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Um fünf Sekunden zu langsam : Arndt verpasst großen Coup bei Sieg von Boasson Hagen

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Nikias Arndt hat bei der Tour den großen Coup ganz knapp verpasst. Der Bonner Debütant belegt auf der 19. Etappe den undankbaren zweiten Platz hinter dem Norweger Edvald Boasson Hagen. Spitzenreiter Chris Froome gönnt sich vor dem Zeitfahrspektakel eine Auszeit.

shz.de von
erstellt am 21.Jul.2017 | 18:51 Uhr

Nikias Arndt jagte im Stile eines Zeitfahrers die Zielgerade hinauf, dann schüttelte er enttäuscht den Kopf. Ganz knapp hat der 25-jährige Bonner bei seiner ersten Tour-Teilnahme nach einer schweißtreibenden 190-Kilometer-Flucht einen Etappensieg verpasst.

Mit einer Mischung aus Enttäuschung und Stolz stand Arndt am Teambus und ließ seine wohl bewegendsten Tour-Momente Revue passieren. «Natürlich bin ich enttäuscht. Wenn ich in einer Ausreißergruppe fahre, will ich auch gewinnen. Aber Boasson Hagen war eindeutig der Stärkste. Er hat am Schluss den größten Punch. Da konnte ich nicht mehr mithalten», sagte der 25-jährige Bonner. Trotzdem sei ein zweiter Platz auch «großartig», merkte Arndt im Ziel der 19. Etappe der 104. Frankreich-Rundfahrt an.

Nur wenige Meter fehlten dem zweitplatzierten Arndt zum Sieg in der Hitze von Salon-de-Provence. Stattdessen jubelte Edvald Boasson Hagen, der den deutschen Sunweb-Profi kurz vor dem Ziel abgeschüttelt. Wie ein Zeitfahrer jagte Arndt dem Norweger noch hinterher, am Ende fehlten fünf Sekunden. Chris Froome gönnte sich dagegen im Gelben Trikot eine Bummelfahrt und erreichte mit 12:27 Minuten Rückstand hinter der Ausreißergruppe im Peloton das Ziel.

Arndt verpasste damit den größten Erfolg seiner Karriere, nachdem er im vergangenen Jahr die Schlussetappe des Giro d'Italia gewonnen hatte - damals allerdings durch die Disqualifikation des Italieners Giacomo Nizzolo. Auch mit dem sechsten deutschen Etappensieg bei der diesjährigen Tour wurde es nichts, zuvor hatte der am Mittwoch ausgestiegene Marcel Kittel fünfmal zugeschlagen.

Arndts Attacke war bereits am Vortag bei der Teambesprechung geplant worden. Teamchef Iwan Spekenbrink und der zweimalige Etappensieger Michael Matthews seien auf sein Zimmer gekommen und hätten ihm grünes Licht gegeben. Nur Boasson Hagen hatte etwas dagegen und bescherte seinem Team doch noch den Sieg, nachdem Kapitän Mark Cavendish mit einem Schulterblattbruch früh ausgestiegen war.

Geschützt von seiner Über-Mannschaft Sky sparte Froome Kräfte für das große Spektakel am Samstag vor gut 67 000 Zuschauern im Stade Vélodrome von Olympique Marseille, wo beim Zeitfahren über 22,5 Kilometer das Gesamtklassement festgezurrt wird. Froome liegt 23 Sekunden vor dem französischen Vorjahreszweiten Romain Bardet. Weitere sechs Sekunden dahinter folgt der Kolumbianer Rigoberto Uran.

Froome, der mit Abstand beste Zeitfahrer, will von einer Vorentscheidung noch nichts wissen. «Es ist ein enges Rennen, es kann alles passieren. Wenn das Zeitfahren wie in Düsseldorf läuft, dann habe ich die Oberhand. Ich bin zuversichtlich», sagte der dreimalige Tour-Champion und sieht vor allem in Uran «die größere Bedrohung». Der Sky-Kapitän erinnert daran, dass der Kolumbianer bei seinem zweiten Gesamtrang beim Giro 2014 das Zeitfahren gewann - und dabei namhafte Konkurrenz wie Ex-Toursieger Cadel Evans hinter sich ließ.

Angesichts des letzten Kraftakts auf dem Weg zu Sieg Nummer vier dürfte es Froome am Freitag recht gewesen sein, dass sich frühzeitig eine 20-köpfige Gruppe bildete. Damit war schnell ein Massensprint bei der Tour-Premiere in Salon-de-Provence ausgeschlossen.

Der elfmalige Etappensieger André Greipel, der seit 2011 immer mindestens eine Tour-Etappe gewann, fährt in diesem Jahr damit weiter einem Erfolgserlebnis hinterher. Als letzte Chance bleibt der Prestigesprint auf den Champs Élysées am Sonntag. Auch im vergangenen Jahr hatte Greipel auf den letzten Drücker noch in Paris einen Etappensieg gefeiert.

Bevor in Paris der Vorhang für die 104. Frankreich-Rundfahrt fällt, hofft aber auch noch Tony Martin auf sein Erfolgserlebnis. Im Zeitfahren gehört der Weltmeister neben Froome und Ex-Skispringer Primoz Roglic aus Slowenien zu den Favoriten auf den Tagessieg. Nach überstandenen Sturzverletzungen und überwundener Erkältung rechnet sich Martin Chancen aus. Beim Auftakt war er noch im Regen am Gelben Trikot vorbeigefahren.

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