Integrationsbeauftragter : Cacau kritisiert Özil und DFB

Cacau ist der Integrationsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes.
Cacau ist der Integrationsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes.

Nach dem Rücktritt Mesut Özils aus der Nationalmannschaft geht die Diskussion über dessen Rassismus-Vorwürfe weiter. In Cacau nahm nun der Integrationsbeauftragte des DFB Stellung - und kritisierte sowohl Özil als auch den Verband.

shz.de von
27. Juli 2018, 14:25 Uhr

Der DFB-Integrationsbeauftragte Cacau hat in der Diskussion um die Rassismusvorwürfe des zurückgetretenen Nationalspielers Mesut Özil sowohl den Weltmeister von 2014 als auch die Spitze des Deutschen Fußball-Bundes kritisiert.

Im Interview der «Bild»-Zeitung sagte der Ex-Profi: «Das Erdogan-Foto hatte eine politische Aussage, auch wenn das Mesut anders beurteilt.» Der Rassismus-Vorwurf gegen den DFB sei aber einfach «einfach falsch». Das mit dem Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan habe Özil «anscheinend bewusst getan», die Konsequenzen hätten ihm klar sein müssen, sagte Cacau.

Auf die Frage, ob ein Rücktritt von DFB-Präsident Reinhard Grindel hilfreich wäre, sagte er am Donnerstagabend in den ARD-«Tagesthemen»: «Das ist im Moment schwer zu sagen, weil die Diskussion dann doch sehr emotional ist.» Grindel hatte die Vorwürfe Özils, die der 29-Jährige am Sonntag über die sozialen Netzwerke verbreitet hatte, zurückgewiesen.

Aus Cacaus Sicht hat aber nicht nur Özil Fehler gemacht, «sondern auch der DFB, der nicht von vorneherein klar eine Richtung vorgegeben hat und diese Richtung dann auch befolgt hat. Das war heute eine Aussage und morgen eine andere. Und das war schwierig», kritisierte der frühere Nationalspieler in der ARD. «Man muss das klar, transparent und offen ansprechen.» Das sei im Moment aber leider nicht der Fall.

Fast die Hälfte der Deutschen ist der gleichen Meinung wie Cacau, wie aus dem jüngsten «Deutschlandtrend» von Infratest dimap im Auftrag des «ARD Morgenmagazins» hervorging: 47 Prozent der Befragten gaben an, dass DFB und Özil Verantwortung für das Zerwürfnis tragen. Fast drei von zehn Befragten (29 Prozent) sagten, die Verantwortung liege hauptsächlich bei Özil, nur jeder Siebte (14 Prozent) machte in erster Linie den DFB verantwortlich.

Cacau bezeichnete die Rassismus-Vorwürfe Özils als «sehr hart». Er habe in seinen Jahren beim DFB nichts Derartiges erlebt, obwohl auch er erkennbar einen Migrationshintergrund habe - der 37-Jährige ist gebürtiger Brasilianer. Özil sei ein hochtalentierter Spieler, da seien die Erwartungen hoch. «Eine Kritik, die man an einem Spieler auch mit Migrationshintergrund übt, ist nicht gleich Rassismus.»

Der Integrationsbeauftragte beklagte, die öffentliche Diskussion gehe mittlerweile in eine falsche Richtung: «Man hat das Gefühl, wenn man die Nachrichten sieht und liest, dass Deutschland ein flächendeckendes Rassismus-Problem hat. Das ist nicht der Fall.»

Unter dem Twitter-Hashtag #metwo - also «Ich Zwei» - schilderten unterdessen etliche Menschen im Netz ihre persönlichen Erfahrungen mit Diskriminierung im Alltag. Der Hashtag erinnert an #metoo - «Ich auch» - unter dem sich zunächst vor allem Schauspielerinnen zu sexuellen Belästigungen und Übergriffen in Hollywood geäußert hatten. Anschließend nutzten ihn auch Tausende Menschen, um eigene Erfahrungen zu schildern oder ihre Solidarität mit Betroffenen in den sozialen Netzwerken auszudrücken.

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