Pro & Contra : Play-Offs in der Bundesliga: Neue Dramaturgie oder ungerechter Modus?

Wenn sich nichts ändert, wird der FC Bayern München auch in den nächsten Jahren Abonnement-Meister in der Bundesliga, glaubt Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke.
Wenn sich nichts ändert, wird der FC Bayern München auch in den nächsten Jahren Abonnement-Meister in der Bundesliga, glaubt Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke.

Sind Play-Offs eine Lösung, um die Langeweile im Bundesliga-Titelkampf zu unterbinden? Die Meinungen gehen auseinander.

shz.de von
03. September 2018, 17:50 Uhr

Hamburg/Osnabrück | Nach nur zwei Spieltagen in der Bundesliga thront der FC Bayern München schon wieder an der Tabellenspitze. Vermeintliche Bayern-Jäger wie Bayer Leverkusen oder Schalke 04 zieren dagegen punktlos das Tabellenende. Auch Borussia Dortmund musste schon Zähler einbüßen. Es scheint als wäre die Meisterschaft erneut an die Bayern vergeben. Wieder keine Spannung in Sachen Meisterschaft?

Das muss sich ändern, meint Michael Reschke. Der Sportvorstand des VfB Stuttgart hat eine Reform des Spielsystems in der Bundesliga angeregt. "Vielleicht muss man sich in der Bundesliga auch mal mit einem Playoff-System beschäftigen. Ende der Saison spielen die ersten vier Mannschaften dann den Meister aus", sagte Reschke am Sonntag beim TV-Sender Sky Sport News HD: "Mit einem Playoff kommt wieder ein Spannungsgehalt in die Bundesliga rein. Fakt ist, dass die Meisterfrage wieder völlig offen wäre." Auch die Sportredaktion ist hin- und hergerissen, ob die Einführung von Play-Off-Spielen im Meisterschaftskampf sinnvoll wäre.

Pro: Play-Offs würden für neue Dramaturgie sorgen


Der NOZ-Sportchef Harald Pistorius kann dem Reschke-Vorschlag etwas Positives abgewinnen. Foto: Michael Gründel
Michael Gründel
Der NOZ-Sportchef Harald Pistorius kann dem Reschke-Vorschlag etwas Positives abgewinnen. Foto: Michael Gründel



Dass das Thema „Können Playoff-Spiele die Bundesliga retten?“ nach nur zwei Spieltagen auf der Agenda weit oben steht, spricht für sich. Ebenso die Tatsache, dass der Vorschlag nicht von einem Marketing-Manager kommt, sondern von einem erfahrenen Praktiker, der des Missbrauchs von Fußball-Werten unverdächtig ist.

Zumindest nachdenken sollte man über den Vorschlag von Michael Reschke, denn dass der Titelkampf in der Bundesliga langweilig ist wie noch in der Geschichte des deutschen Fußballs, kann niemand bestreiten. Playoff-Spiele im Pokal-Charakter, wie man sie aus anderen Sportarten und Ländern kennt, sorgen sicher für eine Zuspitzung des Wettbewerbs und eine neue Dramaturgie.

Wer hier ein kluges System entwickelt, das möglichst vielen Clubs und damit auch deren Fans einen heißen Saison-Endspurt beschert, wird die Liga beleben und dem nachlassenden Interesse entgegenwirken. Playoff-Spiele sind eine konsequente Fortsetzung der Entwicklung des Profifußballs zu einem Zweig der Unterhaltungsindustrie.

Contra: Vereine haben 34 Spiele Zeit

Sport-Redakteur Alexander Barklage sieht die Bundesliga-Vereine in der Pflicht für mehr Spannung zu sorgen. Foto: David Ebener
David Ebener
Sport-Redakteur Alexander Barklage sieht die Bundesliga-Vereine in der Pflicht für mehr Spannung zu sorgen. Foto: David Ebener

Die Meisterschaft ist der ehrlichste Titel, den man in der Saison gewinnen kann, betonen immer wieder Spieler und Verantwortliche. Die Arbeit der gesamten Saison endet, wenn sie erfolgreich ist, mit dem in die Höhe recken der "Salatschüssel". Nehmen wir einmal an, die Bayern haben am Ende der Saison nach 34 Spieltagen 20 Punkte Vorsprung vor dem Zweiten und dann erwischen Sie in den Play-Off-Spielen gegen Schalke einen schlechten Tag und scheiden aus. Die "Königsblauen" verlieren das Play-Off-Finale dann anschließend gegen Leverkusen. Die Werkself als Vierter und 25 Punkten Rückstand auf die Bayern in die Play-Offs gestartet, werden zum ersten Mal Deutscher Meister. Hört sich mit Sicherheit spannend an, aber gerecht wäre es nicht.

Die Clubs der Bundesliga, wenn auch finanziell nicht in einer Liga mit den Bayern, sollten die direkten Partien gegen den Rekordmeister nicht immer also Bonusspiele abschreiben, sondern selbstbewusst vor allem auch in der Allianz Arena auftreten. Natürlich ist auf lange Sicht der FC Bayern Dauer-Favorit auf den Titel, aber die Mannschaften der Bundesliga können in sportlicher Hinsicht mehr Paroli bieten als es die letzten Jahre getan haben.




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