wenig, dass Thomas Müller offen eingestand: "Wir waren nicht gut, sind aber selbstkritisch genug, dies auch zu erkennen." Viele im Team hätten leichtfertig geglaubt, dass nach den Testspielen die Mannschaft beim Turnierstart frisch und locker auf den Platz gehe. Aber: "Unsere Leistung in den Testspielen konnten wir gegen Mexiko nicht steigern, sondern haben ähnliche Fehler begangen."

Nichts sei so gelaufen, wie es sich das Team vorgestellt habe, jetzt gelte es aber sich nicht zu "zerfleischen". "Sie können uns glauben, wir wollen nichts mehr als den Erfolg in den nächsten beiden Spielen", sagte der Münchner bei der DFB-Pressekonferenz. Nachdem kurz zuvor Team-Manager Oliver Bierhoff davon gesprochen hat, dass es "irgendeinen Impuls" vom Trainerteam geben werde, deutet viel in Richtung Marco Reus, der den Hype um seine Person kennt: "Natürlich bekomme ich das mit." Reus wirkte auf dem Podium im Gegensatz zu dem quasselnden Müller eher zurückhaltend, aber ehrlich: Klar, der Bundestrainer habe ihm schon im Trainingslager mitgeteilt, dass er nicht in der Startelf gegen Mexiko stehen werde. Dass Löw sich damit verzockt hatte, ist angesichts des Spielverlaufs nicht nur eine These.

Löw: "Er ist eine Rakete"

Der Bundestrainer hatte auf Mesut Özil und Julian Draxler gesetzt, was bekanntlich nicht gefruchtet hat. Schon diese Idee von Löw war eine kleine Überraschung, denn noch im Trainingslager hatte er den Dortmunder in höchsten Tönen gelobt: "Er ist ein geschickter, intelligenter Spieler und raffiniert im Torabschluss. Er ist eine Rakete."

Doch diese Rakete zündete am Sonntag nur mit erheblicher Verzögerung. Mit 32 Ballaktionen steht er in der Statistik, der Dortmunder wirkte präsent, war stets anspielbereit und spielte auch die Pässe in die Tiefe. Genau das, was zuvor von Mesut Özil über 60 Minuten auf dieser Position nicht zu sehen war.

Marco Reus belebte gegen Mexiko das Spiel.
Imago/East News
Marco Reus belebte gegen Mexiko das Spiel.

Für Marco Reus wäre das Scheitern in der Vorrunde die nahtlose Fortsetzung einer unglaublichen Pechserie. Das ärztliche Bulletin des talentierten Stürmers ist ziemlich einzigartig: Der 29-Jährige verpasste die WM 2014 in Brasilien wegen eines Risses des Syndesmosebands, ausgerechnet im letzten Testspiel vier Tage vor der Abreise nach Brasilien. Weltmeister wurden andere. Zehn Wochen fiel Reus damals aus, bevor er sich im November das Außenbandriss im Sprunggelenk riss. Seine Hoffnungen ruhten auf der Euro 2016, doch auch die verpasste er wegen einer Schambeinentzündung. Schließlich gab es im März 2017 noch einen Muskelfaserriss im Oberschenkel und im Mai vergangenen Jahres im Pokalendspiel eine Teilruptur des Kreuzbandes.

Doch jetzt in Russland ist er gesund. Und bereit, wie nie. Erwartet wird, dass Marco Reus auf der zentralen Position im offensiven Mittelfeld den Part von Mesut Özil übernimmt. Er könnte allerdings auch für Julian Draxler oder Thomas Müller in die Startelf rücken. Dass Müller frustriert wäre, wenn er auf der Bank sitzen würde, sagte er deutlich, aber ein meinte das positiv: Jeder der nicht spielt, müsse frustriert sein, weil jeder den Ehrgeiz habe, zu spielen.

Marco Reus und Thomas Müller betonten gleichermaßen die gute Atmosphäre in der Mannschaft, vermutete Risse oder Grüppchenbildungen gebe es nicht.

Dass das Spiel am Sonnabend ein Schicksalsspiel sein kann, sei allen bewusst. "Jeder weiß, dass das Spiel gegen Schweden unser erstes Endspiel ist", sagte Oliver Bierhoff. Er erwarte von jedem Spieler eine Resonanz und prophezeite: "Es wird kein Hurra-Spiel, sondern ein ganz harter Kampf."

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