Ex-Dortmunder unter Druck : Dembélé beim FC Barcelona: "Moskito" muss endlich stechen

Ousmane Dembélé im Scheinwerferlicht: Das zweite Jahr des Franzosen beim FC Barcelona wird wohl richtungsweisend für den mittelfristigen Verlauf seiner Karriere. Foto: imago/ZUMA Press
Ousmane Dembélé im Scheinwerferlicht: Das zweite Jahr des Franzosen beim FC Barcelona wird wohl richtungsweisend für den mittelfristigen Verlauf seiner Karriere. Foto: imago/ZUMA Press

Die Wechselgerüchte um den Ex-Dortmunder reißen nicht ab. Dabei hat der Franzose bei "Barca" wichtige Fürsprecher.

shz.de von
24. August 2018, 16:29 Uhr

Barcelona | Erst war da dieser Schuss wie ein Strich, der von der Unterkante der Latte ins Tornetz sprang. Dann drehte Ousmane Dembélé zum Jubel ab, hielt sich die rechte Hand an die Stirn und simulierte einen suchenden Blick in die Ferne. Der spektakuläre Siegtreffer im spanischen Supercup gegen den FC Sevilla (2:1) im ersten Spiel dieser Saison war ein Statement des Franzosen: "Seht her, ich bin noch da. Ich bin hier noch nicht fertig."


Wenn man es kritisch sehen will, dann hat Dembélé aber auch noch gar nicht richtig angefangen, seit er vor genau einem Jahr von Borussia Dortmund nach Katalonien wechselte, nachdem er sich zuvor seinen Abgang aus Dortmund durch einen Trainingsstreik erzwungen hatte. Eine "Win-Win"-Situation sei sein Wechsel für alle Beteiligten gewesen, behauptete Dembélé hinterher frech. Doch der Gewinn für seinen neuen Arbeitgeber hielt sich in Grenzen: Gerade einmal 24 Spiele absolvierte er in seinem ersten Jahr in Barcelona (vier Tore, neun Vorlagen) – viel zu wenig für einen Spieler, der die vereinsinterne Rekordsumme von 105 Millionen Euro Ablöse kostete, Nachfolger des abgewanderten Superstars Neymar werden und noch dazu bei einem Weltclub wie "Barca" sofort funktionieren sollte.

Aber der heute 21-Jährige funktionierte nicht. Zuallererst sein Körper, der nach dem dritten Spieltag in den Streik trat. Ein Oberschenkelmuskelriss setzte ihn für knapp vier Monate außer Gefecht. Kaum genesen, spielte ihm wieder die Muskulatur einen Streich und er musste für drei Wochen aussetzen.


Ousmane Dembele hat den Ball fest im Blick. Die Fans dagegen schauen ganz genau, was der Rekordeinkauf daraus macht. Foto: imago/ZUMA Press
imago/ZUMA Press
Ousmane Dembele hat den Ball fest im Blick. Die Fans dagegen schauen ganz genau, was der Rekordeinkauf daraus macht. Foto: imago/ZUMA Press


Das ohnehin zur Unruhe neigende Umfeld des FC Barcelona begann zu raunen. Von Fehleinkauf war die Rede, dazu würden die ständigen Muskelverletzungen von ungesundem Lebenswandel her rühren. Dembélé ernähre sich fast ausschließlich von Fast Food, hieß es. Gerüchte machten die Runde, wonach er sich über den Verein eine Butangasflasche nach Hause bestellt haben soll, um sich seine Burger selbst zu braten. Der Verein habe darauf reagiert und dem Spieler einerseits einen persönlichen Koch, der auf gesunde Ernährung achten, und andererseits einen Aufpasser, der heimliche Besuche in Fast-Food-Restaurants unterbinden solle, zur Seite gestellt. Trainer und Mannschaftskollegen seien verärgert, sein Abschied im Sommer beschlossene Sache. An Interessenten mangelte es nicht: Der FC Liverpool und Paris St. Germain galten als mögliche Abnehmer für den Weltmeister, der zu allem Überfluss beim gewonnenen Titel mit der französischen Nationalmannschaft nur eine Nebenrolle spielte.

Trainer Valverde verteidigt Dembélé

Und so gibt es beim FC Barcelona bis heute Stimmen, nach denen der Spieler besser das Weite suchen sollte. Die wichtigsten Männer im Verein aber halten zu ihrem Juwel: Präsident Bartomeu und der neue Sportdirektor Eric Abidal, ein Landsmann Dembélés, sollen in der Sommerpause sogar zum Telefon gegriffen und dem Spieler ihr Vertrauen ausgesprochen haben.

Trainer Ernesto Valverde wird nicht müde, seinen Spieler öffentlich zu verteidigen. "Dembélé ist ein großartiger Spieler, in den wir große Hoffnungen setzen und der uns sehr weiterhelfen kann. Es gibt viele Gerüchte, aber das ist normal. Davon lassen wir uns nicht beeinflussen."

Dembélé von Messi voll akzeptiert

Möglicherweise aber doch ein wenig, denn "Barca" verpflichtete im Sommer mit Malcom einen Spieler, der den Konkurrenzkampf auf der Außenbahn anheizen soll. Angeblich wurde der 41-Millionen-Transfer des Brasilianers von jener Fraktion im Verein initiiert, die Dembélé kritisch gegenüber steht. Trainer Valverde aber ist der Mann, der entscheidet: In den beiden bisherigen Spielen im Supercup und zum Saisonstart gegen Alaves spielte beide Male Dembélé von Beginn an, Malcom kam noch gar nicht zum Einsatz.

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Nach dem spielentscheiden Treffer gegen Sevilla blieb "Moskito", wie er von den spanischen Medien getauft wurde, zwar zum Ligastart tor- und vorlagenlos, wurde von den spanischen Medien aber als bester Mann des Spiels gefeiert. Die Sporttageszeitung "El mundo deportivo" rechnete sogar aus, dass Dembélé in beiden Spielen deutlich mehr Zuspiele von Lionel Messi erhalten habe, als dessen Freund und Sturmpartner Luis Suarez. Die Akzeptanz von Messi zu haben – mehr geht bei "Barca" eigentlich nicht.

Dembélé-Entdecker ist guter Dinge

Dennoch werden bis zur Schließung des Transferfensters am 31. August die Gerüchte über einen möglichen Abschied weitergehen. Die Krux für die Dembélé -Gegner im Club: Auf Grund der mäßig überzeugenden Premierensaison wird sich vermutlich ohnehin kein Verein finden, der den Katalanen das für Dembélé ausgegebene Geld wieder einbringt. Und die Kosten steigen: Nach dem Spiel gegen Alaves – dem 25. Pflichtspiel Dembélés – musste "Barca" eine vertraglich fixierte Bonuszahlung an den BVB veranlassen: Fünf Millionen Euro. Durch bisher getätigte Zusatzzahlungen steht Dembélés Transfer somit bislang bei einer Summe von 115 Millionen Euro, weitere 30 Millionen als einsatz- und erfolgsbedingte Variablen könnten noch dazu kommen.

Viel Last auf den Schultern eines 21-Jährigen, der damit aber gelernt haben sollte, umzugehen. Das glaubt zumindest sein Förderer und Entdecker Philipp Montanier, unter dem Dembélé 2015 bei Stade Rennes sein Profidebüt feierte: "So wie die erste Saison gelaufen ist, ist das völlig normal für so einen jungen Spieler bei einem Wechsel dieser Dimension. Ousmane hat Zeit gebraucht, um sich zu adaptieren, 'Barca' ist schließlich ein sehr großer Club und die Erwartungen waren immens. Ich habe sehr viele Hoffnungen in ihn für seine zweite Saison in Barcelona. Ihn zu verkaufen, wäre ein großer Irrtum." Denn Montanier glaubt, "dass Ousmane ein Spieler für die Gegenwart ist, aber vor allem für die Zukunft. Er ist ein fantastischer Fußballer."

Jetzt muss "Moskito" nur noch damit anfangen, das kontinuierlich unter Beweis zu stellen, seinem Spitznamen gerecht zu werden und regelmäßig zustechen. Dann wäre der Spieler glücklich, der Verein noch mehr – und auch Ex-Club Borussia Dortmund dürfte sich über weitere Bonuszahlungen freuen. Das wäre wirklich eine "Win-Win"-Situation für alle Beteiligten.

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