Offizielles Statement : DFB weist Rassismus-Vorwürfe Özils zurück und bedauert Rücktritt

Der DFB hat auf den Rücktritt des Nationalspielers Mesut Özil reagiert - und dankt dem 29-Jährigen unter anderem für seine erbrachten sportlichen Leistungen in den vergangenen Jahren.
Der DFB hat auf den Rücktritt des Nationalspielers Mesut Özil reagiert - und dankt dem 29-Jährigen unter anderem für seine erbrachten sportlichen Leistungen in den vergangenen Jahren.

Der DFB hat sich am Montag erstmals zum Rücktritt von Mesut Özil aus der Nationalelf geäußert.

shz.de von
23. Juli 2018, 15:58 Uhr

Frankfurt | Der DFB hat die Rassismus-Vorwürfe von Mesut Özil in einer Erklärung zurückgewiesen, aber die Attacken des Fußballers gegen Verband und Präsident Reinhard Grindel weitgehend ausgeklammert. Zugleich bedauerte der Deutsche Fußball-Bund in seiner Erklärung am Montag den Rücktritt des 92-maligen Nationalspielers. Der DFB sei Özil für seine "herausragenden Leistungen" im Trikot des deutschen National-Teams sehr dankbar.

Der DFB respektiere den Rückzug, betonte aber, dass es "für uns als Verband auch zum respektvollen Umgang mit einem verdienten Nationalspieler" gehöre, dass manche „für uns in Ton und Inhalt nicht nachvollziehbare Aussagen in der Öffentlichkeit" unkommentiert bleiben. "Dass der DFB mit Rassismus in Verbindung gebracht wird, weisen wir aber mit Blick auf seine Repräsentanten, Mitarbeiter, die Vereine, die Leistungen der Millionen Ehrenamtlichen an der Basis in aller Deutlichkeit zurück", erklärte der DFB.

 

Ex-Weltmeister Özil hatte am Sonntag seinen Rücktritt aus dem DFB-Team bekanntgeben und über soziale Medien in einer dreiteiligen Erklärung harsche Anschuldigungen gegen Grindel und den Verband erhoben. Dem DFB-Chef warf er vor, ihn als Sündenbock für "seine Inkompetenz und seine Unfähigkeit, seinen Job ordentlich zu erledigen" gemacht zu haben. Zudem will Özil im DFB "fremdenfeindliche Tendenzen" erkannt haben.

Auslöser der Affäre waren Fotos, die Özil und sein ehemaliger DFB-Teamkollege Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vor dessen Wiederwahl gemacht haben. Özil hatte sich im Gegensatz zu Gündogan vor der WM in Russland überhaupt nicht zu dem umstrittenen Fototermin geäußert. In der Erklärung vom Sonntag verteidigte er, die Bilder gemacht zu haben.


 

"Von der Kreisklasse bis in die Nationalmannschaften gehören Spielerinnen und Spieler mit Migrationshintergrund zum DFB", hieß es in der am Montag veröffentlichten Erklärung weiter. "Was uns alle dabei auf und neben dem Platz verbinden muss, ist die Beachtung der im Grundgesetz verankerten Menschenrechte, das Eintreten für Meinungs- und Pressefreiheit sowie Respekt, Toleranz und Fair Play." Ein Bekenntnis zu diesen Grundwerten sei für alle erforderlich, die für Deutschland Fußball spielen.

Wichtig, dass Özil Antworten gibt

"Die Bilder mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan haben deshalb bei vielen Menschen in Deutschland Fragen aufgeworfen. Dass der DFB im Umgang mit dem Thema dazu auch einen Beitrag geleistet hat, räumen wir selbstkritisch ein", schreibt der DFB. "Und dass Mesut Özil das Gefühl hatte, als Ziel rassistischer Parolen gegen seine Person nicht ausreichend geschützt worden zu sein, wie es bei Jérôme Boateng der Fall war, bedauern wir." Der Bayern-Profi Boateng war im Jahr 2016 gegen Angriffe der AfD in Schutz genommen worden.

Es sei aber wichtig, dass Mesut Özil, wie vor ihm bereits Ilkay Gündogan, mit Blick auf dieses Foto Antworten gibt, „unabhängig vom sportlichen Ausgang des Turniers in Russland", hieß es in der Mitteilung. "Im DFB gewinnen und verlieren wir zusammen, alle, als ein Team." Damit wird indirekt auf Özils Vorwurf eingegangen nach dem WM-Aus in der Vorrunde als Sündenbock missbraucht worden zu sein.
 

Die Erklärung im Wortlaut:

"Das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat sich heute in einer Telefonkonferenz mit der Rücktrittserklärung von Mesut Özil befasst. 92-mal hat Mesut Özil für die deutsche Nationalmannschaft gespielt. Er hat eine erfolgreiche Ära mitgeprägt, auf und gerade auch neben dem Platz. Er hatte entscheidenden Anteil daran, dass Deutschland 2014 in Brasilien Weltmeister geworden ist. Deshalb ist und bleibt der DFB Mesut Özil für seine herausragenden Leistungen im Trikot der deutschen Nationalmannschaften sehr dankbar.

Vielfalt ist eine Stärke, nicht nur im Fußball. Deswegen hat unsere Integrationsarbeit auf allen Ebenen eine zentrale Bedeutung. Von der Kreisklasse bis in die Nationalmannschaften gehören Spielerinnen und Spieler mit Migrationshintergrund zum DFB. Wir spielen und leben zusammen mit unseren unterschiedlichen familiären Wurzeln, unseren Religionen und Kulturen. Was uns alle dabei auf und neben dem Platz verbinden muss, ist die Beachtung der im Grundgesetz verankerten Menschenrechte, das Eintreten für Meinungs- und Pressefreiheit sowie Respekt, Toleranz und Fair Play. Ein Bekenntnis zu diesen Grundwerten ist für jede Spielerin und für jeden Spieler erforderlich, die für Deutschland Fußball spielen.

Die Bilder mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan haben deshalb bei vielen Menschen in Deutschland Fragen aufgeworfen. Dass der DFB im Umgang mit dem Thema dazu auch einen Beitrag geleistet hat, räumen wir selbstkritisch ein. Und dass Mesut Özil das Gefühl hatte, als Ziel rassistischer Parolen gegen seine Person nicht ausreichend geschützt worden zu sein, wie es bei Jerome Boateng der Fall war, bedauern wir. Es war aber wichtig, dass Mesut Özil, wie vor ihm bereits Ilkay Gündogan, mit Blick auf dieses Foto Antworten gibt, unabhängig vom sportlichen Ausgang des Turniers in Russland. Im DFB gewinnen und verlieren wir zusammen, alle, als ein Team.

Der DFB hätte sich gefreut, wenn Mesut Özil auf dieser gemeinsamen Basis weiter Teil des Teams hätte sein wollen. Er hat sich anders entschieden. Der DFB respektiert das, und es gehört für uns als Verband auch zum respektvollen Umgang mit einem verdienten Nationalspieler, dass wir manche für uns in Ton und Inhalt nicht nachvollziehbare Aussage in der Öffentlichkeit unkommentiert lassen.

Dass der DFB mit Rassismus in Verbindung gebracht wird, weisen wir aber mit Blick auf seine Repräsentanten, Mitarbeiter, die Vereine, die Leistungen der Millionen Ehrenamtlichen an der Basis in aller Deutlichkeit zurück. Der DFB engagiert sich seit vielen Jahren in hohem Maße für die Integrationsarbeit in Deutschland. Er verleiht unter anderem den Integrationspreis, er hat die Kampagne “1:0 für ein Willkommen” ins Leben gerufen und Zehntausende Flüchtlinge in die Fußballfamilie integriert. Er hat in den vergangenen 15 Jahren eine vielschichtige Integrationsarbeit etabliert, die bis in die Amateurvereine wirkt. Der DFB steht für Vielfalt, von den Vertretern an der Spitze bis zu den unzähligen, tagtäglich engagierten Menschen an der Basis.

Der DFB bedauert den Abschied von Mesut Özil aus der Nationalmannschaft. Das ändert aber nichts an der Entschlossenheit des Verbandes, die erfolgreiche Integrationsarbeit weiter konsequent und aus tiefer Überzeugung fortzusetzen."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen